Entschärfung

Neue Bombe: Wieder müssen 11.000 Kreuzberger raus

An der Lindenstraße in Kreuzberg ist eine zweite Bombe gefunden worden. Die Entschärfung erfolgt am Freitag. Es wird wieder evakuiert.

Die Entschärfung einer Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in der Kreuzberger Lindenstraße ist erst drei Tage her – jetzt wurde auf dem Baugrundstück neben dem ehemaligen Blumengroßmarkt erneut ein Blindgänger gefunden. Nach Angaben einer Polizeisprecherin handelt es sich wieder um eine 250 Kilogramm schwere Bombe amerikanischer Bauart. Im Gegensatz zu dem Fund vom vergangenen Freitag ist der Sprengkörper nicht mit zwei, sondern nur mit einem Zünder versehen.

Erneut müssen 11.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen

Nach den bisherigen Planungen der Polizei soll die Bombe am Freitag in den Vormittagsstunden entschärft werden. Voraussichtlich werde der gleiche Sperrkreis wie am Sonntag gelten. Das heißt, dass erneut rund 11.500 Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen. Was die Straßensperrungen angeht, sollen laut Polizei diesmal die Hauptverkehrstangenten wie etwa die Wilhelmstraße, die Gitschiner Straße und die Rudi-Dutschke-Straße nur für den eigentlichen Zeitraum der Entschärfung gesperrt werden. Über genaue Details soll die Bevölkerung in den nächsten Tagen informiert werden.

Mittlerweile fragen sich Anwohner, wie es geschehen konnte, dass mit dem Bau an der Lindenstraße begonnen wurde, ohne dass der Boden auf mögliche Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht wurde. Dazu hieß es aus der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dass ein Grundstückseigentümer vor Beginn der Bauarbeiten bei der Senatsverwaltung einen Antrag auf Untersuchung des Baugrundes stellen könne. „Anhand von Luftbildern der Amerikaner prüfen wir dann das Grundstück“, sagte Sprecherin Petra Rohland auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Ergeben sich dann Verdachtspunkte, beauftragen wir eine Spezialfirma, die dann gezielt sucht.“ Werden die Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes fündig, werde die Polizei eingeschaltet. „Es ist dann die Aufgabe der Polizei und deren Feuerwerker, einen Sperrkreis zu bestimmen und die Bombe zu entschärfen“, sagte Rohland. Sie kündigte an, dass der Eigentümer des Grundstücks an der Lindenstraße nach dem zweiten Bombenfund nun beauftragt werde, eine grundlegende Suche durchführen zu lassen. Wer Eigentümer ist, konnte die Sprecherin der Senatsverwaltung aber nicht sagen.

Offen blieb am Mittwoch, warum es erst jetzt zu den Bombenfunden kam. Der ehemalige Blumengroßmarkt an der Lindenstraße war im Zweiten Weltkrieg bei Bombenangriffen zerstört worden. So viel ist sicher. Die Wahrscheinlichkeit, auf dem Areal Munitionsreste zu finden, ist also relativ hoch. Nach dem Krieg wurde zunächst ein Provisorium errichtet, 1965 folgte dann an gleicher Stelle ein Neubau. Ob damals gezielt nach Weltkriegsmunition gesucht wurde, blieb am Mittwoch zunächst offen.

Vergangenen Freitag gab es dann aber Gewissheit. Die erste Fliegerbombe wurde entdeckt. Am Sonntag mussten daraufhin mehr als 11.000 Anwohner ihre Wohnungen verlassen, damit die 250 Kilogramm schwere Bombe amerikanischer Bauart entschärft werden konnte. Spezialisten der Polizei waren ab 9.30 Uhr vor Ort, um sie unschädlich zu machen. Der U-Bahn- und Busverkehr war am Sonntag deshalb eingeschränkt. Bei der Entschärfung gab es Verzögerungen, noch am frühen Nachmittag gegen 13.30 Uhr liefen die Evakuierungen. Grund unter anderem: Ein bettlägeriger Mann konnte lange Zeit nicht aus seiner Wohnung in Sicherheit gebracht werden. Erst mit Hilfe eines Spezialrettungswagens der Feuerwehr konnte er am späten Nachmittag in eine Klinik gebracht werden. Gegen 17.40 Uhr war es dann den Spezialisten der Polizei gelungen, die beiden Zünder aus der Bombe herauszuschneiden und sie kontrolliert zur Explosion zu bringen.

Noch 3000 Blindgänger sollen im Berliner Boden liegen

Über Berlin wurden während des Zweiten Weltkrieges rund 46.000 Tonnen Bomben abgeworfen. Nicht alle sind explodiert. Deshalb werden immer wieder Blindgänger entdeckt. Pro Jahr werden nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zehn Bomben mit einem Gewicht zwischen 50 und 500 Kilogramm gefunden.

Allein im vergangenen Jahr sind 54 Tonnen Bomben, Granaten und Munition entschärft worden. Seit Januar 1948 bis zur Wiedervereinigung 1990 hat die Polizei im Westen Berlins 1035 Sprengbomben und vier Luftminen entschärft. Für den Osten der Stadt liegen keine Statistiken vor. Nach Schätzungen der zuständigen Stellen beim Senat liegen weiterhin 3000 Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden der Hauptstadt.

U-Bahnlinien werden unterbrochen, Busse umgeleitet

Die BVG teilt mit: Im Evakuierungszeitraum ab 9 Uhr müssen der südliche Zugang des U-Bahnhofs Kochstraße sowie der nördliche Zugang zur U6 am U-Bahnhof Hallesches Tor am Mehringplatz gesperrt werden. Während der eigentlichen Entschärfung wird nach Rücksprache mit der Polizei die U6 unterbrochen. Die Linie fährt dann zwischen Alt-Tegel und Stadtmitte sowie zwischen Platz der Luftbrücke und Alt-Mariendorf.

Aufgrund der Sperrung der Lindenstraße zwischen Kochstraße und Gitschiner Straße müssen sich Fahrgäste der Busline 248 ebenfalls auf Einschränkungen einstellen. Ab 9 Uhr bis Ende der Evakuierung wird die Linie über die Alexandrinenstraße umgeleitet. Die Haltestellen Jüdisches Museum und Franz-Klühs-Straße werden nicht bedient.

Die U-Bahnlinie U12 sowie weitere Buslinien sind nach derzeitigem Stand nicht betroffen. Die BVG bittet jedoch zu beachten, dass sich die einzelnen Maßnahmen auf Anweisung der polizeilichen Einsatzleitung kurzfristig ändern können und sich zu diesem Zeitpunkt keine Aussagen zur voraussichtlichen Dauer der Einschränkungen treffen lassen.