Berliner Geheimnisse

4. Geheimnis: Das fliegende Pferd vom Schloss Charlottenburg

Wir verraten Ihnen die "Berliner Geheimnisse". Heute: Das Windpferdchen auf dem Dach des Schlosses Charlottenburg.

Das Windpferd funktioniert auch heute. Vor einigen Jahren wurde es wieder instand gesetzt

Das Windpferd funktioniert auch heute. Vor einigen Jahren wurde es wieder instand gesetzt

Foto: Eva-Maria Bast

Zu wissen, woher der Wind weht, kann nie schaden. Dieser Ansicht war offenbar auch König Friedrich I. (1657–1713). Deshalb ließ er sich einen „Windanzeiger“ in seinem Schlafzimmer im Schloss Charlottenburg installieren. Und es gibt ein Relikt am Schloss, das heute noch daran erinnert: Steht man auf der Gartenseite und blickt zum Dachbalkon empor, entdeckt man am rechten Teil des Hauptgebäudes einen Stab, auf dem ein kleines Pferdchen steht. „Diese dünne Eisenstange führt hinunter bis ins Erdgeschoss“, erklärt Gerhard Vondruska, Gästeführer im Schloss Charlottenburg. „Und in diesem Zimmer, in dem der Stab endet, war das Schlafzimmer von König Friedrich I.“

An der Stange befinde sich ein Ziffernblatt, das jedoch keine Uhr, sondern eine Windrose darstellt. Und ein Zeiger – ein Kompass. „Durch das Windpferd oben auf dem Dach wurde das Gestänge je nach Windrichtung über eine Zahnradkopplung gedreht. Und unten, im Schlafzimmer des Königs, wurde der Zeiger dann entsprechend bewegt“, erklärt er. Das Windpferdchen funktioniere heute wieder, vor wenigen Jahren setzte man es instand.

„Das war nur eine barocke Spielerei“, sagt Vondruska. Vielleicht wollte Friedrich I. ja auch ein Sprichwort gewissermaßen in die Tat umsetzen. Die Redensart „von etwas Wind bekommen“ wurde nämlich seit dem 17. Jahrhundert recht häufig verwendet – und im 18. Jahrhundert dann auch in der Dichtung: Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) schreibt in seiner „Emilia Galotti“: „Aber er muß Wind gehabt haben. Denn er war nicht so ganz unbereitet.“ In Friedrich Schillers (1759–1805) „Kabale und Liebe“ ist zu lesen: „Meine Tochter kommt mit dem Baron ins Geschrei. Mein Haus wird verrufen. Der Präsident bekommt Wind (...).“ Und Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) lässt Clavigos Freund Carlos in seinem Trauerspiel „Clavigo“ sagen: „Man kann nicht wissen, wie’s verschwätzt wird, wie er Wind kriegt.“

Ihren Ursprung hat die Redewendung vermutlich in der Sprache der Jäger: Wenn das Wild den Jäger riecht, also „Wind davon bekommt“, dass der Jäger sich in der Nähe befindet, flieht es. Und die Jagd, die war seit jeher ein königliches Vergnügen.

>>> Das Windpferd kann man von der Gartenseite des Schlosses gut erkennen. Es befindet sich auf dem Dachbalkon im rechten Teil des Hauptgebäudes.

Das Buch kostet 14,90 Euro. Sie können es auch am Empfang der Berliner Morgenpost, Kurfürstendamm 22, 10719 Berlin, erwerben. Ebenso ist der Band über die Homepage der Autorin bestellbar oder über die Telefonnummer 07551/63320.

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