Deutsche Post

Wenn der Briefträger nur einmal pro Woche kommt...

Seit Wochen erhalten Bewohner rund um den Lietzensee nur noch selten Post. Viele Zusteller sind krank.

Ein guter Tag für Dorothea Zander, Dieter Caspary (Mitte) und ihre Nachbarn: Sie erhalten ausnahmsweise mal ihre Post

Ein guter Tag für Dorothea Zander, Dieter Caspary (Mitte) und ihre Nachbarn: Sie erhalten ausnahmsweise mal ihre Post

Foto: Amin Akhtar

Tagelang, ja sogar wochenlang keine Post erhalten – das ist ungewöhnlich, auch wenn es immer mal Unreglmäßigkeiten bei der Zustellung gibt. Für Bewohner in den Straßen rund um den Lietzensee ist dieser Zustand Normalität. „Wir erhalten jetzt bereits in der dritten Woche nur einmal Post, dabei gibt es sechs Zustelltage“, ärgert sich Dieter Caspary aus der Dernburgstraße.

Am Anfang hätten er und seine Frau, Dorothea Zander, sich ja noch nichts Schlimmes dabei gedacht, obwohl sie jeden Tag normalerweise viel Post erhalten. Doch jetzt reicht es dem Paar. Und nicht nur ihnen.

„Ein unhaltbarer Zustand“ sei das, kritisiert Stefan Jacker. Ihm gehört die „Apotheke am Funkturm“ an der Neuen Kantstraße und er ärgert sich, dass sein Geschäft unter dem schlechten Service der Post leidet. Kunden, die selbst von der mangelhaften Zustellung betroffen seien, hätten zwar Verständnis, aber das Ausmaß habe inzwischen eine nicht mehr vertretbare Größenordnung angenommen: „Dieser Zustand zieht sich sogar schon länger als drei Wochen hin. Wenn mal Post kommt, kriege ich einen Riesenstapel, er scheint aber auch sehr unsortiert zu sein. Wir warten jetzt noch auf Rezepte, die vor einer Woche abgeschickt wurden“, so der Apotheker.

Kunden erhalten keine Antwort

Und die Kunden müssten auf ihre Medikamente warten oder hätten unnötige Laufereien, ärgert sich Jacker. Auch Gunter Sanders aus der Neuen Kantstraße ist betroffen. Er erhielt an einem Tag die Post einer ganzen Woche. Auf seine Fragen, die er per Brief und per Mail an die Post schickte, habe er keine Antwort erhalten.

Überhaupt ist es für die Post-Kunden schwierig, Auskünfte zu erhalten. „Wir sind zum Postcenter in der Soorstraße gegangen. Dort hat man uns gesagt, dass man nicht zuständig sei für solche Fragen“, berichtet Dorothea Zander. Flapsig habe es bei der Postbank, die die Briefmarken im Auftrag der Post verkauft, aber eigentlich zur Deutschen Bank gehört, geheißen: „Dann wäre ja sonst die Hölle hier los.“ Und von einem Briefträger hörten die Betroffenen zudem, dass von den 40 Zustellern 30 krank seien. Deshalb würden Kollegen aus anderen Zustellbezirken zumindest ab und an dorthin „abkommandiert“.

Zahlen nennt Deutsche-Post-Sprecherin Anke Blenn nicht, aus Wettbewerbsgründen. Aber sie bestätigt: „Leider haben wir aktuell in Berlin bei den Postzustellern einen sehr hohen Krankenstand.“ Das habe in den vergangenen Wochen „punktuell zu Unregelmäßigkeiten in der Zustellung“ geführt. Auch Vertretungskräfte seien erkrankt.

Viele Briefe in dieser Gegend

Neben dem hohen Krankenstand sei die Menge der zu befördernden Briefe im Bereich der Neuen Kantstraße und Dernburgstraße „ausgesprochen hoch“ gewesen. Die Post entschuldige sich ausdrücklich bei den Betroffenen Kunden für die Unannehmlichkeiten. „Wir haben bereits Einstellungen vorgenommen und schulen die neuen Kollegen“, so die Sprecherin weiter.

Díe Einarbeitung dauere jedoch noch an. Bevor die Entlastung greife versuche die Post deshalb weiterhin, zusätzliche Kräfte für die Zustellung von Briefen und Paketen zu gewinnen. Außerdem sollen Zusteller aus umliegenden Bereichen mithelfen.

Die Gewerkschaft unterdessen sieht einen Zusammenhang zwischen dem hohen Krankenstand und dem Arbeitspensum. „Die Zustellbezirke werden immer größer, das Leistungsmaß ist immer weiter angehoben worden, und es wird zu wenig Personal eingestellt“, sagte Volker Geyer, Bundesvorsitzender der Kommunikationsgewerkschaft DPV, auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

Zustsellbereiche werden überprüft

Die Zusteller schafften die Touren nicht, sie seien überlastet. In Berlin sei die Lage bereits seit längerer Zeit angespannt. Mit einem Riesencomputersystem, bei dem jeder Briefkasten, jeder Haushalt, jede Briefzustellung verzeichnet sei, wird laut Gewerkschaft einmal im Jahr überprüft, ob der Zuschnitt des Zustellbereichs noch passend ist.

„Dabei werden die Kisten und Anhänger der Briefzustellwagen immer größer, die Gewichte auch“, so Geyer. Um die Mitarbeiter vor Überlastung zu schützen, fordere die Gewerkschaft deshalb einen neuen Bemessungstarifvertrag. Außerdem wolle sie mitsprechen bei dem Leistungsmaß. Der Paketsektor wachse ebenfalls „extrem“, auch dort gebe es Überlastungsprobleme.