Gewalt gegen Polizisten

Selbst Taschendiebe gehen sofort zum Angriff über

Polizisten im Einsatz müssen in Berlin jederzeit mit Angriffen rechnen. Viele beklagen den mangelnden Respekt gegenüber den Beamten.

Polizisten werden am 1. Mai angegriffen. Aber auch der alltägliche Dienst wird immer gefährlicher

Polizisten werden am 1. Mai angegriffen. Aber auch der alltägliche Dienst wird immer gefährlicher

Foto: imago/Florian Schuh

Sie müssen mittlerweile jederzeit mit einem Angriff rechnen. Egal ob sie als Zivilfahnder, Streifenwagenbesatzung oder als Einsatzhundertschaft unterwegs sind. Gewalttätige Übergriffe auf Polizeibeamte nehmen auch in Berlin dramatisch zu. Wurden in der Hauptstadt 2013 mehr als 5900 Berliner Beamte im Dienst angegriffen, waren es ein Jahr später bereits mehr als 6500. Und im ersten Quartal 2015 zählte die Polizei 1807 Straftaten gegen Freiheit und körperliche Unversehrtheit von Polizeivollzugsbeamten. Fast 300 mehr als im ersten Quartal 2014.

Beamter bei Einsatz mit Eisenstange angegriffen

Dabei ist das nur die Spitze des Eisbergs. Weil es sich um Delikte handelt, die von Amts wegen verfolgt werden. Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten berichten immer öfter davon, dass sie bei Einsätzen beschimpft und geschmäht werden. Im Problembezirk Neukölln werden Zivilstreifen schon mal von Jungkriminellen aus arabischen Großfamilien mit schweren Limousinen provoziert: „Was wollt ihr denn mit eurem billigen Passat und eurem popeligen Beamtengehalt“, berichtet ein Fahnder. Und das sei noch harmlos.

Es zeigt nach Einschätzung vieler Beamter aber, wo das Grundproblem liegt. Es fehlt der Respekt vor den Polizisten. Und dies längst nicht mehr nur in kriminellen Milieus. Im Volkspark Hasenheide endete jüngst ein Einsatz gegen Drogendealer damit, dass ein Beamter unvermittelt mit einer Eisenstange angegriffen wurde und er plötzlich ein Messer im Bein stecken hatte. Zivilfahnder der Bundespolizei berichten, dass sich selbst Taschendiebe mit aller Macht einer Festnahme zu entziehen versuchen. „Sie gehen sofort zum Angriff über“, berichtet ein Polizeiobermeister. In einem Fall sei er mit einer abgebrochenen Glasflasche attackiert worden.

Rigaer Straße in Friedrichshain ist für Polizisten ein gefährliche r Ort

In Berlin ist vor allem die Rigaer Straße in Friedrichshain für Polizeibeamte ein gefährlicher Ort. Seit Monaten werden dort, vermutlich von Linksextremen, immer wieder Einsatzkräfte von Dächern aus mit Steinen beworfen. „Teilweise werden vorher falsche Notrufe abgesetzt“, berichtet Polizeisprecher Stefan Redlich. So würden die Beamten „in die Falle gelockt“. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hat die Polizeiführung deshalb angewiesen, gegen die Szene härter vorzugehen. Bei einem Treffen von Polizeipräsident Klaus Kandt und den Leitern der zuständigen Polizeidirektion 5 sowie des Landeskriminalamtes seien erste Maßnahmen getroffen und umgesetzt worden, sagte Redlich. Weitere würden folgen. Details wollte er nicht nennen. Es seien aber keine einmaligen, sondern dauerhafte Aktionen, so der Sprecher.