Oranienstraße

Für Kreuzberg gehört das Myfest zu einem friedlichen 1. Mai

Senat und Bezirk wollen in Kreuzberg das Myfest am 1. Mai erhalten. Ein Anwohner hatte dagegen geklagt.

Geschiebe und Gedränge beim Myfest 2014 in Kreuzberg

Geschiebe und Gedränge beim Myfest 2014 in Kreuzberg

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Nach dem Willen von Senat und Bezirk soll das Myfest am 1. Mai erhalten bleiben. „Es ging darum, einen Gesprächsfaden zu knüpfen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) nach dem ersten Treffen mit der Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne). „Das Myfest bleibt für mich ein ganz wichtiger Baustein für einen friedlichen 1. Mai.“

Auch Herrmann setzt auf weitere Gespräche, um das Fest in Kreuzberg retten zu können. „Wir haben die Situation vom Fest 2015 analysiert“, sagte Herrmann. „Wir sind uns einig in der Bedeutung des Myfestes, und der Senator teilt meinen Ansatz, was die Sicherheitsfrage betrifft.“ Ein Anwohner hat Klage gegen das Fest eingereicht, weil es keine politische Veranstaltung und als normales Straßenfest nicht genehmigungsfähig sei.

Im Bezirk besteht eine breite Zustimmung für die Beibehaltung des Festes. „Das Fest sollte auf jeden Fall in der bisherigen Form fortgeführt werden“, sagt Timur Husein, Fraktionsvize der CDU in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). „Verantwortlich muss weiterhin das Bezirksamt sein.“ Wichtig sei eine verstärkte Unterstützung durch den Senat. Wenn man das Festgelände künftig erweitern würde, so Huseins Vorschlag, könnte man Bühnen und Stände in größeren Abständen aufstellen, und die Besucher würden sich mehr auf dem Areal verteilen. „Man könnte zum Beispiel den Moritzplatz mit einbeziehen.“

Anders sieht es Andy Hehmke, Fraktionschef der SPD in der BVV. Er schlägt vor, das Fest sollte „etwas kleiner, etwas traditioneller und etwas politischer“ werden. „Es ist jetzt so voll und hat eine Dimension erreicht, dass ich mich nicht mehr traue, mit meinen Kindern hinzugehen“, so Hehmke. Die Drängelei, gerade an den Bühnen, sei zu groß. Es sei im Detail zu klären, ob man die Fläche des Myfestes verkleinere oder die Zahl der Bühnen, ob mehr Infostände und Diskussionsforen sein sollten, und „weniger Musik und Belustigung“.

Das Fest habe in den vergangenen Jahren einen anderen Charakter bekommen, weil immer mehr Besucher da seien, die nur Musik hören, essen und Bier trinken wollten. Das Myfest sei einst von Anwohnern organisiert worden, die die Straßen nicht den Krawallmachern überlassen wollten. „Jetzt ist die ursprüngliche Idee in den Hintergrund getreten.“ Der Aspekt einer politischen Botschaft des Myfestes sollte allerdings wieder eine stärkere Rolle spielen, fordert Bezirksverordneter Hehmke. Der Bezirk sei zwar in der Verantwortung, aber angesichts der Gewaltvorfälle, die es früher am 1. Mai gegeben habe, müsse sich auch der Senat finanziell beteiligen.