Bus und Bahn

Flüchtlinge in Berlin erhalten BVG-Ticket statt Bargeld

Bislang nutzten viele Asylbewerber Busse und Bahnen oft ohne Fahrschein. Nun erhalten sie eine spezielle Monatskarte.

Das Ticket gilt im Bereich AB für alle Busse und Bahnen der BVG und der Berliner S-Bahn

Das Ticket gilt im Bereich AB für alle Busse und Bahnen der BVG und der Berliner S-Bahn

Foto: Reto Klar

Die in Berlin ankommenden Flüchtlinge erhalten ab sofort 26 Euro weniger monatlich ausgezahlt. Im Gegenzug bekommen sie eine Monatskarte für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. „Das Ticket eignet sich dazu, eine Geld- in eine Sachleistung umzuwandeln“, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) am Dienstag nach der Senatssitzung. Das Ticket gilt im Bereich AB für alle Busse und Bahnen der BVG und der Berliner S-Bahn. Das Ticket speziell für Flüchtlinge orientiert sich am obligatorischen Semesterticket für Studierende.

Mit der Regelung trage das Land dem erheblichen Mobilitätsbedarf Geflüchteter in der Großstadt Berlin mit ihren langen Wegen Rechnung und erleichtere den Mitarbeitern der Verkehrsunternehmen die Arbeit, so die Senatsfinanzverwaltung. In der Vergangenheit gab es immer wieder strittige Situationen, weil Flüchtlinge in den Bussen und Bahnen meist ohne Ticket unterwegs waren und damit formal als „Schwarzfahrer“ galten.

Keine wirtschaftliche Belastung durch das neue Ticket

Laut BVG-Sprecherin Petra Reetz werde das landeseigene Unternehmen durch das neue Ticket wirtschaftlich nicht belastet. Es gelte nur für das Berliner Stadtgebiet und sei obligatorisch für alle Flüchtlinge, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde. Hätten die Flüchtlinge einen Aufenthaltsstatus, könnten sie entscheiden, ob sie das reguläre Sozialticket für 36 Euro pro Monat oder Einzelfahrscheine erwerben.

Auch die Finanzanstrengungen der Flüchtlingsunterkunft und -betreuung belasten den Landeshaushalt nicht zusätzlich, sagte Kollatz-Ahnen. Die 600 Millionen Euro, die Berlin voraussichtlich 2016 für die Unterbringung und Integration aufbringt, werden zu einem großen Teil vom Bund bezahlt. Insgesamt sollen sich künftig 500 Beamte um die Registrierung ankommender Asylsuchender kümmern. Auch dafür hat der Bund 25 Millionen Euro zusätzlich zugesagt.

612 Millionen Euro will Berlin, wie berichtet, zudem künftig für den Bau von Wohnungen in Leichtbauweise bereitstellen. Dazu sollen 60 geeignete Standorte identifiziert werden. Anders als geplant sollen diese Wohnungen auch auf privaten Grundstücken entstehen, kündigte der Finanzsenator an. Die Ausschreibungen dafür sollen alle noch in diesem Jahr erfolgen, sodass die ersten Wohnungen im Mai oder Juni 2016 fertiggestellt sind.