Berlin

Bärgida - Schmähgesänge auf Kanzlerin und Multikulti

In der Hauptstadt versammelt sich der Berliner Pegida-Ableger "Bärgida" regelmäßig. Die Zahl der Gegendemonstranten ist meist höher.

Berlin.  Schwarz-weiß-rote Reichsflaggen, Preußenfahne – und Bierdose. Das sind die Erkennungszeichen des Berliner Pegida-Ablegers Bärgida. Treffpunkt ist immer montags, 18.30 Uhr, meist auf dem Washingtonplatz vor dem Berliner Hauptbahnhof. So auch am Montagabend. 200 Teilnehmer hatten sich bei der Polizei angemeldet. Über 100, 200 Menschen kommt die Versammlung meist nicht hinaus. Die Zahl der Gegendemonstranten ist meist weitaus höher. Von denen gab es am Montag zwei angemeldete Aufzüge.

Das geht so seit Anfang des Jahres. Dabei sind oft Jugendliche mit kurzen Haaren, ein paar Fans von Hertha BSC und dem 1. FC Union, zu erkennen an entsprechenden Fanshirts und Tattoos – und einige ältere Männer und Frauen. Sie warten auf den Auftritt von Bärgida-Chef Karl Schmitt. Seit 20 Jahren sei er politisch aktiv, hat er in verschiedenen Interviews erklärt. Er war unter anderem Bezirksverordneter für die CDU in Pankow, zuletzt Schatzmeister der Partei in Lübars. Vor acht Jahren hat er die Partei verlassen. Er habe den Kurs der Partei nicht mehr mittragen können. Dann engagierte er sich bei „Pro Deutschland“ und „Die Freiheit“. 2008 gründete Schmitt mit rund 20 Unterstützern den Verein „Patrioten“, der auch als Anmelder der Bärgida-Demo firmiert. Dieser wird vom Berliner Verfassungsschutz als islamfeindlich eingeordnet.

Wenn sich die Bärgida-Truppe trifft, wird immer wieder eines postuliert: „Wir haben nichts gegen Ausländer.“ Man sei weder rassistisch noch faschistisch. Man sorge sich halt nur um das „deutsche Volk“. Manchmal kommen Gastredner von anderen Pegida-Ablegern in die Hauptstadt. So etwa im Juli der Münchner Bagida-Chef Michael Stürzenberger. Er hat dann Gelegenheit, mit allerlei Verschwörungstheorien aufzuwarten. Vom Washingtonplatz geht’s dann oft zum Brandenburger Tor. Dabei werden Schmähgesänge angestimmt. Auf Multikulti. Die Kanzlerin. Die Lügenpresse. Und was sonst den Bärgida-Anhängern gerade quer liegt.

Große Resonanz finden die Montags-Demos jedoch nicht. Manchmal sorgen sie für ein bisschen mediale Aufmerksamkeit, wenn sie sich Scharmützel mit Gegendemonstranten leisten. So wie Ende Juni. 120 Bärgida-Anhängern standen 300 Menschen aus zwei Gegendemonstrationen gegenüber. Die wollten verhindern, dass die Bärgida-Demonstration vors Brandenburger Tor zieht. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen. Bilanz des Polizeieinsatzes mit 300 Beamten: acht Strafanzeigen, unter anderem wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, wegen Landfriedensbruchs, Widerstands und gefährlicher Körperverletzung. Und sieben verletzte Polizeibeamte.