Pannenflughafen

BER zu klein - Nun wird wieder in Schönefeld gebaut

Der neue Airport BER in Schönefeld ist zu klein, der alte muss erweitert werden. Und der BER bekommt vor der Eröffnung einen Anbau.

Auf dem Vorfeld des alten Flughafens Schönefeld werden neue Abstellflächen für Flugzeuge vor allem für die Fluggesellschaft Ryanair geschaffen

Auf dem Vorfeld des alten Flughafens Schönefeld werden neue Abstellflächen für Flugzeuge vor allem für die Fluggesellschaft Ryanair geschaffen

Foto: Patrick Pleul / dpa

In Schönefeld wird wieder einmal kräftig gebaut. Es drehen sich die Bagger und Bauarbeiter gießen frischen Asphalt. Gearbeitet wird jedoch vor allem am alten Flughafen. Statt des längst beschlossenen Abrisses erhalten die Gebäude und Flugbetriebsanlagen, die teilweise noch aus den 60er-Jahren stammten, eine unerwartete Frischzellenkur. Weil die Eröffnung des neuen Hauptstadtairport „Willy Brandt“ (BER) weiter auf sich warten lässt, wird nach Tegel nun auch Schönefeld für eine längere Betriebszeit „ertüchtigt“.

17,2 Millionen Euro investiert die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) dafür in den Oldie. Mit dem jüngst vom Aufsichtsrat abgesegneten Geld sollen aber nicht nur marode Toiletten und kaputte Sitze erneuert werden, es soll vor allem die Kapazität deutlich erhöht werden. Und dass möglichst schnell. „In diesem Jahr rechnen wir in Schönfeld mit acht Millionen Passagieren, bereits im nächsten Jahr wollen wir hier mehr als zehn Millionen abfertigen“, kündigte FBB-Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld bei einem Vor-Ort-Termin am Mittwoch in Schönefeld an.

Schon jetzt reicht der Platz nicht

Wie dringend eine Erweiterung notwendig ist, machte bereits die erste Station des Rundgangs mit Mühlenfeld deutlich. Obwohl ein ganz normaler Wochentag, war das Gedränge in der Abflughalle groß, der Platz zum Warten und zum Koffer abstellen dagegen knapp. Mit etlichen baulichen Veränderungen will die Flughafengesellschaft jetzt darauf reagieren.

So sollen etwa in der besonders engen, vor allem vom Billigflieger Easyjet genutzten Terminal B, die Außenwände in Richtung Vorfahrt versetzt werden. Das weit herausragende Dach lässt einen solchen Umbau zu, allerdings muss dafür die unmittelbar vor dem Terminal liegende Straße gesperrt werden. „Wir wollen die Vorfahrt ohnehin neu gestalten, damit hier ein wenig mehr Ordnung einzieht“, sagte Mühlenfeld. Auch ein neuer Bus-Parkplatz soll her.

Neue Wartehalle

Um noch mehr Warteraum zu schaffen, soll im Frühjahr 2016 westlich der bestehenden Gebäude ein weiterer Leichtbau aufgestellt werden. Die Halle bekommt dann den etwas hochtrabenden Namen Terminal F, Check-in-Schalter oder Sicherheitskontrollen werden dort aber nicht stattfinden. Insgesamt 5.500 Quadratmeter mehr Fläche soll der Flughafen mit dem Kürzel SXF zur Abfertigung seiner Passagiere bekommen.

Die neuen Kapazitäten werden vor allem für Ryanair gebraucht.Wie berichtet, will die irische Billigfluggesellschaft ihr Engagement in Berlin massiv ausweiten. Am 27. Oktober eröffnet Ryanair dafür eine eigene Basis, fünf Flugzeuge werden dann ständig in Schönfeld stationiert sein. Für die Crews hat die Flughafengesellschaft bereits mehrere Bungalows aufgebaut, für die benötigten Abstellplätze werden gerade Flächen auf dem Vorfeld planiert.

Schönefeld-Alt wird noch lange gebraucht

Und anders als der TXL wird Schönefeld-Alt auch nach einer BER-Eröffnung weiter gebraucht. Mühlenfeld geht davon aus, dass 2017 deutlich mehr als 30 Millionen Flugreisende in Berlin abgefertigt werden müssen. 2023 könnte es schon 40 Millionen sein. Seine Rechnung: Den neuen BER werden in der Anfangsphase zunächst nur 22 Millionen Passagiere pro Jahr durchlaufen können, der Rest muss von Schönefeld-Alt bewältigt werden. Und dass mindestens bis 2019. Bis dahin will die Flughafengesellschaft am BER am westlichen Ende des Nordpiers ein weiteres Abfertigungsgebäude mit einer Jahreskapazität von sechs Millionen Passagieren im Jahr errichtet haben. Das Terminal, in dem vor allem Passagiere der Billigflieger abgefertigt werden sollen, wird unabhängig vom Hauptterminal sein. Damit sollen weitere baulichen Veränderungen am BER verhindert werden, die dessen Eröffnung erneut gefährden könnten.

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2019 soll auch der Bau des neuen Regierungsflughafens beginnen. Vorgesehen ist dafür ein Areal, auf dem die alte Generalsvilla steht, die noch zu Zeiten gebaut wurde, als die Rote Armee den Flughafen für ihre Zwecke nutzte. Die teilweise unter Denkmalschutz stehende Villa muss weg - ebenso wie die zivilen Flugzeuge, die jetzt dort noch abgestellt werden. Die Reduzierung der Vorfeldflächen reduziert dann auch die Kapazität für Schönefeld-Alt auf voraussichtlich sechs Millionen Fluggäste im Jahr. Noch immer eine ganze Mende: Im Vorjahr sind am SXF rund sieben Millionen Passagiere gestartet oder gelandet. Dass Schönefeld-Alt überhaupt jemals geschlossen wird, gilt angesichts der rasanten Entwicklung des Berliner Luftverkehrsmarktes inzwischen mehr als fraglich.

Weiter Fragezeichen hinter BER-Eröffnung

Auch die Frage, wann genau der neue Hauptstadtairport in Schönefeld tatsächlich seinen Betrieb aufnehmen kann, bleibt vorerst unbeantwortet. Immer wieder versicherte Mühlenfeld beim Rundgang durch das neue Terminalgebäude, dass der noch von seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn avisierte Eröffnungstermin in der zweiten Jahreshälfte 2017 gehalten werden könne. „Wir reden da aber eher von der zweiten Hälfte der zweiten Jahreshälfte“, räumte er ein. Bei der notwendigen „Sanierung im Bestand“, also den zahlreichen Umarbeiten etwa bei der Brandschutzanlage, gebe es aktuell einen Rückstand von drei bis vier Monaten. Der Fertigstellungszeitplan beinhalte aber einen Zeitpuffer von einem halben Jahr. „Noch ist also etwas Luft“, sagte Mühlenfeld.

Folgen der Imtech-Insolvenz offen

Ursache für den Rückstand sei einerseits die Insolvenz des Gebäudeausrüsters Imtech, der wesentliche Teile der Umbau-Arbeiten ausführen soll. Zwar hat sich Gustav Zech Stiftung ein neuer Eigentümer für die Imtech Deutschland gefunden, dennoch könnte „noch nicht mit absoluter Sicherheit“ gesagt werden, welche Auswirkungen die Insolvenz hat, heißt es im aktuellen Sachstandsbericht der Flughafengesellschaft.

Noch größer ist die Ungewissheit hinsichtlich der erforderlichen Genehmigungen. Zwar hatte die Flughafengesellschaft wie geplant die beiden erforderlichen Nachträge zur Baugenehmigung wie geplant Ende April sowie Ende Juli eingereicht, doch der planerische Aufwand sei wesentlich größer als anfangs erwartet gewesen. Wie zur Bestätigung haben die Flughafen-Verantwortlichen im Eingangsbereich des BER-Terminals 86 Aktenordner aufgereiht, in den alle eingereichten Unterlagen abgeheftet sind. Derzeit läuft die Prüfung der Pläne durch einen unabhängigen Sachverständigen. Wann das Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald seinen Stempel darunter setzt, ist bislang völlig offen.

Zum Schluss des Rundgangs gab es dann doch noch eine gute Nachricht: Die Kabelsanierungen und Umbauarbeiten an der Brandschutzanlage im Pier Nord des Hauptterminals – wenngleich auch mit zehn Wochen Verspätung – abgeschlossen. „Wir beginnen jetzt mit der Inbetriebnahme“, kündigte BER-Technikchef Jörg Marks an. Für den gesamten Bau seien inzwischen 50 Prozent der gesteckten Ziele erreicht. Beim vorherigen BER-Rundgang seien es gerade einmal elf Prozent gewesen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Flughafenchef Mühlenfeld beim Rausgehen.

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