Prozess

Verräterisches Verhalten

Im Prozess um die bei lebendigen Leibe verbrannte hochschwangere Maria P. wurde eine wichtige Zeugin gehört

Cindy Sch. hat den Angeklagten Daniel M. noch immer gut in Erinnerung. Er gehe sehr liebevoll mit Kindern um und sei absolut hilfsbereit, sagt die 22-Jährige vor der Moabiter Jugendkammer.

Es ist derselbe Daniel M., dem von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen wird, am 22. Januar in dem Waldgebiet Köllnische Heide im Ortsteil Adlershof gemeinsam mit seinem Kumpel Eren T. die 19-jährige Maria P. bei lebendigem Leibe verbrannt zu haben. Motiv soll Maria P.s Schwangerschaft gewesen sein. Ihr ehemaliger Freund Eren T. habe die Geburt des Kindes nach Meinung der Staatsanwaltschaft unbedingt vermeiden wollen. Die Angeklagten schweigen zu diesen Vorwürfen vor Gericht. Bei der Polizei haben sie sich unmittelbar nach der Tat gegenseitig belastet.

Cindy Sch. ist mit Daniel M. seit fünf Jahren zusammen. Sie haben zwei gemeinsame Kinder. Das jüngste wurde im Mai dieses Jahres geboren, als Daniel M. schon in Haft saß. Beide Kinder, sagt Cindy Sch., habe sich Daniel M. sehr gewünscht. Sie selbst hätte wegen der noch nicht abgeschlossenen Ausbildung zunächst lieber auf Kinder verzichtet. Zumal sie und der zwei Jahre jüngere Freund ja noch nicht einmal eine gemeinsame Wohnung hatten.

Am 22. Januar hatte Daniel M. die Freundin zu später Stunde angerufen. Maria P. war zu dieser Zeit schon tot. Sie solle nach Adlershof kommen, es sei etwas passiert, hatte er zu Cindy Sch. gesagt. Sie war dann auch hingefahren, obwohl sie müde gewesen sei. Als sie kam, habe ihr Daniel M. eine wirre Geschichte von einem Mann erzählt, dem er und Eren T. 5000 Euro abgenommen hätten. Eren T. sei dabei verletzt worden, gegen beide laufe jetzt ein Haftbefehl. Ich werde wohl für einige Jahre ins Gefängnis kommen, soll Daniel M. zu Cindy Sch. gesagt haben.

Am nächsten Morgen hatte er nach einer gemeinsam verbrachten Nacht eine neue Geschichte parat: Eren T. habe seine Freundin Maria P. niedergestochen, mit Benzin übergossen und angezündet, soll er aufgeregt berichtet haben. Er habe nicht helfen können. „Ich habe gesehen, wie jemand verbrannte“, hatte er erzählt. Eren T. habe bereits früher geäußert, „dass er seine Freundin loswerden will“. Aber er habe ja nicht geahnt , dass so etwas passieren werde.

Daniel M. sei „fix und fertig“ gewesen, sagte Cindy Sch. vor Gericht. Sie hätten beschlossen, gemeinsam mit seinen Eltern zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. Daniel M. habe aber darauf bestanden, vorher noch einmal das gemeinsame Kind zu sehen. Er habe es „immer wieder umarmt und geknuddelt, wie vor einem langen Abschied“, erinnerte sich Cindy Sch.

Ob sie das nicht merkwürdig finde, wurde sie vor Gericht gefragt, immerhin habe sich Daniel M. ja selbst als unschuldig am Tod der Maria P. beschrieben. „Nein“, erwiderte sie, „auf mich wirkte es so, dass er in die Sache verwickelt ist“. Sie hätten dann aber nicht mehr darüber gesprochen. Sie habe auch nicht nachgefragt. Vielleicht hatte sie ja Angst vor der Wahrheit. Der Prozess wird am 2. November fortgesetzt.