Bärenzwinger in Mitte

Eingeschläfert - Schnute, Berlins letzte Stadtbärin, ist tot

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Michelle Buchholz
Stadtbärin Schnute liit an Arthrose

Stadtbärin Schnute liit an Arthrose

Foto: Tim Brakemeier/Archiv

Bärin Schnute ist eingeschläfert worden. Die 34 Jahre alte Seniorin litt unter Arthrose. Einen Nachfolger wird es nicht geben.

Am Sonntag um 19.15 Uhr ist die Stadtbärin „Schnute“ eingeschläfert worden. Der Allgemeinzustand der Bärin sei kritisch gewesen, teilte das Bezirksamt Mitte am Montagmorgen mit. Die Bärin litt bereits seit Längerem unter chronischer Gelenkverschleiß durch Arthrose. Der gesundheitliche Zustand habe sich am Wochenende massiv verschlechtert, so dass keine Therapie mehr eine Besserung versprochen habe. „Sie war nicht mehr in der Lage, in den Stall zurückzukehren und musste die Nacht im Außengehege verbringen“, sagte Bezirksstadtrat Carsten Spallek (CDU).

Berlin hat nun kein lebendiges Wappentier mehr – und soll auch in Zukunft keines bekommen. Schon vor Jahren wurde entschieden, dass es für Schnute und ihre 2013 mit 27 Jahren gestorbene Tochter Maxi keinen Nachfolger geben soll. Schnute wurde 34 Jahre alt, was über dem Erwartungsalter von Bären in freier Wildbahn liegt. In Gefangenschaft können sie bis zu 50 Jahre alt werden.

Die Trauer unter Berlins Bärenfreunden ist groß. „Wir sind geschockt, weil Schnutes Tod so plötzlich kam“, sagt die Vorsitzende des gleichnamigen Vereins, Christa Junge. Vor einer Woche habe sie das Tier besucht. „Da war noch alles in Ordnung“, so Junge. Es sei bestimmt keine leichte Entscheidung gewesen, die Bärin einzuschläfern. „Aber man soll Tiere nicht leiden lassen. Wir gönnen Schnute den Frieden“, betonte sie.

Tierschützer Stefan Klippstein hatte bereits im April gefordert, das Tier einschläfern zu lassen. Er zeigt sich erleichtert: „Endlich hat das würdelose Leben des alten, kranken und gebrechlichen Tieres ein Ende“, sagte er. „Es war längst überfällig, Bär Schnute endlich von seinen Leiden zu erlösen“, so Klippstein. Schnute habe sich kaum mehr bewegen können und sei meist teilnahmslos gewesen.

Tierschützer protestierten seit Jahren gegen den Bärenzwinger

Seit 1280 ist der Bär als Wappentier Berlins bekannt. Der Backsteinzwinger in der Nähe des Märkischen Museums wurde 1939 eröffnet. Die ersten Bären waren Urs und Vreni – Geschenke der Stadt Bern zur 700-Jahrfeier Berlins. Seitdem lebten Dutzende Tiere in dem Gehege. Jeweils ein Bär wurde offiziell zum Stadtbären ernannt. Schnutes Vorgänger hießen Urs, Nante, Taps und Tilo. „Schnute war die einzige weibliche Stadtbärin“, sagt Junge.

Auch andere Städte haben ihre Bären, etwa die Schweizer Hauptstadt Bern oder Torgau in Sachsen. Um die Berliner Bären gab es seit Jahren heftigen Streit. Tierschützer hatten sich immer wieder für einen Umzug von Schnute und Maxi in einen Bärenpark eingesetzt, weil die Haltung im Zwinger aus ihrer Sicht nicht artgerecht sei. Die Tierrechtsorganisation Peta fordert, das leere Areal in ein Mahnmal für den Tierschutz umzuwandeln. Spallek wollte sich zur künftigen Nutzung des Zwingers am Montag noch nicht äußern. Schnute wird jetzt obduziert. Das Ergebnis will Spallek voraussichtlich am Freitag bekannt geben.