DDR-Geschichte

Wenn Brad Pitt in Berlin auf Wilhelm Pieck trifft

Am Soho House Berlin sind zwei Bronzetafeln angebracht worden, die jahrelang verschwunden waren. Sie erinnern an SED-Funktionäre.

Foto: Reto Klar

Sie sind kleiner als der ausgegrabene Lenin-Kopf aus Granit. Aber auch die zwei Bronzetafeln mit den Gesichtern der SED-Mitbegründer Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl sind Relikte aus DDR-Zeit. Auch sie sind ins öffentliche Bild der Stadt zurückgekehrt. Die Tafeln waren jahrelang verschwunden und wurden in den vergangenen Tagen wieder montiert.

Nicht irgendwo, sondern an einer der interessantesten Adressen: am Soho House Berlin in Prenzlauer Berg, wo internationale Stars wie Kylie Minogue, Madonna, George Clooney und Brad Pitt gern zu Gast sind. „Die Tafeln sind auf der linken Seite des Haupteingangs prominent und gut sichtbar aufgehängt“, sagt Manager Dominic Hofer, der für die Öffentlichkeitsarbeit des Hauses zuständig ist. „Es ist schön, dass sie wieder dran sind. Dass man ein Stück Zeitgeschichte sieht.“

Sitz des Zentralkomitees der SED

Das Gebäude an der Torstraße 1 ist selbst steinerne Geschichte. Es war 1928/29 als Kreditkaufhaus Jonaß erbaut worden. Eine gläserne Stele informiert darüber. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der jüdische Inhaber enteignet und musste emigrieren. Die Reichsjugendführung zog ein. Von 1946 bis Ende der 50er-Jahre war das Gebäude Sitz des Zentralkomitees der SED. Nach der Wende stand das Haus viele Jahre leer. 2007 kaufte es die Investorengruppe Cresco Capital aus Großbritannien. 2010 wurde es nach einer 30 Millionen Euro teuren Sanierung als Soho House Berlin eröffnet, es bietet den anspruchsvollen Gästen Lofts zum Wohnen, Diningrooms, einen Swimmingpool auf der Dachterrasse, Fitnessräume und Bar. Und die exklusive Club-Atmosphäre.

Pieck-Tafel wurde neu gegossen

Dass die beiden Bronzetafeln wieder zu sehen sind, hat mit hartnäckiger Pankower Politik zu tun. Sie waren vor der Sanierung entfernt worden. Der Bauherr hatte zugesagt, sie anschließend wieder anzubringen. Das geschah allerdings nicht. „Die eine Tafel ist weggekommen, die andere haben wir wiedergefunden“, sagt Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Sie sei vom Museumsverbund und der Denkmalschutzbehörde des Bezirks gesichert worden. Die Metallrestaurierungswerkstatt Haber und Brandner reinigte sie. Die verschwundene Tafel, die den DDR-Präsidenten Pieck zeigte, wurde nach Fotografien rekonstruiert und neu gegossen.

Etwa 15.000 Euro kosten Nachguss, Reinigung und Anbringung. Das Geld wird jedoch nicht vom Bezrik Pankow bezahlt. „Nach langjährigen Bemühungen ist es gelungen, den Bauherrn des Soho Houses von der Übernahme der Kosten zu überzeugen“, sagt Stadtrat Kirchner. Man habe genervt und immer wieder dort angerufen. Ob sich die Stars im Soho House für die Bronzetafeln interessieren werden, wisse er nicht, sagt Kirchner. Für ihn sei wichtig: „Es gibt eine größere Gelassenheit im Umgang mit der DDR-Geschichte. Das ermöglicht einen differenzierteren Blick.“