Flüchtlinge

Flüchtlings-Initiativen drohen, ihre Arbeit einzuschränken

In einem Offenen Brief haben freiwillige Helfer ihrem Ärger Luft gemacht. Sie fordern ein neu organisiertes Anmeldeverfahren.

Notunterkunft in Westend: Hier ist einer Initiativen aktiv, die einen anderen Umgang mit Flüchtlingen fordern

Notunterkunft in Westend: Hier ist einer Initiativen aktiv, die einen anderen Umgang mit Flüchtlingen fordern

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Mehrere Berliner Flüchtlingsinitiativen haben in einem offenen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller damit gedroht, ihre freiwillige Arbeit in Notunterkünften und Wohnheimen einzuschränken. Sie reagieren damit auf Berichte, nach denen nach der Eröffnung der neuen Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in der Bundesallee nicht mehr Menschen registriert werden sollen als bisher.

Kein Geld, kein Dach über dem Kopf

Allein im September seien von den 16.000 in Berlin angekommenen geflüchteten Menschen vermutlich 12.000 nicht als Asylbewerber registriert worden. Diese bekämen deshalb kein Geld, keinen Krankenschein, keinen Berlinpass und viele noch nicht einmal ein Dach über dem Kopf, heißt es in dem offenen Brief.

Viele hundert Helfer

Hinter dem Brief stehen nach Angaben der Autoren Initiativen, die mit vielen hundert Helfern im Rathaus Wilmersdorf, der Messehalle, dem Olympiapark sowie weiteren Einrichtungen aktiv seien. Veröffentlicht wurde er auf der Facebook-Seite der Initiative „Willkommen im Westend“. Diese ist mit ihren freiwilligen Helfern unter anderem in der Notunterkunft in zwei Sporthallen an der Glockenturmstraße aktiv.

„Nicht bereit, Regenplanen auszugeben“

Die Initiativen fordern, das Land Berlin müsse dafür sorgen, die Kapazitäten für die Registrierung auszuweiten. Jeder Flüchtling müsse am Tag der Ankunft ein Dach über dem Kopf haben, das Warten auf das Anmeldeverfahren müsse neu organisiert werden. Die freiwilligen Helfer seien bereit, bei der Verwirklichung neuer Strukturen zu helfen. Sie seien aber nicht mehr bereit, „sinnlos tage- und wochenlang wartende Menschen mit Essen zu versorgen, Schlafsäcke und Regenplanen an Menschen zu verteilen, die nachts in der Turmstraße oder am Bundesplatz campieren“, heißt es in dem Brief. Derzeit würden „Tausende Euro an Spendengeldern“ eingeworben, „für Dinge, auf die die Menschen einen gesetzlichen Anspruch haben“.

Allein in den Notunterkünften an der Glockenturmstraße, im Rathaus Wilmersdorf und in den Messehallen können bis zu 3000 Flüchtlinge untergebracht werden. Betreiber der Unterkünfte sind der Arbeiter-Samariter-Bund, Albatros und Malteser Hilfsdienst. Sie werden bei der Betreuung von einer großen Zahl freiwilliger Helfer unterstützt, die beispielsweise die Ausgabe von Kleiderspenden und die Essenausgabe übernehmen.