Oldtimer-Messe

Horch trifft Borgward unter dem Berliner Funkturm

Die Oldtimer-Messe am Funkturm lädt zu einer Zeitreise durch die Automobilgeschichte ein – auch durch die des geteilten Deutschlands.

Die Welt von Mercedes-Benz in Halle 17: Bei der Oldtimer-Messe Motorworld Classics Berlin 2015 dürfen die motorisierten Veteranen mit dem Stern natürlich nicht fehlen

Die Welt von Mercedes-Benz in Halle 17: Bei der Oldtimer-Messe Motorworld Classics Berlin 2015 dürfen die motorisierten Veteranen mit dem Stern natürlich nicht fehlen

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Mit der Berliner Automobil-Ausstellung 1897 im Hotel Bristol an der Straße Unter den Linden hatte die Geschichte der Internationalen Automobil-Ausstellung begonnen. Jetzt, 64 Jahre nach dem endgültigen Wegzug der IAA 1951, soll die Messe Berlin in Charlottenburg mit der Motorworld Classics Berlin 2015 wieder Ziel für Liebhaber alter Autos werden.

Seit dem heutigen Donnerstag bis einschließlich Sonntag können in den Hallen unter dem Funkturm historische Motorvehikel bewundert und erworben werden. Rund 700 Fahrzeuge von fast 200 Ausstellern werden auf 30.000 Quadratmeter inklusive dem Sommergarten präsentiert. Das älteste, nicht käufliche Modell ist der Benz Patent-Motorwagen, konstruiert von Carl Benz, der in der Ehrenhalle im Palais am Funkturm zu besichtigen ist. Der 1886 vom kaiserlichen Patentamt Berlin erteilte Produktschutz für das dreirädrige Gefährt gilt als Geburtsurkunde des Automobils, das damit im kommenden Jahr seinen 130. Geburtstag feiert.

Das Lebensgefühl des 20. Jahrhunderts

Mit der Motorworld Classics, die nur der Auftakt einer neuen Serie von Berliner Oldtimer-Messen sein soll, „kehrt dieses Format wieder an seine Wurzeln zurück“, sagte Ralf Kleinhenz, Senior Vize-Präsident der Messe Berlin, vor der Eröffnung am Donnerstag. Partner und Namensgeber der Messe ist der Oldtimer-Spezialist Motorword aus Baden-Württemberg. Die Ausstellung erstreckt sich über 10 Hallen und beginnt – stilecht – in der noch vom Art Deco geprägten Halle 18 aus den 1930er-Jahren.

Das Arrangement rund um Kotflügel und blitzenden Chrom soll das Lebensgefühl des frühen 20. Jahrhunderts wieder aufleben lassen. Standmitarbeiter tragen historischen Dress von der braunen Weste bis zur Schiebermütze. Zur Dekoration und Palette der Rahmenprodukte zählen Accessoires vom ledernen Autokoffer bis zur Retromode. Und im Palais am Funkturm kann zu Swing-Livemusik das Tanzbein geschwungen werden.

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“

Wer selbst gern mit einem H-Kennzeichen durch die Stadt fahren würde, müsste bei den meisten der ausgestellten Oldtimer allerdings tief in die Tasche greifen. Wenn am Sonnabend ab 14 Uhr in Halle 16 durch das Auktionshaus Auctionata 40 Klassiker auf vier Rädern versteigert werden, beläuft sich schon der Startpreis für einen VW T1 Bulli Kastenwagen auf 60.000 Euro. Zu den Raritäten der Auktion zählt ein Alfa Romeo 6C 2500 Pininfarina von 1950.

Etwa 20 Prozent der ausstellenden Händler und Sammler auf der Motorworld Classics kommen aus der Hauptstadt. Für Messe-Organisator Marc Baumüller, Geschäftsführer der WoMo Messe- und Veranstaltungs GmbH, „ist die gute Nachricht, dass 80 Prozent nicht Berliner sind. Damit ist unser Slogan aufgegangen: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“.

Restauration im Zeichen des Sterns

Eines der altertümlichsten und seltensten Fahrzeuge im Ausstellungsbereich, abgesehen von dem Ur-Benz, stellt die süddeutsche Motorworld selbst auf ihrer Präsentationsfläche in Halle 12: ein schwarz-roter Rolls-Royce Phantom II Satis aus den 1930er-Jahren.

Während dieser sich allerdings blitzblank poliert präsentiert, zeigt die Berliner Mercedes-Niederlassung in der ausschließlich Mercedes-Benz vorbehaltenen Halle 17 einen Mercedes Ponton Baujahr 1958 mit rostzerfressenen Türen und Klebeband über oxidierten Metallteilen. Daneben steht dasselbe Modell perfekt glänzend: „Weil die Berliner Niederlassung Oldtimer zwar nicht verkauft, aber die Restaurierung anbietet“, sagte Bernd Kobold, Projektleiter von Mercedes-Benz ClassicPartner.

Ein Trabi aus Sandstein

Eine besondere Ausstellung in Halle 14 ist den „Klassikern der deutschen Teilung“ gewidmet. Dort sind vergleichbare Oldtimer-Paare aus Ost und West umrahmt von dokumentarischen Fotos vom Mauerbau bis zum Mauerfall zu sehen, darunter ein Melkus RS 1000 neben einem BMW M1, aber auch Eigenbauten von patenten ostdeutschen Automobilfans. Ein Trabi, von Bildhauer Carlo Wloch aus Sandstein gehauen, ziert den Sommergarten auf dem Messegelände. In letzterem bekommen Besitzer alter Autos bis Baujahr 1970 während der Motorworld Classics Berlin 2015 bei freier Zufahrt über Tor 25 eine persönliche Begrüßung und einen kostenlosen Parkplatz.

Die Messe öffnet täglich bis 19, am Sonntag bis 18 Uhr, Eintritt 15 (Paarticket 25, Familien 28) Euro, Messeeingang am Palais am Funkturm, Masurenallee.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.