Tarifstreit

Kino-Inhaber sprüht Davidsterne an seine Fenster

Eine ungewöhnliche Aktion im Tarifstreit am Kino Babylon löst Protest bei Gewerkschaftsvertretern aus. Nur eine Kunstaktion?

Die Einganstüren des Kinos Babylon Mitte waren am Mittwoch voller Davidsterne.

Die Einganstüren des Kinos Babylon Mitte waren am Mittwoch voller Davidsterne.

Foto: David Heerde

Zuspitzung im Tarifstreit zwischen den Mitarbeitern des Kinos Babylon und dem Geschäftsführer der Neuen Babylon Berlin GmbH, Timothy Grossman: Der Chef des Hauses war bereits am Dienstagabend einen ungewöhnlichen Schritt gegangen und hatte die Eingangsfront des Kinos an der Rosa-Luxemburg-Straße in Mitte mit mehreren Davidsternen besprüht. Über dem Eingangsportal befestigte er zudem ein Banner mit der Aufschrift "Boykott! Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht im Babylon!"

Der jüdische Besitzer nannte das am Mittwoch dann eine "Kunstaktion", mit der er sich gegen die Diffamierungskampagne von Mitarbeitern zur Wehr setzen wollte. Diese hatten laut einer Sprecherin zum Boykott des Kinos aufgerufen. Der Staatsschutz des Landeskriminalamtes prüft, ob eine Straftat vorliegt.

Seit Sommer kämpfen die Mitarbeiter des Kinos um eine Lohnerhöhung von einem Euro pro Stunde

Hintergrund der Aktion ist offenbar der andauernde Streik einiger Mitarbeiter und Filmvorführer. Die Aktion fand am Dienstagabend ohne Ankündigung und nähere Erläuterung statt. Zu dieser Zeit zeigte der RBB im Kino eine Eigenproduktion. Verdi-Verhandlungsführer Andreas Köhn sagte, dass man sich von derlei Aktionen distanziere, die "auf unerträgliche Art und Weise" Aufmerksamkeit erheischen sollen. Köhn machte zudem deutlich, dass die Gewerkschaft nichts mit der Aktion Grossmanns zu tun habe – der Geschäftsführer hatte während des Sprühens eine Warnweste getragen, die den Westen der Streikenden sehr ähnlich sieht. "Unsere Rechtsabteilung prüft derzeit, ob wir eine Strafanzeige stellen", sagte Köhn der Berliner Morgenpost. "Wir haben auch die Jüdische Gemeinde über die Vorfälle vom Dienstagabend informiert."

Die Mitarbeiter des Hauses und die Gewerkschaft Verdi fordern seit dem Sommer dieses Jahres eine Lohnerhöhung von einem Euro pro Stunde. Nach Gewerkschaftsangaben gab es für einen Teil der Belegschaft, insbesondere im Bereich der Filmvorführer, fünf Jahre keine Entgelterhöhung bei einem Stundenlohn von 9,03 Euro. In benachbarten Kinos würden die Mitarbeiter einen Stundenlohn in Höhe von 10,96 und 11,90 Euro erhalten. Die Eintrittspreise und die Preise für Einmietungen seien seit 2010 um ungefähr 20 Prozent gestiegen. Auch habe sich die Anzahl der Besucher deutlich erhöht. Am Mittwochabend wurde der Streik vor der Kinokasse fortgesetzt.

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