Berlin

Trillerpfeife und Luftballons

Kita-Bündnis protestiert am Mittwoch für mehr Erzieherinnen

Am Mittwochvormittag werden mehrere Tausend Kita-Kinder durch ihre Stadtteile ziehen und mit Trillerpfeifen und Luftballons ihr Recht auf eine bessere Betreuung einfordern. Aufgerufen zu dem Aktionstag hat das Berliner Kita-Bündnis, ein Zusammenschluss von 21 Organisationen, in dem die freien Träger, die Eigenbetriebe, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Landeselternausschuss vertreten sind.

Hauptforderung ist es, die Gruppengröße für Kinder unter drei Jahren um ein Kind pro Erzieherin zu verringern. Berlin hat bundesweit die schlechteste Betreuungsrelation bei den Krippenkindern. Hier kommen durchschnittlich 5,9 Mädchen und Jungen unter drei Jahren auf eine Erzieherin, bundesweit liegt der Durchschnitt bei 4,4. Das heißt, selbst wenn der Senat der Forderung des Kita-Bündnisses nachkommen würde, läge Berlin noch hinter dem bundesweiten Standard.

"Unsere Forderung ist sehr bescheiden, weil wir eine realistische Chance wollen, dass diese möglichst schnell umgesetzt wird", sagt Roland Kern, Sprecher des Bündnisses. Zwar seien sich alle Experten einig, dass die angemahnte Verbesserung nötig ist, doch im Entwurf für den kommenden Doppelhaushalt 2016/17 finde sich davon leider nichts wieder. Lediglich eine geringe Entlastung für Kitas in besonders schwierigen Lagen sei dort vorgesehen. Auch ob die frei werdenden Mittel durch die Abschaffung des Betreuungsgeldes tatsächlich in die Kitas fließen, stehe noch nicht fest. Für Berlin sind das nach Angaben der Senatsverwaltung etwa 50 Millionen Euro.

Die Erziehungswissenschaftlerin Christa Preissing vom Berliner Kita-Institut betont, dass die im verbindlichen Bildungsprogramm vorgesehene Qualität für die Arbeit mit den Jüngsten unter den derzeitigen Bedingungen nicht umgesetzt werden kann. Erst vor einem Jahr wurden die Anforderungen gerade für die Krippenkinder im Bildungsprogramm durch das Kita-Institut aktualisiert. "Wir wissen, dass die Sprachentwicklung in diesem Alter in der explosivsten Phase ist. Deshalb ist es wichtig, dass die Erzieherinnen Zeit haben, mit nur zwei oder drei Kindern intensiv zu reden und eine enge Beziehung aufzubauen", sagt Christa Preissing. Das sei derzeit aber kaum möglich, denn in dem Betreuungsschlüssel sind auch Urlaubszeiten und Fortbildungen inbegriffen. In der Praxis komme es vor, dass zeitweise sogar eine Erzieherin allein eine ganze Krippen-Gruppe beaufsichtigt. Die Umsetzung des Anliegens des Kita-Bündnisses würde 107 Millionen Euro jährlich kosten. Insgesamt 1700 Erzieher müssten zusätzlich eingestellt werden. Im Haushalt vorgesehen sind derzeit etwa 300 zusätzliche Stellen. Neben einem besseren Personalschlüssel fordert das Kita-Bündnis, eine Leitungskraft schon bei Einrichtungen ab 80 Mädchen und Jungen von der Arbeit in der Gruppe freizustellen, bisher gilt das erst bei Kitas mit mindestens 120 Kindern.

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