Tiere in Berlin

Kritik an Senat - Tierschutzverein boykottiert Tierschutztag

Der Tierschutzverein für Berlin und der Bundesverband Tierschutz nehmen aus Protest nicht am 8. Berliner Tierschutztag teil.

Das Berliner Tierheim kümmert sich um ausgesetzte Tiere - und solche, die Probleme machen (Symbolbild)

Das Berliner Tierheim kümmert sich um ausgesetzte Tiere - und solche, die Probleme machen (Symbolbild)

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Auf dem 8.Berliner Tierschutztag am 3.Oktober 2015 wird die größte politisch arbeitende Tierschutzvereinigung fehlen. „Es ist für uns nicht länger hinnehmbar, dass die für Tierschutz zuständigen Senatoren und Staatssekretäre nicht müde werden, zu betonen, welch hohen Stellenwert der Tierschutz in der Hauptstadt hat“, so Wolfgang Apel, Präsident des Tierschutzvereins für Berlin. Doch die Fakten sprächen eine ganz andere Sprache, sagt Apel weiter. Er listet fünf Hauptkritikpunkte auf.

- Berlin ist und bleibt die Hauptstadt der Tierversuche. Im Koalitionsvertrag wurde zwar die Einschränkung der Tierversuche und eine Förderung der tierversuchsfreien Alternativmethoden festgeschrieben. Stattdessen sind zwei neue Tierversuchslabore – das Max-Delbrück-Centrum (MDC) und die Forschungseinrichtungen für Experimentelle Medizin (FEM) - das Ergebnis.

- Der Entwurf zum neuen Hundegesetz hat nichts mit Tierschutz zu tun. "Mit dem Beibehalten der Rasseliste werden Halter und Hunde weiterhin stigmatisiert", so Apel. Die Auswirkungen habe einzig das Tierheim Berlin zu tragen, das immer mehr sogenannte Listenhunde aufnehmen und versorgen muss. Ohne finanzielle Unterstützung der Stadt.

- Doch immer mehr Hundeauslaufgebiete werden geschlossen. Es herrsche Konfrontationskurs statt Konfliktlösung, so Apel. "Wer Hunde zukünftig stadtweit an die Leine legen möchte, müsste für mehr Bewegungs- und Auslaufflächen sorgen."

- Eine Katzenschutzverordnung, wie in anderen Städten oder Kommunen längst umgesetzt, lehnt der Senat ab. Doch nur eine verbindliche Kastrationspflicht könnte langfristig das tausendfache Elend der Straßenkatzen verringern.

- Auch, dass es noch immer Pferdekutschen als Touristenattraktion in der Innenstadt gibt und kein generelles Verbot von Zirkussen mit Wildtieren, zeugt von wenig Interesse am Tierschutz.

Tierschutztag als "Feigenblatt für den Senat"

Die 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins für Berlin, Ines Krüger, bezeichnet den Tierschutztag als "Feigenblatt für den Senat". „Den Berliner Tierschutztag haben wir vor acht Jahren gemeinsam mit dem damaligen Tierschutzbeauftragten Dr. Klaus Lüdcke ins Leben gerufen, um dem Thema in der Hauptstadt mehr Gewicht zu verleihen, um Probleme aufzuzeigen und Unterstützer zu gewinnen. Dass diese Veranstaltung anscheinend nur noch als Feigenblatt für den Senat dient, ist nicht mehr in unserem Sinne."

Erst wenn die Stadt mit einem "akzeptablen Tierschutzprogramm" aufwarte, würde man wieder teilnehmen.

Grünen fordern vom Senat, Versprechen zu erfüllen

Die tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Claudia Hämmerling, sagte: „Wir Grünen fordern den rot-schwarzen Senat auf, endlich die Versprechen aus dem SPD/CDU-Koalitionsvertrag zu erfüllen. Dort steht: "Die Koalition wird sich für die Einschränkung von Tierversuchen einsetzen und verstärkt tierversuchsfreie Forschungsmethoden fördern.“

Zum Bündnis Tierschutzpolitik gehören der Berliner Tierschutzverein und der Bundesverband Tierschutz. Gemeinsam mit dem damaligen Tierschutzbeauftragten hatten sie 2008 den Aktionstag ins Leben gerufen, um das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Jetzt boykottieren sie aus Protest diese Veranstaltung.

Kater Felix spielt in Berlin-Lichtenberg beim Tierschutzverein

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Foto: Florian Schuh / dpa

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