Friedenau

Stolperstein-Aktivistin trotzt Drohbriefen von Neonazis

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Gudrun Mallwitz
Wird bedroht: Petra Fritsche von der Stolperstein-Initiative  Stierstraße

Wird bedroht: Petra Fritsche von der Stolperstein-Initiative Stierstraße

Foto: David Heerde

Die Stolperstein-Aktivistin Petra Fritsche aus Friedenau hat wiederholt Drohbriefe bekommen. Sie schaltete nun den Staatsschutz ein.

Petra Fritsche hat Angst. Einschüchtern lässt sie sich aber nicht, wie sie sagt. „Im Gegenteil.“ Wieder einmal hat sie einen Drohbrief erhalten. Er beginnt mit: „Hallo dreckige Judenfreundin“, und endet mit: „Also Fritsche (...) vielleicht schaust du dich auf dem Fahrrad nach deinen Sparkassenbesuchen an der Kaisereiche besser mal öfters nach hinten um...“ Absender der E-Mail: Richard Wagner vom „Anti-Stolper-Stein-Projekt“. Für die Stolpersteinaktivistin aus Friedenau ist klar, dass hinter dem anonymen Verfasser die Neonaziszene steckt. „Ich habe den Staatsschutz informiert“, sagte Petra Fritsche der Berliner Morgenpost.

Die Stadtführerin Petra Fritsche engagiert sich seit gut acht Jahren innerhalb der „Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße“. Dabei geht es um die von Gunter Demnig verlegten Kunstwerke, eine besondere Form des Gedenkens an die Opfer des NS-Regimes. Seit dem Jahr 2000 werden diese Steine vor Häusern verlegt, in denen Juden Opfer von Nazis wurden. Inzwischen hat sie an der Verlegung von mindestens 60 Steinen in Berlin mitgewirkt. Die Friedenauerin hatte für den vergangenen Freitag zur Verlegung eines Stolpersteins vor dem Haus Sponholzstraße 35 eingeladen. Auch diesen Stolperstein verlegte Gunter Demnig. Er erinnert an Therese Wallach, geborene Freund. Sie wurde 1943 im Alter von 71 Jahren nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 7. Dezember 1943 ermordet wurde. Drei weitere Stolpersteine wurden an diesem Tag der Öffentlichkeit übergeben. In Anwesenheit von elf Angehörigen aus Israel – Enkel und Urenkel.

Einladungen abgerissen und in ihren Briefkasten geworfen

„Am Tag darauf fand ich etwa 100 Einladungen, die wir an die Haustüren in der Umgebung geklebt hatten, in meinem Briefkasten wieder“, sagt Petra Fritsche. „Gegen 19 Uhr entdeckte ich die E-Mail mit dem Drohbrief.“ Gesendet worden war sie um 16 Uhr. „Hallo dreckige Judenfreundin“, heißt es darin, „sicherlich hast du unser Present schon in deinem Briefkasten gefunden.“ Präsent war vom Autor falsch geschrieben. Gemeint waren die Einladungen zur Stolpersteinveranstaltung. Außerdem schreiben die Verfasser: „Wir werden nicht nachlassen, euch ehrloses Dreckspack bei euren volksverräterischen und nestbeschmutzerischen Schuldkultaktionen zu sabotieren und Eure Symbole zu schänden, mit denen ihr unser schönes Friedenauer Stadtbild vergewaltigt.“

Die Neonazis bedrohen sie auch persönlich: „Und weil ihr für Worte nicht zugänglich seid, hoffen wir euch mal persönlich über den Weg zu laufen, während keine Zeugen in der Nähe sind. Bei der Gelegenheit können wir euch dann mit Nachdruck von unserer Position überzeugen!“

„Ich hatte gedacht, das hat aufgehört“, sagt Petra Fitsche. „Nun muss ich zur Kenntnis nehmen, dass es nicht aufhört.“ Im April war das Glas des Infokastens an der Stierstraße eingeschlagen worden, im September davor schon mal. „Im März vorigen Jahres waren Einladungen zur Stolpersteinverlegung in der Fregestraße abgerissen und in meinen Briefkasten gesteckt worden. Damals kam auch ein Drohbrief. Die Stolpersteinaktivistin sagt: „Solche Drohungen sind auch eine Herausforderung für mich weiterzumachen.“