Schöneberg

Richtfest mit Verstimmungen auf dem Euref-Campus

Bausenator Andreas Geisel will den Weiterbau auf dem Euref-Campus unterstützen - auch ohne Mitwirkung des Bezirks.

Der Euref-Campus

Der Euref-Campus

Foto: Ricarda Spiegel

Die Stimmung auf dem Richtfest für ein neues Bürogebäude auf dem Euref-Campus in Schöneberg am Mittwoch hatte etwas ungewohnt Kämpferisches. „Lieber Reinhard Müller, bauen Sie weiter an der Stadt von morgen, die Unterstützung der Stadt haben Sie – und auch meine ganz persönliche“, versicherte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) dem Bauherren in seiner Ansprache. Im Anschluss an den Festakt zur Fertigstellung des Rohbaus mit der Adresse Euref-Campus 10-11 wurde der Senator dann deutlicher: „Weitere Unternehmen werden sich ansiedeln können – entweder macht das der Bezirk Tempelhof-Schöneberg möglich oder wir machen das.“

Denn genau darum dreht sich der Streit zwischen dem Bauherren des Energie-Forschungscampus und der Baustadträtin Sibyll Klotz (Grüne). Während die Bezirkspolitikerin darauf beharrt, dass sie keine weiteren Baugenehmigungen erteilen könne, „wenn der Herr Müller seit Jahren die im Bebauungsplan verabredete Erschließung des Geländes nicht leistet“, hält Müller diese für überflüssig – und der Bausenator gibt ihm recht. „Die vorhandene Erschließung reicht aus für 85.000 Quadratmeter Nutzfläche – und da sind wir noch nicht angelangt“, so der Senator. Bereits im Frühsommer habe er Frau Klotz schriftlich von einem entsprechenden Rechtsgutachten seiner Behörde informiert. „Auf dieses Schreiben hat Frau Klotz bis heute nicht reagiert“, sagte der Senator.

Streit: Die Baustadträtin des Bezirks fehlt bei dem Termin

Unter den rund 250 Gästen, die am Mittwoch den Rohbau des dritten Neubaus auf dem Campus feierten, der ab Herbst 2016 rund 12.000 Quadratmeter Bürofläche bieten wird, fehlte die Baustadträtin. „Ich hatte einen wichtigen Termin in der Wohnungsbauleitstelle zur Flüchtlingsunterbringung“, erklärte Klotz auf Nachfrage.

Bis zu 25 Gebäude soll es in der letzten Ausbaustufe des Innovationscampus um den denkmalgeschützten Gasometer geben. Insgesamt 165.000 Quadratmeter Nutzfläche sollen entstehen, bislang sind davon rund 50.000 Quadratmeter entwickelt. Zuletzt wurde die sogenannte „Ellipse“ fertig, ein Bürogebäude, in das jetzt die Deutsche Bahn International GmbH einziehen wird. Auch das Gebäude, für das am Mittwoch Richtfest gefeiert wurde und das im Herbst 2016 bezugsfertig sein soll, sei zu 75 Prozent vermietet, sagte Müller. „Wir haben einen Mietvertrag mit der Wilo Gruppe, einem Hersteller von Pumpensystemen unterschrieben“, so der Euref-Chef.

Auch die Berliner Synchron GmbH hat einen Mietvertrag über 2500 Quadratmeter abgeschlossen. Neu auf dem Campus ist auch der US-amerikanische IT-Konzern Cisco, der mit bis zu 150 Beschäftigten ein Innovationszentrum einrichtet. „Die Zahl an neuen Arbeitsplätzen auf dem Areal wird somit bis Mitte 2016 auf 2000 wachsen“, sagte Müller, der das Areal 2007 erworben hatte und es seitdem kontinuierlich zu einem klimaneutralen Stadtquartier ausbaut. Auch Wohnungen sind geplant.