Theater

Die Umbaupläne liegen auf Eis

Zwischen sechs Spielstätten pendelt das Jugendtheater Strahl. Die Pläne für ein eigenes Domizil stehen. Aber ein Zuschuss wird nicht bewilligt, weil es eine Klage gibt

Wenn sich in Berlin Bauprojekte verzögern, liegt es nicht immer am schwierigen Untergrund oder komplizierten technischen Vorgaben. Manchmal fehlt einfach das Geld. Das nicht bewilligt wird, obwohl alle die Pläne gut finden. So ergeht es gerade dem Jugendtheater Strahl.

Zwei Millionen Euro hatte die Bühne bei der Lottostiftung Berlin beantragt, um die Halle am Ostkreuz in Lichtenberg zu einem Theater und gleicher­maßen zum neuen Domizil umzubauen. Die Senatskulturverwaltung befürwortete dieses Pläne – ohne Zustimmung der Fachbehörde gibt es keine Lottomittel –, aber der Stiftungsrat unter dem Vorsitz des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) vertagte die Entscheidung in der Sitzung am vergangenen Freitag. Es wurden insgesamt 18 Millionen Euro verteilt, das Theater Strahl ging leer aus. Bereits zum zweiten Mal. Auch in der Junisitzung, der ersten des Jahres 2015, wurde der Förderantrag vertagt.

„Es gibt noch Klärungsbedarf“, sagte damals Marion Bleß vom Vorstand der Stiftung, ohne Details zu nennen. Die Lottostiftung äußerte sich am Dienstag nicht zu der erneuten Vertagung. Die Senatskulturverwaltung wollte sich mit Hinweis auf die Stiftung ebenfalls nicht erklären. Nach Informationen der Berliner Morgenpost blockiert ein Rechtsstreit die Bewilligung der Mittel. Denn Strahl, Berlins einziges Theater, das ausschließlich Jugendliche als Zielgruppe hat und deren Produktionen mehrfach ausgezeichnet wurden, wollte sich das Areal mit dem Deutschen Jugendherbergswerk (DJH) teilen. Das DJH saniert gerade die ehemalige, unter Denkmalschutz stehende Schule. Ab Frühjahr 2016 sollen, direkt an der Bezirksgrenze zwischen Lichtenberg und Friedrichshain, die ersten Gäste kommen. Das Theater Strahl plante, die ebenfalls auf dem Grundstück liegende zweigeschossige Turnhalle zu renovieren und dort einzuziehen. Eine Win-win-Situation. So wollte Strahl nicht nur Vorstellungen, sondern auch Workshops für die Herbergsgäste anbieten.

Dann aber reichte die A&O Hotel and Hostel Friedrichshain GmbH, die in Deutschland 26 Häuser mit rund 20.000 Betten betreibt, vor dem Verwaltungsgericht in Berlin Klage ein. Sie wirft dem Land Berlin unlauteren Wettbewerb vor. Dem DJH wurde das seit Jahren leer stehende, zuletzt von der Fachhochschule für Wirtschaft und Technik genutzte Gebäude an der Marktstraße 9–12 unentgeltlich überlassen, eine Pacht wird in den kommenden 30 Jahren nicht fällig. Im Gegenzug übernahm das DJH die Sanierungskosten für den historischen Backsteinbau.

„So lange die Klage anhängig ist, passiert nichts“, bestätigte ein ziemlich frustrierter Wolfgang Stüßel, 60, Mitgründer und Leiter des Jugendtheaters Strahl, auf Anfrage. Seit sechs Jahren arbeiten die Theaterleute an diesem Projekt, haben viel Energie und Geld in die Planungen gesteckt. Strahl pendelt, in Ermangelung einer eigenen, regelmäßig nutzbaren Spielstätte zwischen sechs verschiedenen Aufführungsorten von Schöneberg bis Wedding und Oberschöneweide.

Ob der Deal mit dem Jugendherbergswerk überhaupt noch zustande kommt und wie es weitergeht, wenn sich alles in die Länge zieht, weiß Stüßel momentan nicht. In den nächsten Tagen wollen sich die Theaterleute besprechen. Dabei hatte der neue Standort seine Feuertaufe bereits bestanden. Mit dem Tanztheater Roses startete Strahl ästhetisch – dieses Genre hatte das Jugendtheater bis dahin nicht im Programm – und geografisch im Sommer 2013 in der Halle Ostkreuz in Lichtenberg in eine neue Ära. Zumindest hatten das damals alle geglaubt.