Prozess in Berlin

ICE-Züge zusammengestoßen - Angeklagte bleiben straffrei

Beim Rangieren in Berlin-Rummelsburg waren im Mai 2014 zwei ICE-Züge zusammengestoßen. Es entstand ein mit Millionen-Schaden in Millionenhöhe.

Es geschah beim Rangieren in Rummelsburg: Beim Zusammenstoß entstand ein Millionenschaden

Es geschah beim Rangieren in Rummelsburg: Beim Zusammenstoß entstand ein Millionenschaden

Foto: Paul Zinken / dpa

Nach dem Zusammenstoß zweier ICE-Züge auf dem Betriebshof Berlin-Rummelsburg mit Schaden in Millionenhöhe bleiben zwei beteiligte Bahnmitarbeiter straffrei. Ein Amtsgericht stellte das Verfahren gegen einen damaligen Disponenten und einen Lokführer gegen Zahlung von jeweils 600 Euro ein. „Ein schweres Verschulden war den Angeklagten nicht nachzuweisen“, befand das Gericht am Dienstag.

Zu dem Unfall war es im Mai 2014 beim Rangieren gekommen. Der 54-jährige Lokführer hatte zu spät erkannt, dass er auf ein noch besetztes Gleis gefahren war. Trotz Schnellbremsung kam es zur Kollision. Der leere Teilzug eines ICE prallte auf einen zweiten leeren Teilzug auf. Vier Wagen des stehenden und der Triebwagen des auffahrenden Zuges entgleisten. Es sei ein Sachschaden von etwa einer Millionen Euro entstanden, hieß es im Prozess.

Den Angeklagten war ein gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr aus Fahrlässigkeit vorgeworfen worden. Im Falle des damaligen Disponenten waren die Ermittler davon ausgegangen, dass er den Lokführer nicht ordnungsgemäß über das besetzte Gleis informiert hatte. Dem Lokführer war zur Last gelegt worden, er sei etwas zu schnell gefahren.

„Aufgabenverteilung in Rummelsburg suboptimall“

Die beiden Beschuldigten erklärten, sie hätten etwa eine halbe Stunde vor der Kollision den Rangiervorgang besprochen. Dabei habe der Disponent angewiesen, dass der Lokführer auf das Gleis fahren könne, „wenn der andere Zug weg ist“. Die Fahrtfreigabe sei aber über den Weichensteller erfolgt. „Als das Signal kam, dachte ich, die Strecke wäre frei“, sagte der Triebfahrzeugführer. Er habe seinen Blick auch auf das Tachometer konzentriert, um nicht zu schnell zu fahren. Als er den anderen ICE sah, sei er schockiert gewesen.

Für das Gericht stand nach der Befragung von zwei Gutachtern fest, dass „die Aufgabenverteilung in Rummelsburg suboptimal ist“. Weil ein Disponent zwischengeschaltet sei, gingen Informationen verloren. Dem Lokführer sei vorzuwerfen, dass er seinen Blick „nicht ununterbrochen auf der Strecke gehalten hat“.