Berlin

1990 – Uta Pippigs Start in eine große Laufkarriere

Uta Pippig gewann den Berlin-Marathon 1990 mit einer Streckenrekordzeit von 2:28:37 Stunden. Es folgten weitere Siege in Berlin, sie gewann den New-York-Marathon und viermal den Boston-Marathon. 2002 zog sich Pippig vom Leistungssport zurück. Die gebürtige Leipzigerin lebt heute überwiegend in Colorado (USA). Am 27. September wird sie den Startschuss zum 42. Berlin-Marathon geben. Uta Pippig schildert der Berliner Morgenpost ihre Erinnerungen.

Berliner Morgenpost: Was sind Ihre Erinnerungen, wenn Sie an den geschichtsträchtigen Lauf von 1990 zurückdenken?

Uta Pippig: Ich kann mich an die grenzenlose Freude der Menschen, aber auch an die Erleichterung und Freudentränen vieler erinnern, nun ohne die mitten durch die Stadt führende Mauer leben zu können. Wir konnten einfach hindurch laufen in eine gute und atemberaubende Zukunft.

Haben Sie sich jemals Gedanken darüber gemacht, wie Ihre Karriere und Ihr Leben ohne den Fall der Mauer verlaufen wäre?

Nein, gar nicht. Die Freiheit, die wir damals spüren konnten, hat bis heute solch eine Kraft. Sie lässt mich nach vorn schauen, nicht zurück.

Als Sie ins Ziel kamen, überwog da die Freude über den Sieg oder das Gefühl der Freiheit?

Natürlich war es das Freiheitsgefühl. Ich war ein Laufmädchen aus dem Ostteil des Landes, das an diesem Marathon teilnehmen konnte so wie viele von meinen Lauffreunden, auch aus dem Westteil. Endlich. Ich habe vor Aufregung meine Beine nicht spüren können, wie schnell sie liefen, auch nicht meinen Atem oder die Erschöpfung am Ende des Rennens. Ich sah die vielen Menschen am Ziel voller Freude und Begeisterung. Es war ein bewegender Lauf, ein unglaublicher Tag und eine atemberaubende Zeit, die uns geprägt und vereint hat.

Mussten Sie sich später bei den Rennen in Boston und New York „kneifen“, um sich klarzumachen, ich laufe gerade durch die tollsten Städte der Welt?

Es war schon wie ein Traum. Und die 90er vergingen in Rekord-Marathongeschwindigkeit. Ich wollte manchmal die Zeit anhalten. Als es nach meiner sportlichen Karriere etwas ruhiger wurde, bin ich in die Städte zurückgefahren und habe mir hier beispielsweise in Boston den „Friedens Trail“ angesehen. In New York habe ich mir auch einiges angesehen und bin mit Freunden im Central Park gelaufen.

Was verbindet Sie heute noch mit Berlin?

Ich habe ein inniges Gefühl zu unserer Stadt. Ich schaue in die Gesichter der Menschen und denke, dass ich ihre Sorgen oder Freuden etwas spüren kann. Sie sind hier groß geworden, ich auch, und wir haben den Wandel der Zeiten miterlebt. Ich habe meine Wohnung wie vor 25 Jahren noch in Steglitz, jogge am Teltowkanal und im Tiergarten. Dann treffe ich mich mit Freunden aus Berlin und zeige Freunden von Übersee, wie sehr sich die Stadt verändert hat.