Gesaltung

Endspurt auf dem Tempelhofer Feld

Einen Tag nach dem Drachenfest endet die Ideensuche für die Neugestaltung. Dann wird ein Plan erstellt.

Die Begeisterung der Berliner und Touristen für das weite und unbebaute Tempelhofer Feld ist ungebrochen. Zum Festival der Riesendrachen am Sonnabend strömten nach Veranstalterangaben rund 75.000 Besucher durch die Eingänge. Zum letzten Mal sind an diesem Sonntag zudem Interessierte aufgefordert, sich im Internet auf www.tempelhofer-feld.berlin.de an den Ideen zur künftigen Gestaltung des Feldes zu beteiligen.

Künftig sind auf der Freifläche zusätzliche Sitzgelegenheiten, Toiletten und schattenspendende Bäume im Äußeren Wiesenring und ein Ausbau der Freizeit- und Sportangebote geplant. "Der einzigartige Charakter der offenen Wiesenlandschaft soll dabei grundsätzlich bewahrt bleiben", sagte der Koordinator der Umgestaltung, Tilmann Heuser. Im vergangenen halben Jahr fanden dazu mehrere Ideen-Werkstätten statt. Eine klare Mehrheit der Beiträge auf der Internetseite zur Neugestaltung spricht sich für eine behutsame Umgestaltung des freien Feldes aus. Größere Bauvorhaben stoßen eher auf Ablehnung. Erstaunt habe ihn die Kompromissbereitschaft fast aller Teilnehmer, sagt Heuser. "Priorität haben vor allem einfache Dinge, wie Toiletten, Bänke und Spielmöglichkeiten zu schaffen."

Etwa 200 Interessierte haben sich nach Angaben Heusers im vergangenen halben Jahr aktiv in die Erstellung des Entwicklungsplans eingebracht, 3000 Berliner haben den Newsletter abonniert, mehrere Zehntausende haben sich auf der Homepage über die Vorschläge informiert. Unter verschiedenen Kategorien können die Nutzer des Flugfeldes Vorschläge unterbreiten. Sie reichen vom Erhalt und Ausbau des Baseballfeldes bis zur Errichtung eines Harald-Juhnke-Weges – ein in Schlangenlinie angelegter Pfad.

Zustimmung für eine Kite-Schule für große Sportdrachen

Zustimmung erhielt bislang auch der Vorschlag, eine Kiteschule für Sportdrachen und einen Parcours zur Bewegungsschule einzurichten. Vielen ist dem Diskussionsforum zufolge auch die Anbindung für Fußgänger, vor allem am Columbiadamm und Tempelhofer Damm, wichtig. Auch wenn das nicht zum eigentlichen Gegenstand des Entwicklungsplans gehört, werden dazu zahlreiche Anregungen diskutiert.

Im Oktober und November werden alle Vorschläge zu dem Entwicklungs- und Pflegeplan zusammengefasst. Grundlage dafür ist das Gesetz zum Tempelhofer Feld, das am 14. Juni 2014 nach dem erfolgreichen Volksentscheid gegen eine Bebauung in Kraft getreten ist. Die Mehrheit der Berliner lehnte damals die Bebauungspläne des Senates ab. Laut Gesetz dürfen keine Bauten entstehen, die den Charakter des freien Feldes beeinträchtigen.

Nach Fertigstellung des Plans steht 2016 die Umsetzung der Ideen an. "Es gibt ein gewisses Misstrauen, dass der Senat doch noch seine geplante Bebauung weiterverfolgt", so Heuser. Doch diese Gefahr sehe er nicht. "Durch das umfangreiche, transparente Verfahren ist Druck auf die Politik entstanden." Zu den Pflegeplänen gehört auch das Gedenken an den historischen Ort, der nicht nur als Flugfeld für den Flughafen, sondern auch als Sportanlage sowie als Arbeitslager während der Zeit des Nationalsozialismus diente, und der als symbolischer Ort der Luftbrücke gilt.

12.600 Besucher pro Tag

Die wachsende Beliebtheit des Tempelhofer Feldes geht auch aus der Besucherzählung vom Sommer 2014 hervor, das die Firma Grün Berlin in Auftrag gegeben hatte. Der Erhebung zufolge kamen an Wochentagen etwa 12.600 Besucher auf das Gelände, an Sonnabenden etwa 25.600 und an Sonntagen rund 31.000. Dies sind erhebliche Steigerungen gegenüber den Vorjahren. 2010 wurden sonntags 14.900 Besucher gezählt, 2011 knapp 15.800 und 2012 bereits 16.600.

An Werktagen kamen die Besucher meistens einzeln oder zu zweit, häufig auch mit dem Fahrrad. Größere Gruppen und Familien bevorzugten das Wochenende. Fahrräder wurden im Jahr 2014 sonnabends und sonntags deutlich seltener mitgenommen als in den Vorjahren. "Sonnen, lesen, auf dem Rasen liegen" gaben die Befragten als häufigsten Grund (36 Prozent) für ihr Kommen an, gefolgt von "Spazierengehen" (22 Prozent) und "Hund ausführen" (17 Prozent). Auffallend sei, heißt es, dass die Angebote auf dem Tempelhofer Feld wie Grillen oder Fahrrad- und Segway-Verleih durchweg als gut und sehr gut bewertet wurden.

Der Lichtenberger Sert, der am Sonnabend mit seiner Familie beim Drachenfest war, kommt an Wochenenden zum Joggen oder Skaten auf das alte Flughafenareal, oder einfach zum Spazierengehen. "Es ist wie Urlaub hier, und hat etwas von Freiheit."

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