Berlin

Wenn die Parklücke zum Kleingarten wird

Am Freitag war „Park(ing) Day“ – mit allerdings nur mäßiger Resonanz

Für alles gibt es einen Tag. Für Mütter, Väter, Kinder. Für Bier und Katzen. Für die Liebe, Freundschaft und den Kuss. Google spuckt auch Kurioses aus: Die USA hat irgendwann den internationalen Tag der Lasagne eingeführt, am 29. Juli. Von allgemeinem und weltweitem Interesse sind häufig Tage, die sich für die Umwelt aussprechen und damit zum Nachdenken anregen wollen. Dabei geht es weniger um Trends. Sie markieren meist Diskussionen, die sich bereits über Jahrzehnte erstrecken. So gibt es seit 2005 den sogenannten „Park(ing) Day“, der an jedem dritten Freitag im September seinen Platz gefunden hat. In diesem Jahr am 18.

Kunstrasen und Liegestühle statt Cabrios und Kleinlaster

Die Idee hatte ihren Ursprung vor zehn Jahren in San Francisco. Wo sonst Autos stehen, wollen Künstler, Umweltschützer oder Menschen aus der Nachbarschaft eine gemütliche Sitzecke mit Kunstrasen und Liegestühlen einrichten. Dazu lösen sie, wie es der Autofahrer in der Regel auch tun muss, ganz klassisch ein Parkticket, während sie eine Lücke auf der Straße okkupieren.

Eigentlich ein gutes Bild. Und genau das sollte man am Freitag an der Uhlandstraße zwischen Kudamm und Kantstraße vorfinden. Motivierte Menschen, die Parklücken zu Mini-Parks umfunktionieren. Aber irgendwie war das BMW-Autohaus-Fest Kudamm Ecke Uhlandstraße deutlich auffälliger. Weiter Richtung Kantstraße gab es dann zwei Parklücken, in denen sich der CarSharing-Verband und ein Radclub eingerichtet hatten. Die Nachricht: Mehr Rad fahren oder zumindest Fahrzeuge teilen – das eigene Auto in jedem Fall abschaffen. Ähnliche Aktionen sollten in Pankow, Fehrbelliner Straße, und in Weißensee, Gustav-Adolf-Straße, steigen.

In großen Städten gibt es ja immer wieder das Bestreben, alles umweltfreundlicher zu gestalten. Zurück zum Ursprung. Mehr Natur, mehr Grün. Flächen, die gemeinschaftlich genutzt werden können. Weniger motorisierte Fahrzeuge auf den Straßen. Das Auto spaltet dabei oftmals nicht nur Politik, sondern irgendwie auch die Gesellschaft. Da treffen zwei Fronten aufeinander, deren Mitglieder, und das ist fast schon witzig, ihre Ausrichtung je nach Situation zu tauschen bereit sind. So ergibt es sich, dass der Autofahrer den Radfahrer verflucht, auch wenn er selbst gerne Fahrrad fährt. Und andersrum. So sind sozusagen viele gleichermaßen Auto- und Rad-Hardliner.

Auch in anderen Städten sollte es „Park(ing) Day“ heißen – in Stuttgart, Karlsruhe und München. Auf einem Teilabschnitt der Schönhauser Allee könnten Parkplätze bald auch an anderen Tagen anders genutzt werden: Pankows Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) will Autos am S-Bahnhof verbannen. Im Frühjahr sollen demnach zunächst einzelne Parkplätze zeitweise für Autos gesperrt und als Sitzmöglichkeiten oder für Pflanzen genutzt werden. Ob das dann die Gegener zulassen, wird sich noch zeigen.