Benefiz-Veranstaltung

Schönes Golf für schöne Spenden

Beim 10. Securitas Golfcup wird Geld für die Stiftung von Michael Stich gesammelt

Michael Stich engagiert sich seit mehr als 20 Jahren für Kinder mit HIV und Aids. Auch in der Berliner Charité

Michael Stich engagiert sich seit mehr als 20 Jahren für Kinder mit HIV und Aids. Auch in der Berliner Charité

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Charisius / picture alliance / dpa

Als Michael Stich seine gleichnamige Stiftung gründete, war er gerade erst 26 Jahre alt. Der dünne, lange Junge aus Pinneberg, wie er selber sagt, hatte zwei Jahre zuvor den Grand Slam Cup in München gewonnen und eine Journalistin fragte ihn, was er denn mit den zwei Millionen Dollar Preisgeld gedenke, im Bereich Charity zu tun. Das brachte den jungen Tennisspieler zum Nachdenken. „Ich wollte von dem Geld, was ich verdient habe, etwas zurückgeben“, sagt er. „Und ich war schon immer sozial eingestellt.“ Das Ergebnis war die Michael Stich Stiftung, die sich seit 1994 für an HIV oder Aids erkrankte Kinder und deren Familien einsetzt. Einen Ausschlag, sich gerade für dieses Thema zu engagieren, sei auch seine Freundschaft zu Michael Westphal gewesen, dem Tennisprofi, der 1991 an Aids starb.

Turnier im Golf- & Country Club Seddiner See

21 Jahre später steht Michael Stich am Donnerstagabend im dunklen Anzug im sechsten Stock des „Hauses der Sicherheit“ an der Potsdamer Straße und begrüßt seine Gäste zu einem gemeinsamen Dinner. Den Tennisschläger nimmt der heute 46-Jährige mittlerweile nur noch selten zur Hand, dafür aber gerne den Golfschläger. Es ist der Tag vor dem 10. Securitas Golfcup im Golf- & Country Club Seddiner See im Südwesten Berlins, der in diesem Jahr zugunsten von Stichs Stiftung ausgetragen wird. „Nicht jede Firma möchte mit diesem Thema in Verbindung gebracht werden“, sagt Michael Stich und bedankt sich bei Geschäftsführer Ralf Brümmer für die Zusammenarbeit.

Die Berührungsängste der Menschen und die daraus resultierende Ausgrenzung der Betroffenen hätten sich in den vergangenen 20 Jahren überhaupt nicht verändert, sagt Michael Stich. „Niemand will etwas damit zu tun haben. Nur am Welt-Aids-Tag sind immer alle ganz betroffen und um Mitternacht ist es dann wieder vorbei.“ Bis heute würden infizierte Kinder mit fadenscheinigen Begründungen aus Kindergärten und Schulen verwiesen oder von Musik- und Sportkursen ausgeschlossen. Viele Familien verheimlichten die Krankheit deshalb.

Integration in die Gesellschaft ist das Ziel

Sein Wunsch sei es, dass an HIV oder Aids Erkrankte genau so in die Gesellschaft integriert würden, wie Menschen mit Behinderung oder Krebs. „Diese Menschen tun uns ja nichts“, betont er. „Und selbst eine infizierte Frau kann heute ohne Probleme ein gesundes Kind zur Welt bringen.“ Deshalb dürfte es eigentlich überhaupt keine neuerkrankten Kinder mehr geben, findet Michael Stich. Trotzdem habe es allein in der Berliner Charité im vergangenen Jahr rund 70 Neumeldungen gegeben.

Das Motto der Stiftung lautet: Kindern ein Lachen schenken. Beispielsweise mit der Erfüllung ihrer ganz persönlichen, kleinen Wünsche. “Für mich war von Anfang an klar, dass Kinder im Zentrum unserer Arbeit stehen sollen“, sagt Michael Stich. „Kinder werden mit der Krankheit geboren und haben nicht die Chance, selbst etwas dagegen zu tun. Sie verstehen auch nicht, warum sie ausgegrenzt werden.“

Gruppe von Kindern, die die Stiftung schon seit 15 Jahren betreut

Anfangs habe ihn die Stiftungsarbeit stark belastet, weil die Kinder selten älter als 18 Jahre alt wurden, gibt Michael Stich zu – und auch heute sei es nicht immer leicht. Besonders freue er sich deshalb über Aktionen wie den Securitas Golfcup oder sichtbare Erfolge. In der Charité gebe es eine Gruppe von Kindern, die die Stiftung schon seit 15 Jahren betreue. „Einge von denen machen jetzt Abitur, einer macht eine Ausbildung zum Koch, der andere will Fußballprofi werden“, sagt Michael Stich. „Ich hoffe, irgendwann werde ich die Kinder dieser Kinder kennenlernen. Diese Entwicklung nimmt den Schrecken, denn sie bietet eine Perspektive, die es früher nicht gab.“

Beinahe so alt wie seine Stiftung ist auch Michael Stichs Begeisterung für den Golfsport. Oft komme er jedoch nicht dazu. „Ich habe dieses Jahr vielleicht zwei Runden gespielt“, sagt er. Am Wochenende verbringe er seine Zeit meist lieber mit der Familie. „Da muss man einfach Prioritäten setzen“, so Michael Stich – so wie auch in diesem Fall. Eigentlich sollte der Fight mit dem Wimbledon-Gewinner beim Securitas Golf Cup höchstbietend versteigert werden. Weil es seinem Vater nicht gut geht, muss Stich nach dem Dinner wieder nach Hamburg abreisen.

Am Ende kommen 17.000 Euro zusammen

Jürgen Gangl, Direktor vom „Park Inn“ und leidenschaftlicher Golfer, hat am Freitag dennoch eine „extrem interessante Runde“. „Ich habe die volle Breite des Platzes und alle Bunker ausgenutzt“, sagt er nach dem Turnier. Auch beim Putten hat er kein Glück. Kaweh Niroomand, Manager der BR Volleys, ist dagegen sehr zufrieden. „Ich wollte mein Handicap verbessern und das hat auch geklappt“, freut er sich. Auch sein Mut, in kurzen Hosen anzutreten, wird belohnt – das Wetter ist perfekt zum Golfen. Am Abend wurden zwei Karten für das Wimbledon-Tennisturnier zugunsten der Michael Stich Stiftung versteigert. Gastgeber Ralf Brümmer ist nicht ganz so glücklich mit seinem Spiel. „Aber darauf kommt es ja gar nicht an, Hauptsache wir bekommen eine schöne Spendensumme für die aidskranken Kinder zusammen.“ Am Ende wurden es 17.000 Euro.