Nahverkehr

BVG will mit mehr Personal mehr leisten

Berlin wächst, das bekommt auch die BVG zu spüren. Immer öfter sind Busse und Bahnen überfüllt. Die BVG-Chefin stellt wieder mehr Personal ein.

BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta, bei der Präsentation der neuen XXL-Busse.

BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta, bei der Präsentation der neuen XXL-Busse.

Foto: Gregor Fischer / dpa

Nach Jahren des Abbaus legen die landeseigenen Verkehrsbetriebe personell wieder zu. Bis Ende des Jahres werde die Zahl der BVG-Mitarbeiter auf 13.500 steigen. Das sind rund 1000 mehr als noch vor vier Jahren. Auch in den kommenden Jahren will BVG-Chefin Sigrid Nikutta weiter Mitarbeiter in größerer Zahl einstellen. „Die Stadt wächst und damit auch die Anforderungen an den Nahverkehr“, begründete Nikutta die Trendwende in der Personalpolitik. Benötigt würden vor allem Fahrerinnen und Fahrer, aber auch Werkstatt-Spezialisten und Servicekräfte. „Wir werden künftig auch wieder mehr eigene Fahrkartenkontrolleure haben“, kündigte Nikutta am Mittwoch beim Sprechtag des Berliner Fahrgastverbandes Igeb an.

Der BVG-Vorstand reagiert damit auf die wachsende Nachfrage nach Leistungen im Nahverkehr. So hat die BVG erst im Vorjahr mit 978 Millionen Fahrgästen einen Beförderungsrekord aufgestellt. „In diesem Jahr werden wir die Grenze von einer Milliarde Fahrgäste knacken“, ist sich Nikutta sicher. Ein Wert, mit dem die BVG erst 2020 gerechnet hat. Zwar liegt die Auslastung aller Busse und Bahnen der BVG über den Tag gerechnet gerade einmal bei 17 Prozent. Doch in den Spitzenzeiten, etwa im Berufsverkehr am Morgen und Nachmittag reichen die Kapazitäten oft nicht mehr aus. U-Bahnwagen und Straßenbahnzüge sind dann oft brechend voll, auch beim Bus häufen sich – wie berichtet – die Meldungen, dass Fahrgäste aus Platzgründen nicht mehr mitgenommen werden können.

Als nach dem Mauerfall die Verkehrsbetriebe aus West und Ost vereinigt wurden, hatte die BVG mehr als 28.000 Mitarbeiter. Auf Dauer nicht bezahlbar, sagte damals der Eigentümer, die Berliner Landesregierung. Seither war der Abbau von Personal stets eine der Hauptaufgaben für die jeweilige BVG-Spitze. Sichtbar wurde dies vor allem Ende der 90er-Jahre beim Abzug der Aufsichten von allen U-Bahnhöfen. Jahrelang wurden zudem kaum neue Mitarbeiter eingestellt. Bis 2006 hatte sich der Personalbestand so auf 11.600 Beschäftigte verringert, das Land konnte seinerseits die Zuschüsse an das Unternehmen kräftig reduzieren. Doch die Sparpolitik hatte Folgen. So wurden etwa vor fünf Jahren bei einer Häufung von Busbränden auch Mängel in der Wartung der Technik deutlich.

Angebot reduzieren, weil Fahrer fehlen

Bereits kurz nach ihrem Amtsantritt im Oktober 2010 legte Nikutta den Schalter um. Sie stellte wieder Mitarbeiter ein, zunächst für die Werkstätten, dann auch für den Fahrbetrieb. Sie stellte wieder mehr Mitarbeiter ein, zunächst für die Werkstätten, dann auch wieder für den Fahrbetrieb. Doch das reichte nicht überall aus, wie die aktuelle Personalkrise bei der Straßenbahn zeigt. Weil dort Fahrer fehlen, hat die BVG ihr Angebot seit Ende August auf mehreren Linien reduziert. Ein Schritt, der beim Fahrgastsprechtag auf viel Kritik stieß. Auch wenn inzwischen Tram-Fahrer aus Mainz und demnächst auch aus Augsburg aushelfen, eine kurzfristige Rücknahme der Sparmaßnahmen ist nicht in Sicht. „Keine konnte damit rechnen, dass so viele Straßenbahn-Fahrerinnen und Fahrer die Rente mit 63 in Anspruch nehmen werden“, sagte Nikutta.

Besser sieht es da beim Bus aus. Weil in diesem Teilbetrieb derzeit ausreichend Fahrer und Fahrzeuge zur Verfügung stehen, will die BVG ab Dezember sowie in einem zweiten schritt ab April 2016 das Angebot auf insgesamt 20 Linien verbessern. Geplant sind unter anderem Taktverdichtungen auf den Linien 101, 112, 163, 186, 237 sowie auf dem M27. Zur Verstärkung der Linien 110 und 249 wird am 3. April 2016 in Wilmersdorf einen neue Linie eröffnet. Auf der Linie 310 werden dann Busse im Berufsverkehr (7 bis 10 Uhr sowie 13 bis 19 Uhr) zwischen den U-Bahnhöfen Blissestraße und Wilmersdorfer Straße fahren.