Spandau

Erschossener Islamist - Vor Angriff löste er die Fußfessel

Ein Polizist hat an der Heerstraße einen Mann erschossen und eine Kollegin schwer verletzt. Der erschossene Angreifer war verurteilter Islamist.

Rafik Y. im Jahr 2008 beim Prozess in Stuttgart-Stammheim

Rafik Y. im Jahr 2008 beim Prozess in Stuttgart-Stammheim

Foto: REUTERS / ALEX GRIMM / REUTERS

Bei dem Mann, der am Donnerstag von einem Polizisten an der Heerstraße erschossen worden war, handelt es sich um einen polizeibekannten Islamisten. Entsprechende Informationen der Berliner Morgenpost bestätigte die Polizei am Nachmittag auf einer Pressekonferenz.

Demnach handelt es sich um den 41 Jahre alten Rafik Y., der 2004 in ein vereiteltes Attentat auf den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi verwickelt gewesen war und 2008 mit zwei Komplizen dafür zu langen Haftstrafen verurteilt worden war. Das Gericht sah es damals als erwiesen an, dass Y. Mitglied der radikal-islamischen Terrorvereinigung Ansar-al-Islam war und geplant hatte, Allawi bei seinem Deutschlandbesuch im Jahr 2004 zu ermorden. Der Iraker Y. hatte den Anschlag geplant und wurde dafür zu acht Jahren Haft verurteilt. Am 26. März 2013 wurde er entlassen.

Die Behörden hatten laut Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) versucht, Rafik Y. nach der Entlassung in den Irak abzuschieben. Das war jedoch nicht möglich, weil ein Abschiebungsverbot bestand. Der Grund: Bei einer Rückkehr in den Irak hätte Y. die Todesstrafe wegen des geplanten Attentats gedroht.

Allerdings steht der Mann auf einer Liste nichtdeutscher terroristischer Gefährder und trug eine elektronische Fußfessel, weil er unter sogenannter Führungsaufsicht stand. Diese hat er allerdings nach Angaben der Polizei am Donnerstagmorgen entfernt.

Wenig später griff Rafik Y. an der Heerstraße Ecke Pichelsdorfer Straße mehrere Passanten an. Der Polizei zufolge habe er gegen 9.40 Uhr auch Passanten das Messer an den Hals gehalten.

Rafik Y. ging auf die Polizistin los

Die Polizei kam mit vier Funkwagen zum Einsatzort und forderte Y. auf, das Messer wegzulegen. Darauf sei er jedoch auf die beiden Polizisten losgegangen. Er verletzte eine 44 Jahre alte Polizeioberkommissarin mit seiner neun Zentimeter langen Klinge, indem er ihr in die Schulter stach. Darauf eröffnete ihr Kollege das Feuer auf den Mann.

Den Polizeiangaben zufolge habe der Angreifer daraufhin von der Polizistin abgelassen und sei auf den Beamten losgegangen, der daraufhin zwei oder drei weitere Schüsse abgegeben habe. Diese trafen allerdings nicht nur den Angreifer, sondern auch die Polizistin, die dabei schwere Verletzungen erlitt. Y. wurde von den Kugeln am Ellenbogen sowie im Hüftbereich getroffen. Möglicherweise habe diese zweite Kugel den Bauchbereich durchschlagen. Rafik Y. starb wenig später im Rettungswagen an inneren Blutungen.

Es sei zu früh zu sagen, ob die Tat terroristisch motiviert war und es ein vorbereiteter Anschlag war, sagte Oberstaatsanwalt Dirk Feuerberg bei der Pressekonferenz. Die Wohnung des Mannes werde durchsucht und auf Hinweise zu terroristischer Pläne überprüft. Auch Henkel teilte mit, dass die Hintergründe noch nicht klar seien. Es gebe aber einige Anzeichen, die gegen ein geplantes Vorgehen sprächen.

Die Polizistin liegt noch auf der Intensivstation, ihr Zustand ist aber wohl stabil. Henkel sprach am Nachmittag von einem „dramatischen Vorfall“ und fügte hinzu: „Im Moment drehen sich meine Gedanken ausschließlich darum, dass eine Polizistin im Einsatz schwer verletzt worden ist. Ich hoffe, dass sie wieder gesund wird, und wünsche ihr dafür alle Kraft.“ In der rbb-"Abendschau" sagte Henkel: „Der Kollege hat ihr sehr wahrscheinlich das Leben gerettet. Gott sei Dank!“