Urteil

Vier Jahre Haft: ICE-Erpresser muss in die Psychiatrie

David D. nahm Geiseln in einem ICE und forderte die Verlesung einer Proklamation. Das Kammergericht schickt ihn in die Psychiatrie

Der Angeklagte Daniel S. (r) vor der Urteilsverkündung

Der Angeklagte Daniel S. (r) vor der Urteilsverkündung

Foto: Paul Zinken / dpa

Ein 24-Jähriger, der am 21. November 2014 im ICE von Berlin nach Hamburg bei der Fahrkartenkontrolle eine Schreckschusspistole zückte und die Veröffentlichung einer Proklamation forderte, wurde vom Kammergericht in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. Gleichzeitig verurteilten ihn der 1. Strafsenat wegen Geiselnahme und versuchter Nötigung des Bundespräsidenten zu vier Jahren Freiheitsstrafe.

Der Senatsvorsitzende Josef Hoch sagte bei der Urteilsbegründung, dass David D. zwar schuldfähig, zur Tatzeit jedoch nur stark eingeschränkt steuerungsfähig gewesen sei. D. hatte gefordert, dass der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin und der Bundesaußenminister auf einer Pressekonferenz die Anerkennung Palästinas durch die Parlamente von Schweden, Großbritannien und Spanien aufs Schärfste verurteilen. Die deutsche Politik müsse sich „gegen die Palästinenser und hinter die Juden und Israel stellen“, heißt es in dem von D. aufgesetzten Schreiben. „Alles andere wäre reinster Wahnsinn. Ich sage nur: sechs Millionen Juden.“ Während des Prozesses hatte der umfassend geständige Angeklagte seine Tat verteidigt.

David D., aufgewachsen in einem Dorf in Baden-Württemberg, war schon als Jugendlicher psychisch auffällig geworden. Gutachter attestierten vor Gericht ihm eine schwere Persönlichkeitsstörung. „Die Tat wäre ohne diese Krankheit so nicht vorstellbar“, sagte Richter Hoch. Bei dem wegen eines Banküberfalls vorbestraften Angeklagten sei ein „wiederkehrendes Muster zu erkennen“. Er suche psychische Entlastung „durch spektakulären, aggressiven Aktionismus“. Ohne Therapie sei David D. „für die Allgemeinheit gefährlich“.

Die Freiheitsstrafe wird auf die in der Psychiatrie verbrachte Zeit angerechnet. Wann David D. entlassen wird, hängt vom Therapieerfolg und der Einschätzung von Gutachtern ab.