Kriminalität

Messerattacke auf Zivilpolizisten

Erneut gab es nahe dem RAW-Gelände einen gewalttätigen Übergriff. Dabei griff ein mutmaßlicher Taschendieb einen Polizisten in Zivil an.

Bei Touristen wie Berlinern beliebt: Das RAW-Gelände zieht vor allem Partyfreunde an. Doch in jüngster Zeit häufen sich im Umfeld kriminelle Vorfälle

Bei Touristen wie Berlinern beliebt: Das RAW-Gelände zieht vor allem Partyfreunde an. Doch in jüngster Zeit häufen sich im Umfeld kriminelle Vorfälle

Foto: David Heerde

Die Serie der Gewalttaten und Bedrohungen im Bereich der beliebten Partymeile am RAW-Gelände in Friedrichshain hält weiterhin an. Dass die Täter dabei auch nicht vor Angriffen auf Polizisten zurückschrecken, musste jetzt ein Beamter am eigenen Leib erfahren. Als der 29-Jährige am frühen Mittwochmorgen bei einem versuchten Taschendiebstahl einschritt, zog der Täter plötzlich ein Messer und ging auf den Beamten los. Der konnte einer direkten Konfrontation allerdings ausweichen. Während er in der Nähe befindliche Kollegen alarmierte, flüchtete der unbekannte Angreifer.

Wie ein Polizeisprecher am Mittwoch mitteilte, ereignete sich der Angriff gegen 1.10 Uhr auf der Warschauer Brücke. Dort hatte der Beamte, der privat unterwegs war, beobachtet, wie sich ein mutmaßlicher Taschendieb einer jungen Frau näherte und dabei den Eindruck erweckte, sie bestehlen zu wollen. „Es gibt bestimmte Verhaltensweisen, an denen erfahrene Beamte unzweifelhaft erkennen, ob sie es mit einem Taschen- oder Trickdieb zu tun haben“, sagte dazu ein szenekundiger Ermittler.

Prominenter Fall macht auf die Entwicklung aufmerksam

Als der Beamte daraufhin die Frau ansprach und auf den Verdächtigen aufmerksam machte, zog der Unbekannte sein Messer und ging in aggressiver Weise auf den 29-Jährigen zu. Da dieser außer Dienst und somit auch unbewaffnet war, zog er sich schnell zurück, um Verstärkung zu holen. Dies nutzte der Angreifer zur Flucht.

In dem Areal zwischen Warschauer Brücke, Revaler Straße und RAW-Gelände sind vor allem abends und nachts zahlreiche Berliner und Touristen unterwegs. Immer wieder kommt es dabei zu Überfällen und Diebstählen – ein bekanntes Problem, wie es in Großstädten häufig auftritt. In den vergangenen Wochen registrierte die Berliner Polizei im Bereich des RAW-Geländes allerdings eine auffällige Häufung solcher Taten. Einen prominenten Fall unter den Raub-, Diebstahls- und Gewaltdelikten gab es dabei im August: Damals griffen zwei Männer die Frontfrau der bekannten Deutschrockgruppe Jennifer Rostock auf der Revaler Straße an. Einer der beiden Täter verletzte den Begleiter der Sängerin mit einem Messer und fügte ihm dabei mehrere Stich- und Schnittverletzungen am Hals zu, die in einem Krankenhaus genäht werden mussten.

Die Sängerin machte den Vorfall vor allem auf Facebook bekannt und beschrieb in allen Einzelheiten die Brutalität und Aggressivität der Angreifer. Dadurch erfuhr auch die Öffentlichkeit von den Dimensionen, die die Gewalt im Umfeld des RAW-Geländes erreicht hatte. „Neu ist vor allem die Brutalität, mit der die Täter vorgehen“, sagte ein Ermittler der zuständigen Polizeidirektion 5.

Neben Taschendieben und Straßenräubern fallen laut Polizeiangaben immer wieder auch Jugendliche und junge Männer auf, denen es ausschließlich um Randale geht. „Die suchen förmlich die Konfrontation, einfach weil ihnen gerade danach ist“, beschrieb der Ermittler die Situation. Mitglieder dieser Tätergruppen kämen oft aus Neukölln auf die beliebte Partymeile. Deutsche sind nach Erkenntnissen der Polizei ebenso darunter wie junge Männer mit Migrationshintergrund.

Für die Polizei ist das Gebiet inzwischen ein Brennpunkt. Die Behörde setzt neben Funkwagen auch Gruppenstreifen ein, um Präsenz zu zeigen. Dazu sind Nacht für Nacht Zivilfahnder im Einsatz.

Berliner Tourismuswerber fürchten Imageschaden

Die Sicherheitskräfte würden es begrüßen, wenn vor allem das RAW-Gelände selbst mit Kameras überwacht würde. Das könne jedoch nur durch den Eigentümer des Geländes geschehen, sagte ein Sprecher. Auch eine bessere Ausleuchtung der ganzen Gegend soll die Kriminalität eindämmen. Land und Bezirk prüfen derzeit, wie und vor allem wann dies bewerkstelligt werden kann. Eine Anregung der Polizei, einige besonders betroffene Straßenzüge mit vorübergehenden Parkverboten zu belegen, um eine bessere Übersicht zu ermöglichen, wurde nach Gesprächen zwischen mehreren Behörden inzwischen allerdings wieder verworfen.

Die Zunahme der Gewaltvorfälle hat auch die Tourismuswerber von Visit Berlin alarmiert. Unternehmenssprecher Christian Tänzler warnte in der Berliner Morgenpost vor einem drohenden Imageschaden für die Stadt. Zuvor waren an einem Wochenende innerhalb von 90 Minuten ein Berliner und zwei Touristen von Straßenräubern und Taschendieben attackiert und zum Teil verletzt worden. Die Befürchtung der Marketingexperten scheint nicht ganz aus der Luft gegriffen: Ausländische Touristen bestätigten, sie seien in ihren Heimatländern vor bestimmten Stadtteilen gewarnt worden.