Wasserversorgung

Saubere Sache

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Florentine Anders

Ein Forschungsprojekt der TU und der Berliner Wasserbetriebe will Spurenstoffe im Leitungswasser minimieren.

Die Berliner Wasserbetriebe wollen künftig sogenannte Spurenstoffe besser aus dem Wasser herausfiltern. Dabei geht es um Rückstände von Medikamenten, Reinigungs- oder auch Süßungsmitteln. Gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin haben die Wasserbetriebe eine Großanlage mit einer zusätzlichen Reinigungsstufe entwickelt, die voraussichtlich ab Oktober testweise in der Kläranlage Tegel in Betrieb gehen soll.

In dem Forschungsprojekt haben die Wissenschaftler Methoden entwickelt, wie mit Aktivkohle und Ozon Spurenstoffe minimiert werden können. „Wir haben zunächst etwa 200 Spurenstoffe im Wasser nachgewiesen“, sagt der TU-Professor Martin Jekel, Leiter des Projektes. Dabei handele es sich um chemische Verbindungen in sehr geringen Konzentrationen, vergleichbar mit zwei Esslöffeln Zucker im Tegeler See. Nachgewiesen wurde zum Beispiel das Schmerzmittel Diclofenac, das in Voltaren oder Mobilat vorkommt und über die Dusche ins Abwasser gelangt.

Bisher gibt es noch keine Grenzwerte für diese Spurenstoffe, viele sind noch nicht einmal im Wasser erkannt, da für den Nachweis moderne Messgeräte nötig sind. Doch die Experten sind sich sicher, dass es bald Grenzwerte im Rahmen der Europäischen Union geben wird. Darauf wollen die Berliner Wasserbetriebe vorbereitet sein. Schon jetzt gibt es für viele Stoffe sogenannte gesundheitliche Orientierungswerte vom Umweltbundesamt, ständig kommen neue hinzu. Die Wissenschaftler gehen zudem davon aus, dass die Konzentration der Spurenstoffe im Wasser zunehmen wird. Gründe seien der steigende Konsum von Medikamenten durch die älter werdende Bevölkerung und die abnehmenden Niederschläge im Sommer, wie sie von Klimaexperten prognostiziert würden.

In das Forschungsprojekt, an dem auch das Umweltbundesamt beteiligt ist, flossen insgesamt fünf Millionen Euro. Davon kommt etwa die Hälfte von den Wasserbetrieben, die andere Hälfte sind Bundesmittel. Schon im Februar soll es aus dem Testbetrieb er­ste verwertbare Ergebnisse geben. Ziel ist es nicht nur zu testen, wie weit die Stoffe reduziert werden können, sondern auch, wie sich die neue Technik mit der bereits vorhandenen verbinden lässt und wie wirtschaftlich das Verfahren ist. „Das Forschungsprojekt hat aber auch gezeigt, dass kein technisches Verfahren allein in der Lage ist, alle Spurenstoffe zu eliminieren“, sagt Jekel. Deshalb sei es wichtig, auch an die Quellen heranzugehen. Das beginne damit, den Gebrauch von Medikamenten möglichst gering zu halten oder bestimmte Substanzen ganz zu verbannen. Auch bei der Entsorgung sind die Verbraucher gefragt: „Medikamente gehören nicht in den Abfluss sondern in den Hausmüll“, betont Stephan Natz, Sprecher der Wasserbetriebe.