Flüchtlingskrise

Bahn stellt ungenutzte Gebäude für Flüchtlinge bereit

Die Bahn stellt 20 leerstehende Gebäude bundesweit für die Aufnahme von Flüchtlingen zur Verfügung, teilte Bahnchef Rüdiger Grube mit.

Rüdiger Grube , Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG

Rüdiger Grube , Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG

Foto: Marco Kneise / Thueringer Allgem / WAZ FotoPool

Die Deutsche Bahn stellt als Sofortmaßnahme zur Aufnahme von Flüchtlingen bundesweit 20 nicht genutzte Immobilien zur Verfügung. Darunter seien auch mehrere Standorte in Berlin, sagte Bahn-Vorstand Rüdiger Grube am Montagvormittag in Berlin. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, schnell und unbürokratisch zu helfen.“ Zusätzlich zu den bereits angebotenen Gebäuden würden weitere Immobilien als Unterkünfte für Flüchtlinge geprüft, diese ebenfalls auch in Berlin.

Grube betonte, die Deutsche Bahn habe den Ansturm der Flüchtlinge bisher gut bewältigt, auch wenn aufgrund des großen Andrangs der Zugverkehr zwischen Österreich und Deutschland am Sonntag vorübergehend eingestellt wurde. Seit Montagmorgen führen die Züge wieder, so Grube.

„Wir haben bisher 82.000 Flüchtlinge in unseren Zügen befördert.“ Die Organisation habe gut funktioniert. „Das trifft sowohl auf die Zügen zu als auch zum Beispiel auf den Hauptbahnhof München.“ Dort seien im Reisezentrum eigens zwei Schalter mir arabisch sprechenden Mitarbeitern besetzt worden, in den Zügen seien außerdem Flugblätter ausgelegt worden, „auch auf arabisch“. Grube sagte, er sei stolz auf sein Unternehmen „und auf das, was unsere Mitarbeiter in diesen Tagen zusätzlich leisten“.

Vorlesekoffer für Willkommensklassen

Grube nannte die Aufnahme der Flüchtlinge eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Am Montagvormittag besuchte der Konzernchef eine Willkommensklasse für Flüchtlingskinder in Berlin-Charlottenburg. Die Deutsche Bahn Stiftung, deren Beiratsvorsitzender Grube ist, stattet deutschlandweit 100 Willkommensklassen mit Vorlesekoffern aus. Darin sind Bücher, die gemeinsam mit der Stiftung Lesen speziell für Schulkinder ohne Deutschkenntnisse entwickelt wurden.

Darüber hinaus will die Bahn-Stiftung die Kinder auch langfristig begleiten, kündigte Grube an, „damit wir herausfinden, welchen Bedarf es gibt, damit diese Kinder einen guten Start in Deutschland haben.“

Kinder von Flüchtlingen „eine Bereicherung für die Schule“

In den Charlottenburger Willkommensklassen lernen je zwölf Kinder ohne Deutschkenntnisse bis zu einem Jahr gemeinsam, bis sie am Regelunterricht teilnehmen können. Die Mierendorff-Grundschule hat drei solcher Klassen, eine vierte ist geplant, so Schulleiterin Carola Melchert-Arlt. Die Schüler im Alter zwischen fünfeinhalb und zwölf Jahren seien extrem motiviert und erfolgreich im Lernen. „Sie sind eine Bereicherung für die Schule und keinesfalls ein Hindernis.“