Berlin

Freies Internet kommt – allerdings nicht für alle

Der Senat werkelt seit Jahren am freien Internetzugang für Berlin. Jetzt werden die ersten Sender aufgebaut.

Nach quälenden sieben Jahren Verwaltungsirrsinn nimmt das Projekt des landeseigenen kostenlosen WLAN-Angebots Formen an. „Wir werden im Oktober mit der Installation der Sendemasten beginnen“, sagte der Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning.

Mit der Firma abl social federation aus Fürth, die als Sieger aus der Ausschreibung hervorgegangen war, seien nur noch letzte Vertragsdetails zu klären. In einer ersten Runde sollen 160 Standorte bis Ende des Jahres mit Antennen ausgerüstet sein. Insgesamt sollen 650 WLAN-Stationen im Innenstadtgebiet aufgestellt werden.

Gespräche über die genaue Position der Sende-Antennen

In einer Art Pilotverfahren soll das Rote Rathaus einer der ersten Standorte sein. „Zusammen mit dem Denkmalschutz verhandeln wir gerade über die genaue Positionierung der WLAN-Antennen“, sagt Böhning. Um die Gesamterscheinung des Roten Rathauses nicht zu zerstören, sind rot eingefärbte Antennen vorgesehen, die an den Wänden des Rathauses installiert werden sollen.

Andere Standorte sollen dann nach diesem Vorbild folgen. Gedacht ist an Gebäude, die im Besitz der Stadt sind, zum Beispiel Bürgerämter, Bibliotheken, Rathäuser. Um die dort installierten Router der Firma Cisco soll in Entfernung von maximal 250 Metern freier Internetzugang mit Mobilgeräten möglich sein.

Flächendeckend ausgeleuchtet mit dem drahtlosen Netz wird die Stadt nicht. Dafür wären mehrere 1000 Hotspots nötig. Die Linke spricht deshalb von einem „Miniaturnetz“.

Allenfalls an einigen Orten ist es denkbar, dass sich Mobiltelefone ohne Unterbrechung von einem Router zum nächsten hangeln. Die Piraten kritisieren, dass es nicht gelungen sei, eine übergreifende Plattform zu schaffen, bei der mehrere Anbieter zusammenwirken.

Der Zugang wird gratis sein und sich über Werbeclips finanzieren

Der Zugang wird in jedem Falle gratis sein. Finanzieren soll sich das Angebot über Werbeclips, die aber höchstens zehn Sekunden dauern sollen. Das Datenvolumen und die Nutzungszeit sollen im Grundsatz unbegrenzt sein.

Allerdings ist es nach Angaben von abl social federation möglich, bei zu starker Nachfrage die Geschwindigkeit der Datenübertragung zu drosseln. Dann seien noch WhatsApp-Nachrichten möglich, aber keine Videostreams. Ursprünglich strebte der Senat an, dass sich Nutzer mit ihrer E-Mail-Adresse anmelden müssen, ehe die Verbindung freigegeben wird.

Das Unternehmen werde auf eine solche Registrierung verzichten, sagte Böhning. User müssen nur die Geschäftsbedingungen mit einem Klick akzeptieren.

Land Berlin zahlt 178.000 Euro an den Betreiber

Neben dem Denkmalschutz sind für den weiteren Ausbau des Netzes Verhandlungen mit dem landeseigenen IT-Dienstleister ITDZ nötig, dessen Leitungen für die Stromversorgung angezapft werden müssen. Der Vertrag mit dem fränkischen Unternehmen gilt zunächst zwei Jahre, mit einer Verlängerungsoption für beide Seiten.

Damit scheint ein jahrelanger Kampf um das Einrichten eines freien WLAN-Netzes in Berlin doch noch gewonnen. 178.000 Euro zahlt das Land an die künftigen Betreiber, die zusätzlich über Werbeeinnahmen ihre Kosten wieder hereinholen sollen.

Zusätzlich können die Bezirke auf eigene Rechnung weitere Funkmasten, zum Beispiel für ihre Rathäuser, bestellen. Einige Nachfragen, sowohl innerhalb der Rathäuser als auch im Umfeld WLAN anzubieten, sollen bereits bestehen.

Für ein stadtweites Netz wären 5000 WLAN-Hotspots nötig

Bislang sind drei Versuche gescheitert, ein stadtweites WLAN-Netz in Berlin aufzubauen. Dafür müssten nach Angaben der Berliner Verwaltung rund 5000 WLAN-Hotspots aufgebaut werden, damit das Netz innerhalb des S-Bahnringes möglich wird. Bereits vor sieben Jahren hatte der Senat das Vorhaben für eine kostenlose Internetnutzung beschlossen.

Der damalige Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) konnte sein Vorhaben jedoch nicht durchsetzen. Die Verwaltung für Stadtentwicklung verhinderte, Ampeln und denkmalgeschützte Häuser mit WLAN-Antennen auszustatten. Im aktuellen Versuch ist nicht vorgesehen, Antennen auf Ampeln zu installieren.

In vorherigen Ausschreibungen hatten sich viele Firmen über die Vorgaben des Senates geärgert und waren ausgestiegen. Der Stadtmöblierer Wall, der um den Kurfürstendamm ein WLAN-Netz aufgebaut hat, zeigte sich ebenfalls verwundert, dass der Senat nicht mit dem Unternehmen zusammenarbeiten wollte.

Bei der letzten Ausschreibung hatte sich Wall allerdings nicht mehr beteiligt. Zuletzt wollte der Senat mit mehreren Anbietern eine Plattform schaffen, mit der Internetnutzer in der Innenstadt kostenfrei im Internet surfen können.

In anderen Städten gibt es kostenloses Surfen schon

„WLAN“ steht für „Wireless Local Area Network“, also „kabelloses, lokales Netzwerk“. Dies meint ein lokales Funknetz, das es ermöglicht, kabel- und kostenlos im Internet zu surfen. Um es einzurichten, sind der Verwaltung zufolge rund 5000 Funksender nötig, damit das kostenlose Surfen innerhalb des S-Bahnringes flächendeckend möglich wird.

Solche Angebote bestehen in Heidelberg und im Ruhrgebiet. In Unna hat die Stadtverwaltung in den Bussen des öffentlichen Nahverkehrs WLAN-Antennen eingerichtet.