Schule

TÜV warnt vor Schadstoffen in Klassenräumen

Neue Schulräume sind nach TÜV-Angaben oft schadstoffbelastet. Eltern und Lehrer fordern deshalb jetzt Messungen vor der Freigabe.

Kinder sind in Klassenräumen oft über lange Zeit Schadstoffen ausgesetzt. Das kann zu chronischen Krankheiten führen

Kinder sind in Klassenräumen oft über lange Zeit Schadstoffen ausgesetzt. Das kann zu chronischen Krankheiten führen

Foto: dpa Picture-Alliance / Michelle Fraikin / picture alliance / Westend61

Die Wahrscheinlichkeit, dass im Klassenzimmer Gefahren durch Schadstoffe lauern, ist vor allem nach Sanierungen oder Neubau von Schulen hoch. Das teilte der TÜV Rheinland am Donnerstag mit. Besonders in Berlin, wo derzeit viele Zusatzbauten wegen der wachsenden Schülerzahl errichtet werden, sei Vorsicht geboten, sagte Walter Dormagen, Schadstoffexperte vom TÜV Rheinland.

Grund für die Warnung ist eine Studie, die der TÜV gemeinsam mit dem Sentinel Haus Institut durchgeführt hat. In dem Projekt wurden zwei identische Klassenzimmer aufgebaut, das eine mit konventionellen Baustoffen und Möbeln und das andere nur mit schadstoffgeprüften Produkten. In dem konventionellen Klassenzimmer lagen die Messwerte der Schadstoffe in der Luft mit 81.161 Mikrogramm pro Kubikmeter um ein Vielfaches über den Richtwerten, die laut Empfehlung des Bundesumweltamtes vertretbar sind. Schon bei einem Wert von 25.000 Mikrogramm je Kubikmeter ist nach den Empfehlungen die Nutzung des Raumes zu unterlassen.

Angesichts dieser Ergebnisse fordern die Lehrergewerkschaft GEW und der Landeselternausschuss nach jeder Renovierung oder in jedem Neubau für Schulen eine Freigabemessung durchzuführen, bevor Kinder und Lehrer in die Räume gelassen werden.

Kopfschmerzen und Übelkeit

„Die austretenden Schadstoffe aus den Möbeln oder Farben können Atemwegserkrankungen, Kopfschmerzen oder Übelkeit auslösen“, sagt TÜV-Experte Dormagen. Häufig werde allerdings ein Zusammenhang mit der Raumluft bei diesen Beschwerden viel zu spät erkannt. Gerade Zusatzbauten, die nicht zertifiziert sind, könnten hoch belastet sein.

Denn anders als bei Steinhäusern würden hier Holzwerkstoffe verwendet, und auch die Lackierung der Metallständer berge mögliche Gefahren. Unabhängig von der Hülle müsse beim Innenausbau genau auf die genutzten Produkte geachtet werden. Das Modellprojekt habe gezeigt, dass eine gesunde Bauweise nur um zwei Prozent teurer sei, doch häufig fehle einfach die Kompetenz.

Auch Nuri Kiefer, Direktor der Hannah-Höch-Schule in Reinickendorf und Leiter des Bereichs Schule in der GEW, betont, dass Schulleiter mit den Ausschreibungen solcher Arbeiten überfordert seien. Zwar gebe es jetzt ein Budget von bis zu 20.000 Euro, die jede Schule eigenständig auch für die Gestaltung der Klassenräume ausgeben kann, doch häufig fehle das Wissen, worauf zu achten sei.

Eltern arbeitenin Eigeninitiative

Kiefer fordert eine Beratungsstelle in den Bezirken, die Ansprechpartner für solche Fragen hat. Dies unterstützen auch die Elternvertreter. „Nicht selten gestalten Eltern in Eigeninitiative die Klassenzimmer ihrer Kinder. Doch dabei können auch viele Fehler gemacht werden“, sagt Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Eine Anlaufstelle in den Bezirken sei wichtig, weil eine Schadstoffbelastung zu chronischen Erkrankungen führen könne.