Morgenpost-Ratgeber

Heizkosten: Warum mehr bezahlen, wenn weniger geheizt wurde?

Es kann tatsächlich passieren, dass die Abrechnung höher ausfällt, obwohl der Winter mild ausfiel. Genaue Kostenkontrolle ist immer wichtig

Es lohnt  sich, jede neue Betriebskostenabrechnung mit ein bis zwei vorherigen zu vergleichen. So fallen ungewöhnliche Veränderungen auf. Die Hausverwaltung muss diese schriftlich begründen oder auf Nachfrage Auskunft geben

Es lohnt sich, jede neue Betriebskostenabrechnung mit ein bis zwei vorherigen zu vergleichen. So fallen ungewöhnliche Veränderungen auf. Die Hausverwaltung muss diese schriftlich begründen oder auf Nachfrage Auskunft geben

Foto: Jens Kalaene / dpa

Dominik R., Charlottenburg: Ich wundere mich über die Heizkostenabrechnung des Hauseigentümers. Die Kosten werden nach dem Schlüssel 30 Prozent Grundkosten/70 Prozent Eigenverbrauch ermittelt. 2014 habe ich 22 Prozent weniger verbraucht als 2013, aber meine Heizkosten sind um zehn Prozent gestiegen. Allein an den Mehrkosten für das Heizöl, die 8,5 Prozent betrugen, kann das nicht liegen. Zudem frage ich mich, ob die Hausverwaltung eine Heizöllieferung von Mitte Dezember 2013 erst im Januar 2014 in Rechnung stellen darf.

Carsten Brückner: „Die in Höhe von etwa zehn Prozent festgestellten Mehrkosten im Abrechnungszeitraum können viele Gründe haben. Die Kostensteigerung lässt sich ermitteln, indem Sie die beiden letzten Heizkostenabrechnungen miteinander Punkt für Punkt vergleichen. So erkennen Sie, an welchen Punkten eine Veränderung der Teilkosten (Verringerung/Erhöhung) stattgefunden hat. Bei den Punkten mit einer Erhöhung der Kosten kann – sollte keine entsprechende Erläuterung seitens des Vermieters beigefügt sein – nachgefragt werden, worauf die Steigerungen beruhen. Möglicherweise sind die Preise der Dienstleister (Brennstoff, Ablesung und Abrechnung etc.) angehoben worden.

Anhand der dann zusammengestellten Informationen lässt sich klären, inwieweit bei einem im Vergleich zum vorangegangenen Abrechnungszeitraum geringerer Verbrauch zu möglichen Mehrkosten geführt hat. Dabei ist auch zu berücksichtigen, dass nicht nur die Veränderung der Zahlen und Werte zum vorangegangenen Abrechnungszeitraum entscheidend ist, sondern auch das Verhältnis des Verbrauchsergebnisses Ihrer eigenen Wohnung im Verhältnis zu den übrigen Wohnungen.

Wenn die anderen noch deutlich weniger geheizt haben, wird es für einen selbst teurer

Es ist, zugegeben, etwas komplex: Haben Sie zwar (im Vergleich zum Vorjahr) einen geringeren Verbrauch, aber im Vergleich zu den übrigen Mietern erheblich „weniger weniger“ (und das ist kein Tippfehler) verbraucht als die anderen, kann das zu einer Kostensteigerung führen. In anderen Worten: Sie zahlen mehr, wenn die Mitbewohner des Hauses ihren Verbrauch noch deutlich weiter senken konnten als Sie selbst.

Der Umstand, dass eine Lieferung von Heizöl Mitte Dezember 2013 erst am 1.1.2014 in Rechnung gestellt wurde, hat keine Auswirkungen, wenn man die Vorgaben des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Erstellung einer Heizkostenabrechnung anwendet. In Ihrem Fall werden 70 Prozent der Gesamtkosten nach dem durch ein Abrechnungsunternehmen festgestellten individuellen Verbrauch umgelegt.

Hiermit kommt der Vermieter der von der Heizkostenverordnung aufgestellten Forderung der teilweise verbrauchsabhängigen Kostenumlage nach. Um diese Vorgabe auch voll zu erfüllen, hat der BGH Folgendes erklärt: Der Vermieter kann zwar grundsätzlich nach dem „Abflussprinzip“ abrechnen, also Ausgaben in dem Jahr ansetzen, in dem er sie geleistet hat. Das wird aber durch die Regelungen der Heizkostenverordnung „verdrängt“.

Nur der tatsächliche Verbrauch im Kalenderjahr geht in die Abrechnung ein

Das bedeutet: Der Vermieter ist bei der Erstellung der Heizkostenabrechnung gezwungen, nur die Kosten anhand des zu Beginn des Abrechnungszeitraums ermittelten Anfangsbestandes und anhand des zum Ende des Zeitraums ermittelten Endbestandes festzulegen. Nur der so festgestellte tatsächliche Verbrauch fließt als Kostenposition in die Heizkostenabrechnung ein.

Es kommt daher nicht darauf an, wann eine im Abrechnungszeitraum stattgefundene Brennstofflieferung in Rechnung gestellt wird. Bei der Abrechnung ist ausschließlich der Verbrauch maßgebend und nicht der Zeitpunkt des Rechnungsausgleichs. Anhand dieser Überlegungen sollten sie die Heizkostenabrechnung nochmals einer kritischen Prüfung unterziehen. Bleiben Fragen offen, sollten Sie diese an den Vermieter richten, er muss sie beantworten.“

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