Berlin

Saudiarabische Mediziner lernen an der Berliner Charité

Die Berliner Charité wird Ärzte aus Saudi-Arabien weiterbilden. Am Dienstag haben, wie jetzt bekannt wurde, das Bildungsministerium des Königreiches und die Universitätsklinik einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Laut Vereinbarung werden pro Jahr zehn bis 15 Stipendiaten nach Berlin kommen. Hintergrund ist der stark wachsende Bedarf an Fachärzten in dem Land, das sein Gesundheitssystem mit Hochdruck ausbaut. Darüber hinaus soll langfristig auch der fachliche Austausch zwischen Saudi-Arabien und der Charité gestärkt werden, sagt Joachim Seybold, Programmverantwortlicher und stellvertretender Ärztlicher Direktor der Charité.

Gäste absolvieren zu Beginn ein Sprachstudium

Die Klinik hat für das Projekt ein eigenes Programm entwickelt. Zunächst wird jeder Gast ein Jahr lang ein Sprachstudium an der Uni-Klinik absolvieren. Das ist an diagnostischen und therapeutischen Bedürfnissen ausgerichtet – schließlich sollen die Ärzte keine Literaturstudien betreiben, sondern medizinische Fachkenntnisse erwerben. Schon in dieser Phase kooperieren die Mediziner eng mit der Klinik.

Die Fortbildung dauert fünf bis sechs Jahre. Am Ende steht die Abschlussprüfung der Ärztekammer Berlin. Ausgewählt werden die Mediziner von einer Kommission, die aus Mitarbeitern der Charité und Vertretern des saudischen Staates besteht. Aus Sicht der Charité ist das Verfahren streng. „Die an der Charité ausgebildeten Fachärzte sind für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens in Saudi-Arabien ein großer Gewinn“, sagt der saudische Botschafter, Professor Ossama Abdulmajed Ali Shobokshi, der selbst Mediziner mit einem deutschen Facharzttitel und ehemaliger Gesundheitsminister seines Landes ist. „Zur Behandlung von Kranken und zum Aufbau neuer Strukturen benötigen wir dringend Fachpersonal mit sehr guten Kenntnissen.“

Die Bundesregierung hat am Zustandekommen des Vertrages mitgewirkt, sagt Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium. Der Kooperationsvertrag wurde geschlossen vor dem Hintergrund, dass Saudi-Arabien sein Gesundheitssystem kräftig ausbaut. Allein im vergangenen Jahr wurden 26 neue Krankenhäuser eingeweiht, 117 weitere sind im Bau. Entsprechend hoch ist der Bedarf an neuen Fachärzten. Die Kapazitäten zur Fortbildung im Land selbst sind begrenzt – Europas größte Universitätsklinik soll mithelfen, den Bedarf zu decken.