Berlin

Elf Hochhäuser müsst ihr sein

Neuer Masterplan: StararchitektHans Kollhoff will am Alexanderplatz noch mehr Türme bauen

Damit hatte wohl niemand gerechnet. Weil auch nach mehr als 20 Jahren noch immer keines der im Masterplan für den Alexanderplatz in Mitte vorgesehenen Hochhäuser errichtet wurde, hatte das Berliner Abgeordnetenhaus 2014 beschlossen, die Planungen im Rahmen eines Dialogverfahrens mit Bürgerbeteiligung überprüfen zu lassen. Zum Auftakt des Verfahrens stellte der Architekt Hans Kollhoff nun seinen überarbeiteten Masterplan vor. Doch wer damit gerechnet hatte, dass der Architekt durch das mangelnde Investoreninteresse und die wachsende überparteiliche Kritik an seinen ehrgeizigen Turmplänen entmutigt worden sei, konnte sich eines besseren belehren lassen. Statt weniger sollen es nun sogar noch mehr werden. Insgesamt, so der Architekt, sei in der City Ost Platz für elf 150-Meter-Türme.

"Das werden wir noch hinkriegen", versicherte Kollhoff. "Beim Potsdamer Platz ist es mit der Nachwendeenergie noch schnell gegangen, beim Alexanderplatz dauert es eben alles etwas länger", sagte der Architekt der Berliner Morgenpost. Zehn 150 Meter hohe Türme hatten Kollhoff und seine Kollegin Helga Timmermann ursprünglich in ihrem Entwurf geplant. Doch die Bedingungen für das Areal haben sich seit den Planungen von 1993 deutlich geändert: So wurden erst in diesem Juli das Haus des Reisens und das Haus des Berliner Verlags unter Denkmalschutz gestellt. Damit ist ein Abriss dieser Gebäude kein Thema mehr – und vorerst für zwei der genau dort von Kollhoff geplanten Hochhäuser auch kein Platz.

"Park Inn-Hotel" soll nun doch nicht abgerissen werden

"Doch der Denkmalschutz bedeutet ja nicht, dass wir auf Hochhäuser verzichten müssen", sagte Kollhoff. Lediglich die Positionierung müsse neu bedacht werden. Auf den Abriss der denkmalgeschützten Gebäude will Kollhoff nun verzichten, auch das 128 Meter hohe "Park Inn-Hotel" soll stehen bleiben. Wie der neue Alexanderplatz mit seinen nun elf geplanten Hochhäusern aussehen könnte, präsentierte er anhand einer Grafik (siehe Bild), die die Perspektive vom Alexanderplatz in Richtung Haus des Reisens zeigt. "Dabei handelt es sich lediglich um einen städtebaulichen Entwurf, nicht um die konkrete Gestaltung der Häuser", so Kollhoff. Die neuen Hochhäuser sollen nach seinem Vorschlag nun zum Teil hinter den bestehenden Gebäuden entstehen. Das elfte Hochhaus ist an der Ecke Karl-Marx-Allee und Otto-Braun-Straße vorgesehen, neben dem zum Abriss vorgesehenen ehemaligen Haus der Statistik. Abreißen möchte Kollhoff auch einen Wohnblock an der Ecke Memhardstraße und Karl-Liebknecht-Straße. Den umstrittenen Abriss eines Wohnhauses, das zudem noch der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WBM gehört, zu einer Zeit, in der viele Menschen händeringend eine bezahlbare Unterkunft innerhalb des S-Bahnringes suchen, verteidigte der 68-Jährige: "Die Substanz des Wohnhauses ist ohnehin schlecht, die Frage stellt sich ohnehin, was man damit machen soll." Das Haus solle ja auch nicht in naher Zukunft weichen. "Ich habe die Hoffnung, dass zum Ausgleich bis dahin neue Wohnungen mit sozialverträglichen Mieten geschaffen werden", sagte der Architekt.

Zwei Drittel der Gebäude sollen in fünf Jahren fertig sein

Von den elf Hochhäusern würden zwei Drittel in fünf Jahren realisiert sein, gab sich Kollhoff gegenüber den rund 100 Bürgern, die am Dienstag zur Auftaktveranstaltung gekommen waren, optimistisch. Nach wie vor gibt es jedoch nur zwei konkrete Pläne für Hochhäuser am Alexanderplatz. So will der russische Projektentwickler MonArch einen Turm mit einer Höhe von 150 Metern direkt neben dem Einkaufszentrum Alexa bauen. Fertig werden soll er nach den bislang bekannt gewordenen Plänen Ende 2018. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Vorhaben der Russen hat das amerikanische Unternehmen Hines den Bau eines ebenfalls 150 Meter hohen Wohnturms angekündigt.

Kritisch äußerte sich vor allem die Opposition zu Kollhoffs Wiedervorlage. Sie sei enttäuscht, sagte die Baupolitikerin Katrin Lompscher (Linke). Der Architekt setze sich über die "auf dem Alex präsente DDR-Moderne" hinweg. Mit seinen Plänen für neue Türme neben dem Haus des Berliner Verlags und dem Haus des Reisens wolle Kollhoff die beiden Gebäude in den Schatten von Neubauten stellen. Sie sei skeptisch, dass damit der Stillstand überwunden werden könne.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung will dem Parlament im Sommer 2016 eine Beschlussvorlage präsentieren. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sagte am Dienstag sie sei optimistisch, dass noch in dieser Legislaturperiode der modifizierte Masterplan beschlossen werde. Allerdings gebe es noch einigen Diskussionsbedarf, so Lüscher. Dies gelte insbesondere für den Bau eines 150 Meter hohen Turmes hinter dem Haus des Reisens. "Es knirscht beim Denkmalschutz", sagte Lüscher der Berliner Morgenpost.

Den Denkmalschutz sieht Kollhoff jedoch kritisch. "Das muss unter städtebaulicher Sicht zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden", sagte der Planer. "Erste Priorität, und daran halten wir auch fest, hat die enge Fassung des Alexanderplatzes als Freiraum, der den Fußgängern vorbehalten ist", sagte Kollhoff und betonte, der Bürgerdialog sei kein Verfahren mit offenem Ergebnis. Die Eigentümer hätten Baurecht, das sie auch durchsetzen wollten.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.