Schulen in Berlin

Neue Software soll Planungschaos der Schulen klären

Wie viele Schüler derzeit an Berlins Schulen lernen, weiß die Bildungsverwaltung immer noch nicht. Eine hessische Software soll helfen.

Stoppte die Schülerdatei vorläufig: Senatorin Sandra Scheeres (SPD)

Stoppte die Schülerdatei vorläufig: Senatorin Sandra Scheeres (SPD)

Foto: imago/IPON

Die Bildungsverwaltung weiß auch nach Beginn des neuen Schuljahres noch nicht, wie viele Schüler genau an den Schulen lernen. Der Grund dafür: Es gibt noch immer keine zentrale Schülerdatei. Dabei sollte das einheitliche IT-System für alle Schulen schon seit Ende 2011 laufen.

Doch vor den Sommerferien hatte die Senatsverwaltung die Notbremse gezogen und das Projekt eGovernment@school vorläufig gestoppt. Hauptproblem war die Installation der dezentralen Server an den Schulen, denn die hätten in speziell abgesicherten Räumen stehen müssen.

Neustart steht fest

Nun steht fest, wie der Neustart aussehen soll. Die Senatsschulverwaltung hat sich nach eigenen Angaben für ein webbasiertes System mit einem zentralen Server im IT Dienstleistungszentrum Berlin entschieden. Dadurch kann auf Server-Räume an den Schulen verzichtet werden. Die Software will die Senatsverwaltung Hessen abkaufen, wo das System seit 2009 erfolgreich läuft.

Noch im September soll möglichst der Vertrag mit dem Kultusministerium in Hessen abgeschlossen werden, teilte die Senatsschulverwaltung am Dienstag mit. Dann müsse eine Ausschreibung erfolgen, um die Software an die Berliner Verhältnisse anzupassen. Schließlich gebe es hier andere Schularten, andere Schulfächer und auch andere Zeugnisse.

Experten gehen davon aus, dass diese Anpassung etwa ein Jahr dauert. Vom Schuljahr 2017/18 an könnten die Schulen dann mit dem System arbeiten. Etwa 1,9 Millionen Euro müsse Berlin an Hessen für das Managementsystem mit dem Namen LUSD (Lehrer- und Schülerdatenbank) zahlen. Hinzu kämen die Kosten für das Dienstleistungszentrum und für die Überarbeitung der Software.

Kostengünstigere Variante

Insgesamt ist die neue Variante jedoch wesentlich kostengünstiger als die alte. Seit Jahren hatte der Rechnungshof das Projekt kritisch begleitet. 37 Millionen Euro hat Berlin schon für eGovernment@school ausgegeben, unter anderem für die Installationen an den Schulen, für Software, Beratungsleistungen, PCs und Schulungen. Allein für 16 Millionen Euro wurden die Hochleistungsserver und andere Hardware angeschafft. Sie könnten nun für Unterrichtszwecke eingesetzt werden.

Eigentlich sollte die Entscheidung für ein neues System schon vor einem Jahr fallen. Die Verwaltung begründet die lange Dauer damit, dass zunächst verschiedene Machbarkeitstests durchgeführt werden mussten, bevor man sich für eine Software entschied. Offenbar wollte Berlin eine erneute Pleite um jeden Preis vermeiden.

Zur Debatte stand neben Hessen auch das Brandenburger System. Der Vorteil: Damit wäre eine bessere Vernetzung der beiden benachbarten Bundesländer möglich gewesen. Doch in der Brandenburger Datenbank würden Mehrfachbewerbungen von Schülern nicht so gut erkannt, wie durch die hessische Software.

Schülerzahlen erst im November

Nun muss Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) noch den Hauptausschuss im Abgeordnetenhaus von den neuen Plänen überzeugen. Denn die finanziellen Mittel, die im Doppelhaushalt für das IT-Projekt vorgesehen sind, sind vorläufig gesperrt und können nur mit Zustimmung des Hauptausschusses freigegeben werden.

„Wir haben da noch einige Fragen zu den Kosten und zum Zeitrahmen“, sagt Stefanie Remlinger, bildungspolitische Sprecherin der Grünen. Besonders ärgerlich sei aber, dass man die Software von Hessen schon vor Jahren hätte haben können. „In Fragen der Digitalisierung muss nicht jedes Bundesland die Welt neu erfinden. Es ist frustrierend, wie viel Geld dadurch in den Sand gesetzt worden ist“, sagt Remlinger.

Angeschoben hatte das Projekt eGovernment@school der ehemalige Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). Der hatte sich erhofft, durch die zentrale Schülerdatei das Planungschaos zum Schuljahresbeginn in den Griff zu bekommen. In diesem Jahr muss die Verwaltung nun wieder die Daten aller Schulen abfragen. Erst im November steht fest, ob die Prognosen stimmen oder ob noch Stellen nachbesetzt werden müssen.

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