Sexting

Schüler muss wegen intimer WhatsApp-Fotos Strafe zahlen

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Matthias Steube

Ein Schüler aus Berlin muss seiner Ex Schmerzensgeld zahlen, weil er intime Fotos von ihr per Whatsapp verbreitet hat.

Er wollte immer wieder intime Fotos von seiner damls 13-jährigen Freundin haben. Doch statt die Bilder für sich zu behalten, schickte er die Fotos mit Whatsapp seinen Freunden. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat der Gymnasiastin nun wegen des Sextings einen Anspruch auf Schadenersatz von 1000 Euro zuerkannt (239 C 225/14). Das berichtet die Rechtsanwaltskanzlei Werdermann/von Rüden, die die Klägerin vertreten hatte. Bereits im Januar hatte es dazu eine mündliche Verhandlung gegeben.

Beide Seiten haben sich nach Auskunft der Anwälte des Mädchens darauf geeinigt, dass der Gymnasiast nur 500 Euro zahlen solle, wenn er denn bis Ende dieses Jahres nachweisen könne, dass er das Geld durch eigene Arbeit verdient hat. Nach Auskunft der Rechtsanwaltskanzlei hat der Gymnasiast den Betrag auch schon bezahlt. Zudem muss der Schüler die Anwaltskosten seiner Ex-Freundin in Höhe von 837 Euro übernehmen.

Strafrechtlich hat der Schüler nichts zu befürchten, weil er zum Tatzeitpunkt im vergangenen Jahr erst 13 Jahre alt war.

Entschädigung unabweisbar

Das Gericht hatte zur Begründung erklärt: „Die Weiterverbreitung der Bilder durch den Beklagten macht aufgrund der einschneidenden Wirkung auf die Lebensführung und die Entwicklung der jugendlichen Klägerin eine Entschädigung in Geld zur Genugtuung unabweisbar.“ Und: Der seinerzeit 13-jährige Beklagte sei aufgrund der allgemeinen Erfahrungen von Jugendlichen im Umgang mit sozialen Netzwerken, Medien und deren Gefahren „deliktsrechtlich voll einsichtsfähig“.

Die Weitergabe der Bilder bewertete das Gericht als Beeinträchtigung der Klägerin. Sie habe sich dadurch an den Pranger gestellt fühlen müssen und dürfte die Situation insgesamt als ausgesprochen peinlich empfunden haben“. Darüber hinaus sei die Situation dazu geeignet, „die ungestörte sexuelle und persönliche Entwicklung der Klägerin zu beeinträchtigen“.

Nur ein kleiner Verteilerkreis

Das Gericht hielt dem Schüler zugute, dass „offenbar nur ein kleiner Verteilerkreis von mehreren, den Parteien bekannten Personen die Bilder zu Gesicht bekommen hat“. Eine weite Verbreitung in der Schule sei offenbar nicht erfolgt. „Zudem scheinen die Bilder derzeit überall gelöscht und kursieren nicht weiter“, so das Gericht.

Rechtsanwalt Johannes von Rüden von der Kanzlei Werdermann/von Rüden, der die Klägerin vertrat, warnte vor den Gefahren des sogenannten Sextings. „Wer solche Fotos versendet oder postet, kann nicht nur Opfer von Cyber-Mobbing werden, sondern kann schnell auch auf dem realen Schulhof gemobbt werden“, sagte der Berliner Rechtsanwalt.

Die wenigsten Mobbingopfer gingen dabei den Weg, dass sie Schmerzensgeld fordern. Sie scheuten den Gang zum Rechtsanwalt, den bürokratischen Aufwand und weil sie die Aufarbeitung der Taten scheuten.