Vereine

Sportbund fordert mehr Geld für Berlins Sportvereine

Trotz steigender Mitgliederzahlen sollen die Sportvereine weniger Zuschüsse vom Senat erhalten. Der Sportbund ist "enttäuscht".

Die Berliner Sportvereine fordern vom Land mehr Geld, um den Vereinssport in der Stadt weiter aufrecht erhalten zu können. „Wir sind vom Senat enttäuscht“, sagte der Direktor des Landessportbundes (LSB), Heiner Brand. Der LSB habe überrascht zur Kenntnis genommen, dass außer für die Schwimmbäder der Sport in den kommenden beiden Jahren nicht mehr sondern in vielen Bereichen sogar weniger Geld erhalten soll. „Wir fordern eine Vereinbarung mit dem Senat, die uns eine Minimalförderung garantiert“, sagte LSB-Präsident Klaus Böger.

Den Hintergrund für den Aufschrei des Sports bildet der Rückgang der Einnahmen aus dem Lottogeschäft. 25 Prozent der Einnahmen fallen an den Sport, doch die Einnahmen sinken seit Jahren. Erhielt der LSB im Jahr 2002 noch 10,7 Millionen Euro aus den Lottomitteln, so sind es dieses Jahr nur noch acht Millionen Euro. Im gleichen Zeitraum stieg die Mitgliederzahl jedoch von 537.000 auf 620.000. Dazu kommen noch rund eine halbe Million Berliner, die zwar regelmäßig Sport treiben, aber nicht in einem Verein organisiert sind.

„Wir sind mit 175.000 minderjährigen Mitgliedern die größte Kinder- und Jugendorganisation der Stadt und mit 60.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern die größte zivilgesellschaftliche Organisation der Stadt“, sagte Böger. „Wir wollen nur das, was wir benötigen, um auskömmlich hinzukommen.“

Neben einer langfristigen Grundfinanzierung, wie sie in allen 15 anderen Bundesländern festgeschrieben sei, fordert der LSB eine Erhöhung des Zuschusses für die Übungsleiter. „Die Zahl der Übungsleiter steigt, die Förderung sinkt“, beklagte der LSB-Präsident. Sollte das Land bei seinem Sparkurs bleiben, müsste der LSB Übungsleiter entlassen oder ihnen weniger als die 2,60 Euro je Stunde zahlen, die sie derzeit erhielten. Auch bei den Jugendtrainern müsse das Land drauflegen, damit die Trainer den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn in Höhe von 8,50 je Stunde erhalten könnten.

Großer Sanierungsstau

Handlungsbedarf sieht der Landessportbund auch bei den Sportstätten. Der Sanierungsbedarf liegt laut LSB bei rund 160 Millionen Euro, jährlich gibt das Land jedoch lediglich neun Millionen zur Instandhaltung maroder Sportanlagen. „Wir streben hier eine Verdoppelung an“, sagte Böger.

Eine verbesserte Instandsetzung der Sportanlagen ist auch aus Sicht des Berliner Fußballverbandes dringend geboten. Erstmals haben sich 3400 Mannschaften zum Spielbetrieb angemeldet. Aber schon davor klagten viele Fußballvereine über einen Mangel an Trainings- und Spielmöglichkeiten, sodass viele junge Kicker abgewiesen werden müssen. „Die Bezirke, die für die Sportstätten zuständig sind, müssten viel fordernder auftreten, mehr Geld für die Sanierung zu erhalten“, sagte der Präsident des Berliner Fußballverbandes, Bernd Schultz.

Auch nach dem Scheitern der Berliner Olympiabewerbung fordert der LSB den Senat auf, Zusagen einzuhalten. „Das kann ja nicht heißen, dass man den Alltag gering schätzt“, sagte Böger. Der Landessportbund ist eine der einflussreichsten Organisationen der Stadt. Die 620.000 Mitglieder sind in mehr als 2300 Sportvereinen organisiert. Mit 131 Bundesligamannschaften in fast allen Sportarten und 505 Athleten in Bundesleistungskadern ist Berlin die Sporthauptstadt Deutschlands. Darüber hinaus verfügt die Stadt in allen fünf großen Sportarten – Fußball, Handball, Basketball, Eishockey und Volleyball – über Mannschaften in der jeweils obersten Liga.

Sportverwaltung weist Vorwürfe zurück

Sinnvoll ist nach Auffassung des LSB die Aufstockung der Mittel für die Berliner Bäderbetriebe. Sie sollen in den kommenden beiden Jahren jeweils vier Millionen Euro mehr für den Betrieb und eine Million Euro mehr für die Sanierung erhalten. Insgesamt erhalten die Bäderbetriebe pro Jahr einen Zuschuss von rund 60 Millionen Euro.

Die Sportverwaltung wies die Vorwürfe am Montag zurück. „Es stehen 800.000 Euro für die Absicherung des Sporthaushalts zur Verfügung“, sagte Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski. Außerdem seien 200.000 Euro zusätzlich für die Bezahlung der Übungsleiter und Trainer vorgesehen. Für die Forderung nach einer dauerhaften Sicherstellung der Sportfinanzen „sehen wir keine Notwendigkeit“, so Statzkowski weiter. Das müsse das Parlament beschließen.

Wettsteuer kommt nicht an

Ursprünglich war geplant, die schwindenden Lottomittel für den Sport durch zusätzliches Geld von den privaten Wettanbietern auszugleichen. Fünf Prozent Sportwettsteuer werden beim Ausfüllen eines Wettscheins von Privatanbietern fällig. Das Geld wird zentral vom hessischen Finanzministerium eingesammelt und an die Bundesländer weitergeleitet. Fünf Millionen Euro flossen auf diesem Weg nach Berlin – doch beim Sportbund kam davon nichts an, so Böger.