Berlin

Bereitschaftsdienst der Ärzte bei täglich 300 Patienten

| Lesedauer: 2 Minuten

Es ist Freitagabend, das Fieber steigt, der Magen rebelliert. Wenn der Hausarzt Feierabend hat, ist das ein Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst, nicht aber für den Rettungswagen: „Viele Menschen kennen den Unterschied zwischen Notarzt und Bereitschaftsarzt nicht und wählen auch in nicht lebensbedrohlichen Fällen 112“, sagte ein Sprecher der Berliner Feuerwehr.

Gerade bei Flüchtlingen müsse der Bereitschaftsdienst bundesweit bekannter werden, um „Bagatellanrufe“ unter 112 zu vermeiden, fordert der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Wolfram Hartmann. Wer mit den Strukturen nicht vertraut sei und keine medizinischen Anlaufstellen habe, rufe selbst mit einem vergleichsweise leicht kranken Kind den Rettungsdienst.

Von den rund 5000 Notrufen pro Tag in Berlin stelle sich durch die Fragen der Leitstelle etwa ein Viertel als Fall für den Notarzt heraus, schätzt die Feuerwehr. Für viele Patienten sei der Bereitschaftsdienst eigentlich ausreichend.

Viele Anrufe an Feiertagen

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV), die für den Bereitschaftsdienst zuständig ist, berichtet von jährlich 150.000 bis 160.000 Hausbesuchen in Berlin. Rund 300 Besuche seien es am Tag, dreimal so viele an Feiertagen, sagt Volker Wiggers, der dem Dienst vorsteht. Niedergelassene Ärzte leisten ihn nach KV-Angaben freiwillig und rund um die Uhr.

Nach KV-Zahlen verging im zweiten Quartal 2015 in 35 Prozent der Fälle eine Stunde, bis ein Arzt da war. Bei je einem Drittel sind es bis zu zwei beziehungsweise mehr als zwei Stunden. Jüngere Patienten mit Grippe müssten sich eher auf Wartezeiten einstellen als ältere mit „Herz-Kreislauf-Geschichten“. In Berlin ist der Dienst unter der Nummer 310031 oder der bundesweit gültigen Nummer 116117 erreichbar.

In Brandenburg wird die Organisation des ärztlichen Bereitschaftsdienstes zum Problem. „Die niedergelassenen Ärzte im Land behandeln heute 10 bis 15 Prozent mehr Patienten als der bundesdeutsche Durchschnitt“, sagt der Sprecher der KV Brandenburgs, Christian Wehry. Bundesweit kämen 1541 Einwohner auf einen Hausarzt, in Brandenburg seien es 1624 pro Mediziner.

( dpa )