Reinickendorf

Brandursache auf Gelände der Bonhoeffer-Nervenklinik unklar

In Wittenau hat es in einer Turnhalle gebrannt. Das Feuer brach aus ungeklärter Ursache in der Nähe einer Flüchtlingsunterkunft aus.

In Wittenau ist am Mittwochnachmittag ein Feuer in einer Turnhalle ausgebrochen. Zunächst hatte es geheißen, dass es sich um einen Waldbrand handelte. Die Feuerwehr bestätigte später, das eine Sporthalle auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Flammen stand. Rund 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Sie ließen die Halle kontrolliert abbrennen und schützten die umliegenden Gebäude.

Auf dem Gelände leben rund 900 Flüchtlinge in vier Häusern. Die Turnhalle ist 200 Meter entfernt. Eines der Gebäude musste vorsichtshalber geräumt werden, allerdings nur kurzzeitig. Niemand wurde verletzt.

Am Donnerstag begannen die Ermittlungen zur Brandursache. Gegenwärtig werden nach Polizeiangaben die Statik der Brandruine und die Schadstoffbelastung geprüft. Die Behörde hofft, im Laufe des Tages mit den Untersuchungen starten zu können. Nach Aussagen der Feuerwehr werde es erst im Laufe des Tages möglich sein, den Brandort zu betreten, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) dem Rundfunk Berlin-Brandenburg. Ob ein Brandanschlag verübt wurde oder ein technischer Defekt das Feuer auslöste, ist nach Behördenangaben bisher unklar.

Sozialsenator Mario Czaja hatte erst vor wenigen Tagen angekündigt, auf dem Gelände eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber einrichten zu wollen.

Czajas Sprecherin Regina Kneiding sagte der Berliner Morgenpost, die Halle "war und ist nicht als Flüchtlingsunterkunft vorgesehen".

Dem Heimbetreiber Prisod zufolge würden verschiedene Reinickendorfer Vereine die Turnhalle für ihre sportlichen Aktivitäten nutzen. Einmal wöchentlich sei dort Fußball mit Flüchtlingskindern gespielt worden. Es seien keine Personen zu Schaden gekommen.

Laut Feuerwehr würden an der Halle derzeit Umbauarbeiten stattfinden, sodass auch ein technischer Defekt nicht ausgeschlossen werden könne. Dies müssten aber letzlich die Untersuchungen der Polizei klären. Die Feuerwehr lässt die Halle kontrolliert abbrennen, da das Feuer nicht mehr zu löschen ist.

Staatsschutz nimmt Ermittlungen auf

Nach Angaben eines Polizeisprecheres werden Experten eines Brandkommissariats gemeinsam mit Beamten des Staatsschutzes die Ermittlungen aufnehmen. Die Ermittler halten sich bereits vor Ort auf. Ein Polizeisprecher stellte gegenüber der Berliner Morgenpost klar, die Anwesenheit des Staatsschutzes bedeute nicht, dass die Polizei von einer politisch motivierten Brandstiftung ausgehe. Sie seien vorsorglich hinzugezogen worden, so der Sprecher. Ermittelt werde zunächst in alle Richtungen, Brandstiftung komme ebenso in Betracht wie ein technischer Defekt.

Bei der Sporthalle handelt es sich nach übereinstimmender Aussage von Feuerwehr, Polizei und Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales um ein äußerst marodes Gebäude, dass nur noch gelegentlich genutzt werde. Die Feuerwehr hat deshalb bereits zu einem frühen Zeitpunkt entschieden, die Halle „kontrolliert“ abbrennen zu lassen. Die Löschkräfte waren hauptsächlich damit beschäftigt, ein Übergreifen der Flammen auf umliegende Baumbestände und Gestrüpp und von dort aus auf weitere Gebäude auf dem Gelände zu verhindern.

Der Abgeordnete Hakan Tas von der Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus sagte der Berliner Morgenpost auf Anfrage, dass er für Flüchtlingskinder in einer Turnhalle auf dem Gelände Sport angeboten hat. „Wir haben zusammen mit der Initiative „Reinickendorf hilft“ mit dem Klinik-Konzern Vivantes einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen, der uns die Nutzung erlaubt. Sollte die Sporthalle wirklich zerstört sein, dann stimmt mich das wirklich traurig“, sagte Tas.

Sommerfest für Flüchtlinge am Donnerstag geplant

Auf dem Gelände hatte am Donnerstag ein Sommerfest für und mit geflüchteten Menschen gefeiert werden sollen. Veranstalter war der Streetworkerverein Gangway e.V. in Kooperation mit der Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer. Das Fest sollte das Kennenlernen zwischen Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft mit der Nachbarschaft ermöglichen. Es musste aber nach dem Brand abgesagt werden.

Bislang ist unklar, ob das Feuer in einem Zusammenhang damit steht. In den vergangenen Tagen hatten Brandanschläge auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen bei Berlin und in Leipzig für Aufsehen gesorgt.

Grafik: Berliner Morgenpost Anschläge auf Flüchtlingsheime

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