Studie

Zu wenige Erzieher für Krippenkinder in Berlin

Bei der Betreuung von unter Dreijährigen schneidet Berlin schlechter ab als andere Bundesländer, bei älteren Kindern besser.

Bei der Betreung von Krippenkindern hat Berlin Nachholbedarf

Bei der Betreung von Krippenkindern hat Berlin Nachholbedarf

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Charisius / picture alliance / dpa

Berlin.  Die Betreuung von Krippenkindern ist in Berlin schlechter als im Bundesdurchschnitt, die Betreuung älterer Kinder dagegen besser als in anderen Bundesländern. Das ist das Ergebnis der aktuellen Bertelsmann-Studie zur Versorgungsqualität in den Kindertagesstätten und den Einrichtungen der Tagespflege. Demnach betreut ein Erzieher in Berlin 5,9 Krippenkinder und damit fast doppelt so viel wie von den Experten der Bertelsmann-Studie empfohlen. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 4,4 Kindern je Erzieher.

Der Betreuungsschlüssel bei den über Dreijährigen ist in Berlin dagegen mit durchschnittlich 8,8 Kindern je Erzieher besser als im Bundesdurchschnitt (1:9,5). Hier empfehlen die Bertelsmann-Experten einen Personalschlüssel von 7,5 Kindern je Erzieher.

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Der Untersuchung zufolge hat sich die Zahl der betreuten Kinder in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. So wird in Berlin derzeit fast jedes zweite Kind unter drei Jahren außerhalb des eigenen Haushaltes betreut (46 Prozent). Das ist eine etwas geringere Quote als in den ostdeutschen Bundesländern (52 Prozent), aber deutlich über dem Durchschnitt der westlichen Bundesländer (27 Prozent). „In Berlin bekommt man nicht immer direkt am Ort einen Krippenplatz und vielleicht nicht immer in der gewünschten Qualität, aber man bekommt einen Platz“, sagt Anette Stein von der Bertelsmann Stiftung. Von den westlichen Bundesländern reiche die Betreuungsquote nur in Hamburg an die Berlins heran.

Deutlich mehr Fachkräfte zur Kinderbetreuung

In ganz Deutschland hat sich die Zahl der Fachkräfte zur Kinderbetreuung stark erhöht. Im Vergleich zu 2006 wuchs die Zahl in Berlin um 56 Prozent auf rund 27.000 Fachkräfte an. Nur in Bayern (plus 75 Prozent) und in Baden-Württemberg (plus 64 Prozent) waren es mehr.

Besonders seit dem Jahr 2012 hat sich das Betreuungsangebot in ganz Deutschland verbessert. Seither gilt bundesweit der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz. So verbessert sich auch der Betreuungsschlüssel kontinuierlich, ohne allerdings die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung zu erreichen. Allein in Baden-Württemberg entspricht das Fachkraft-Kinder-Verhältnis fast den Vorgaben der Stiftung für eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung. Um die großen regionalen Unterschiede auszugleichen, fordern Bertelsmann Stiftung, Arbeiterwohlfahrt und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bundesweit einheitliche Standards für den Betreuungsschlüssel in Kindertagesstätten.

Kaum reine Krippengruppen

Die Berliner Senatsbildungsverwaltung weist die Kritik an der Krippenbetreuung zurück. „Die Zahlen bilden keine real vor Ort anzutreffende Situation ab, denn Berliner Kitas arbeiten zum allergrößten Teil nach dem Prinzip der Altersmischung, haben also nur wenige reine Krippengruppen“, sagte der Sprecher der Verwaltung, Ilja Koschembar, am Montag. Trotz dieser Unschärfen in der Darstellung sieht Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) beim U3-Betreuungsschlüssel noch Luft nach oben. In Kitas mit hohem Anteil an Kindern aus sozial schwachen Familien werde der Schlüssel in den kommenden beiden Jahren erhöht.

Die GEW vermutet dagegen, dass in Wahrheit das Betreuungsverhältnis noch schlechter sei als in der Studie dargestellt. In dem Personalschlüssel seien Ausfallzeiten, Zeiten für Elterngespräche und Fortbildung nicht berücksichtigt. „Wir beklagen in Berlin einen großen Fachkräftemangel, doch die Arbeitsbedingungen für Erzieher sind nicht attraktiv“, kritisierte der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann. Er forderte ein Qualitätsgesetz, in dem Personalschlüssel und Zeitbudgets für die pädagogische Arbeit festgeschrieben seien.

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