Berlin

Auf den Teller, nicht in den Müll

Eine Gruppe junger Berliner will Menüs aus überschüssigen Lebensmitteln kredenzen

Die Begeisterung ist unverkennbar, wenn Leoni Beckmann von ihrem Projekt erzählt: ein Restaurant, in dem die Gerichte aus Lebensmitteln zubereitet werden, die sonst im Mülleimer landen, weggekippt oder auf dem Acker liegenbleiben würden. "Wir kochen mit überschüssigen Lebensmitteln, die es nach unserer Ansicht verdient haben, auf dem Teller zu landen und nicht in der Tonne", sagt sie.

Gurken, die weder ein Supermarkt noch ein Kunde haben möchte, zu kleine Kartoffeln, Weinflaschen, die von einer Verkostung übrig bleiben, Schokoladentafeln aus Südamerika, die zu lange bei den Zollbehörden lagen. "Solche Lebensmittel können noch zu wunderbaren Menüs verarbeitet werden", sagt die 27 Jahre alte Bildungsmanagerin. "Das wollen wir zeigen."

Die junge Frau ist Chefin des Vereins Restlos glücklich, der sich noch in Gründung befindet. "Das ist nicht nur der Name, das ist mittlerweile auch unser Lebensmotto", sagt sie. Sieben junge Berliner gehören dazu, die die Idee seit einem Jahr verfolgen. Am Donnerstag haben sie ihr Projekt vorgestellt.

Das neue Lokal soll im Herbst öffnen. Ob in Kreuzberg, Friedrichshain oder Neukölln steht noch nicht fest. Klar ist jedoch, dass zwei Köche und ein Manager angestellt werden, und dass der Service von ehrenamtlichen Mitarbeitern übernommen wird. Das Projekt soll keinen Profit abwerfen. Die Gewinne fließen in Bildungsprojekte mit Kindern und Erwachsenen, zum Beispiel in Workshops und Kochkurse.

Vorbild ist ein Lokal in Kopenhagen, das "Rub & Stub". Ein Vereinsmitglied, die Umweltwissenschaftlerin Anette Keuchel, las davon und fuhr hin. Begeistert berichtete sie ihren Mitstreitern davon. "Danach stand fest: So etwas müssen wir in Berlin machen", erzählt Leoni Beckmann. Begeistert war das Team von Restlos glücklich auch von den freiwilligen Helfern im dänischen Restaurant, etwa einem IT-Manager, der in seiner Freizeit dort Geschirr abwäscht. Kooperationspartner für das Berliner Projekt gibt es bereits. Der Landwirt Johannes Erz aus dem Oderbruch freut sich, dass er Zucchini von seinen Feldern zur Verfügung stellen kann. "Das ist eine Kultur, die in der Ernte unheimlich schwer zu steuern ist", sagt der 31-Jährige. Auch Tomaten und Kartoffeln könnten von seinen Feldern bei Seelow zu Restlos glücklich kommen.

Ein Lebensmittelzwischenhändler stellt Waren zur Verfügung, wenn ein Kunde die Bestellung ändert oder abspringt. "Dann haben sie kistenweise Obst und Gemüse übrig", so Leoni Beckmann. Andere Händler wollen ihr Lager räumen und deshalb Waren loswerden. "Das Menü wird kreativ und täglich neu sein", sagt Wiebke Hampel, 33, Vereinsmitglied und ausgebildete Betriebswirtin. "Je nachdem, was wir an Lebensmitteln bekommen."

Kleine Portionen auf dem Teller

Vorgesehen ist, dass die Portionen auf den Tellern nicht groß ausfallen werden. "Denn auch die Verschwendung in Restaurants möchten wir nicht hinnehmen", betont Leonie Beckmann. "Aber auf Wunsch gibt es kostenlos Nachschlag." Die Preise für ein Hauptgericht sollen zwischen sieben und 14 Euro liegen. Etwa 30 Plätze wird das Restaurant haben. Der Verein wird vom gemeinnützigen Social Impact Lab in Kreuzberg unterstützt. Zur Finanzierung fehlen noch rund 50.000 Euro, die über die Spendenform Crowdfunding zusammenkommen sollen.

Ausschließlich vegetarisch werde das Restaurant nicht sein, sagt Leoni Beckmann. "Das hängt von der Situation ab." Auch ein Catering, das abgesagt wurde, soll nicht auf der Mülldeponie, sondern bei Restlos glücklich landen. Konkurrenz zu anderen Organisationen wie etwa der Berliner Tafel sieht die Vereinschefin nicht. "Es gibt in Berlin so viele Lebensmittel, dass man sich nicht in die Quere kommt, sondern eher kooperieren kann."

Informationen im Internet:
www.restlos-gluecklich.berlin

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