Religion

Moscheen, Kirchen und Hexen rüsten sich für Lange Nacht

Bei der „Langen Nacht der Religionen“ präsentieren sich mehr als 90 Glaubensgruppen in Berlin. Erstmals auch moderne Heiden.

Berliner Dom: An der „Langen Nacht der Religionen“ nehmen rund 90 Kirchen und Religionsgemeinschaften in Berlin teil

Berliner Dom: An der „Langen Nacht der Religionen“ nehmen rund 90 Kirchen und Religionsgemeinschaften in Berlin teil

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Mehr als 90 verschiedene Berliner Glaubensgemeinschaften öffnen sich am Sonnabend kommender Woche zur Langen Nacht der Religionen. In den Moscheen, Tempeln oder Synagogen gibt es Konzerte, Meditationen, Yoga, Gesprächskreise und Andachten, zu denen Menschen aller Weltanschauungen eingeladen sind. Von Aleviten über Hindus und Buddhisten bis hin zu Druiden sind fast alle Glaubensrichtungen der Stadt vertreten.

„Berlin ist die Stadt in Deutschland mit den meisten Religionsgemeinschaften. Wir wollen die Vielfalt zeigen und für Toleranz werben“, sagt Thomas Schimmel, Koordinator der Veranstaltung. Bedingung für eine Beteiligung sei lediglich, dass die Gruppen auf dem Boden der Grundgesetzes stehen. Zudem müssten sie sich verpflichten bei der Langen Nacht nicht zu missionieren. Es gehe nur um Information und Austausch, so Schimmel.

Die Lange Nach der Religionen findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt. In den vergangenen Jahren besuchten nach Angaben der Organisatoren etwa 10.000 Menschen die Veranstaltungen. Entstanden ist die Idee aus dem vom Senat 2011 initiierten Dialog der Religionen.

In diesem Jahr müssen sich die Glaubensgemeinschaften allerdings die Aufmerksamkeit der Berliner mit der gleichzeitig stattfindenden Langen Nacht der Museen teilen. Dafür beginnt die „Nacht“ der Religionen schon um 12.30 Uhr mit einem interreligiösen Friedensgebet im Französischen Dom am Gendarmenmarkt. Anschließend gibt es um 13 Uhr die „Weiße Tafel“ am Brandenburger Tor, an der Vertreter aller teilnehmenden Glaubensgemeinschaften mitgebrachte Speisen essen und miteinander ins Gespräch kommen. Ein großer Teil des Buffets wird von der Sikh-Gemeinde gestaltet, bei der das gemeinsame Essen traditionell ein Teil des Gottesdienstes ist.

Anfragen aus Montreal, Paris und Barcelona

Für Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren gibt es um 13.30 Uhr eine Schnitzeljagd durch die Mitte Berlins. Treffpunkt ist an der Treppe des Konzerthauses am Gendarmenmarkt. In der St.-Elisabeth-Kirche in Mitte veranstaltet der Verein Kunstplanbau ein Symposium zur Ästhetik der verschiedenen Religionen. Künstler aus den verschiedenen Glaubensrichtungen treffen sich in Workshops und gestalten zum Abschluss um 22 Uhr eine gemeinsame Performance.

Unter der Überschrift „Pagane Wege und Gemeinschaften“ präsentieren sich in diesem Jahr zum ersten Mal im Familienzentrum Menschenskinder in Friedrichshain auch Gruppen, die modernes Heidentum in der Stadt leben. Hier können Besucher mit Schamanen, Hexen oder Kelten ins Gespräch kommen und Meditationen oder Trancereisen kennenlernen.

Finanziert wird die Lange Nacht der Religionen durch Spenden und durch Fördermittel vom Senat. „Das Budget von insgesamt 12.000 Euro wird hauptsächlich genutzt, um das umfangreiche Programmheft zu gestalten und die Plakate zu drucken“, erklärt Schimmel. In den Programmheften werden neben den Veranstaltungen alle Glaubensrichtungen kurz beschrieben, häufig gibt es Hinweise zur gewünschten Kleidung oder zu Verhaltensregeln. Außerdem findet man darin Adressen der verschiedenen Gemeinschaften.

Die Organisation der Langen Nacht wird durch den Initiativkreis ehrenamtlich geleistet. „Angesichts der Größe der Veranstaltung kommen wir da langsam an unsere Grenzen“, sagt Schimmel. Andere Großstädte würden mit großem Interesse auf die Veranstaltung in Berlin schauen. Es gebe schon Anfragen aus Montreal, Paris oder Barcelona an den Initiativkreis, wo man das Konzept gern kopieren würde.

Mehr Informationen gibt es unter www.nachtderreligionen.de

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