Bilanz 2014

Die meisten Autos werden in Berlin gestohlen

Fast 19.000 Fahrzeuge wurden nach Angaben des Bundeskriminalamtes 2014 in Deutschland entwendet. Betroffen ist vor allem der Osten.

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Foto: Abix

Die Polizei hat im vergangenen Jahr bundesweit 18.549 gestohlene Personenkraftwagen (Pkw) registriert. Das sind vier Prozent weniger als 2013 (19.395). Das geht aus dem am Mittwoch vom Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden veröffentlichten „Bundeslagebild Kfz-Kriminalität 2014“ hervor. Danach ist auch der Diebstahl von Lastkraftwagen (Lkw) leicht rückläufig. Hier wurden elf Prozent weniger Fahrzeuge entwendet. (2014: 1524; 2013: 1708).

Die meisten Pkw wurden in Berlin (4162) und in Nordrhein-Westfalen (4027) gestohlen. „Betrachtet man jedoch die Zahl der dauerhaft entwendeten Pkw je 100.000 zugelassener Fahrzeuge (sogenannte Belastungszahlen), waren die östlichen Bundesländer besonders betroffen.“ Grund hierfür seien die vor allem im Osten Europas gelegenen Absatzmärkte für gestohlene Kraftfahrzeuge. Weiter heißt es: „Polen ist als Ziel- und Transitland einer der zentralen Staaten der internationalen Kfz-Verschiebung.“

Dagegen lägen die Absatzmärkte für entwendete Lkw vorwiegend im Nahen Osten, in Osteuropa und Zentralasien. Dafür würden die Fahrzeuge vor allem auf dem Landweg über die Türkei nach Syrien sowie durch Osteuropa in die GUS-Staaten transportiert.

Zwei Drittel der Täter Deutsche

Bei den Delikten Diebstahl, Unterschlagung und Hehlerei von Kfz konnten die Polizei 2014 insgesamt 18.017 Tatverdächtige identifizieren. Davon waren nach BKA-Angaben – wie in den vergangenen Jahren – rund zwei Drittel (11.616 Personen) deutsche Staatsangehörige.

Ein Großteil der gestohlenen Fahrzeuge lande jedoch nicht im Ganzen im Ausland, so die Ermittler. Denn die Kriminellen verwerteten auch die Einzelteile: Airbags, Navigationsgeräte Motoren, Getriebe und Karosserieteile würden beispielsweise in Internetportalen zum Kauf angeboten.

Hoch qualifizierte Banden

Das Verschieben der Fahrzeuge über Ländergrenzen hinweg wird nach Erkenntnissen der Ermittler von „hoch qualifizierten, spezialisierten und in der Regel arbeitsteilig vorgehenden Tätergruppierungen“, vornehmlich polnischer und litauischer Herkunft, dominiert. Denn die Überwindung von elektronischen Sicherungseinrichtungen, der Fahrzeugtransport, die teilweise Zerlegung der Fahrzeuge in Einzelteile, die Fälschung oder Verfälschung von Fahrzeug-Identifizierungsmerkmalen oder Fahrzeugpapieren sowie der Absatz der entwendeten Fahrzeuge erfordere eine umfassende Logistik und sprechen für die hohe Professionalisierung der Täter, so das Fazit.

Internationale Zusammenarbeit verstärkt

BKA-Präsident Holger Münch sagte zu den vorgelegten Zahlen: „Das BKA legt den Schwerpunkt bei der Bekämpfung der Kfz-Kriminalität auf den Ausbau der Zusammenarbeit mit internationalen Kooperationspartnern. Wichtig für den Erfolg gegen grenzüberschreitend agierende Täter sind auch die jüngst unterzeichneten Polizei-Kooperationsabkommen mit unseren Nachbarländern Polen und Tschechien. Sie ermöglichen den Polizeien des Bundes und der Länder beispielsweise die Verfolgung von Straftätern über die Grenze hinweg und erleichtern die Arbeit in gemeinsamen Fahndungsgruppen.“

So intensivierte die Polizei 2014 die nationale und internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden. In einem Bund-Länder-Projekt entwickelten die Ermittlungsbehörden in Deutschland einen nationalen Maßnahmenkatalog zur besseren Bekämpfung der Kfz-Kriminalität. Auf internationaler Ebene führten die deutschen Polizeibehörden gemeinsam mit ausländischen Partnern Kontroll- und Fahndungsaktionen an den Schengen-Außengrenzen durch und arbeiteten eng mit Europol und Interpol zusammen.

Von 2014 bis 2016 leitet das Bundeskriminalamt in Kooperation mit dem Landeskriminalamt Berlin, Europol, Frankreich, Polen, Litauen sowie weiteren Staaten ein durch die EU gefördertes Projekt zur Stärkung der Ermittlungsmöglichkeiten in den Teilnehmerstaaten. Mit diesem Projekt ermöglicht die EU Treffen der Ermittlungsdienststellen und leistet technische Unterstützung.