Extremismus

Neue Beratungsstelle zur Prävention gegen Islamismus

Bei dem bundesweit einzigartigen Angebot sollen Jugendliche und ihre Angehörigen für die Gefahren des Extremismus sensibilisiert werden.

Der Andrang vor der Şehitlik-Moschee am Columbiadamm ist groß. Hoher Besuch hat sich angekündigt: Bundesfamilienministerium Manuela Schwesig und Berlins Integrationssenatorin Dilek Kolat (beide SPD) eröffnen die neue Beratungsstelle Bahira, die sich vor allem in der Prävention von islamisch begründetem Extremismus stark macht. Tatsächlich besteht das Projekt zwar schon seit April, aber jetzt fand der offizielle Termin statt. Als sie symbolisch das Band vor dem Beratungsraum zerschneidet, sagt Schwesig: „Die Beratung muss dahin, wo auch die betroffenen Jugendlichen sind.“ Und Kolat betont: „Das Besondere ist, dass diese Maßnahme nicht von außen kommt, sondern in der Moschee-Gemeinde angesiedelt ist.“

Thomas Mücke, Leiter des Projekts, nickt. Zum deutschlandweit ersten Mal arbeitet bei Bahira eine Moschee mit einer Nichtregierungsorganisation zusammen. Mücke ist Geschäftsführer von Violence Prevention Network (VPN), einem bundesweit tätigen Netzwerk, das in Berlin mehrere Angebote gegen Extremismus leitet. Bahira ist ein Kooperationsprojekt von VPN, dem Zentralrat der Muslime in Deutschland und der Şehitlik-Moschee. Finanziert wird es für zunächst fünf Jahre mit jährlich 130.000 Euro vom Bundesfamilienministerium und mit weiteren 32.000 Euro vom Berliner Senat.

Ziel von Bahira ist es, „ein besonders niedrigschwelliges Beratungsangebot zu schaffen“, erklärt Mücke. Es richtet sich vor allem an Jugendliche und ihre Angehörigen aus der muslimischen Community. Da die Neuköllner Şehitlik-Moschee einen sehr großen Durchlauf hat, kann Bahira sehr viele Menschen erreichen. Und da die beiden Mitarbeiter, die speziell für die Beratung ausgebildet wurden, vor Ort sind, können sie auch selbst Jugendliche ansprechen. Der Kontakt ist schneller und direkter möglich als bei einer externen Beratungsstelle. „Bislang wird das Angebot sehr gut angenommen“, sagt Levent Yükçu, einer der Berater. Viele würden kommen, weil Freunde plötzlich extremistische Gedanken äußern oder weil in der Schule Terrorvideos im Umlauf sind. Ist ein Jugendlicher direkt gefährdet, sich einer extremistischen Gruppe anzuschließen, nimmt Yükçu Kontakt zu Kompass auf, einem weiteren Projekt von VPN, das sich an bereits radikalisierte Islamisten und Rückkehrer aus dem Dschihad richtet.

Bahira will dafür sorgen, dass es soweit gar nicht kommt. Und dafür steht auch der Name: Bahira war ein christlicher Mönch, der im Süden Syriens lebte. Als Mohammed dort als Kind mit einer Karawane hielt, erkannte Bahira seine prophetischen Eigenschaften und riet dem Onkel, Mohammed sofort wieder zurück in seine Heimat zu bringen, um ihn vor Feinden zu schützen.

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