Gesundheitsreport

Berliner Senioren sind am längsten krank

29,3 Tage waren die über 60-Jährigen in Berlin und Brandenburg im Jahr 2014 krankgeschrieben, zeigt der Gesundheitsreport der TK.

Ältere Berliner und Brandenburger sind länger krank als ältere Berufstätige in anderen Bundesländern. 29,3 Tage waren die über 60-Jährigen in beiden Bundesländern im Jahr 2014 durchschnittlich krankgeschrieben. Damit fehlten sie länger bei der Arbeit als die älteren Erwerbspersonen in den anderen Bundesländern.

Das geht aus dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) 2015 hervor. Am gesündesten war die Altersgruppe 60plus in Baden-Württemberg. Sie war durchschnittlich nur 21,1 Tage krankgeschrieben. Der Bundesdurchschnitt beträgt 25,8 Fehltage. Der Durchschnitt aller Altersklassen in Berlin beträgt 16,4 Tage (Brandenburg: 18,3).

Ältere Menschen sind länger krank geschrieben

„Ältere Menschen sind nicht häufiger krank geschrieben als jüngere, aber länger“, sagt der Sprecher der TK-Berlin, Lennart Paul. Über die Ursachen der hohen Ausfallzeiten ausgerechnet in Berlin und Brandenburg liegen keine Erkenntnisse vor. „Keine Erklärung greift so richtig“, sagt Paul.

Während Berlin eine dicht bebaute Großstadt ist, ist Brandenburg ein dünn besiedeltes Flächenland. In Berlin ist die Arztdichte sehr hoch, dagegen ist die Versorgung mit Ärzten in Brandenburg gering, so dass das Angebot an Ärzten kein Grund für die beiden Rekordwerte darstellen kann.

Auch die Erklärung, in Ost-Deutschland ließen sich die Mitarbeiter traditionell bereits am ersten Fehltag krank schreiben, während sie in West-Deutschland erst am dritten Tag zum Arzt gingen, ist nicht plausibel. Einerseits ist der Krankenstand im ehemaligen West-Berlin genauso hoch, andererseits belegen mit Hamburg und Nordrhein-Westfalen zwei West-Bundesländer die Spitzenplätze hinter Berlin und Brandenburg.

Besorgniserregend für die Brandenburger Arbeitgeber ist, dass im Vergleich aller Bundesländer die Krankschreibungstage in Brandenburg in allen Altersgruppen im oberen Bereich oder sogar an der Spitze lagen. Brandenburger im Alter zwischen 25 und 29 Jahren fehlten durchschnittlich 13,8 Tage. Die Jüngeren in Berlin liegen mit ihren Fehlzeiten dagegen weit unter den Brandenburger Zahlen. So waren die 25 bis 29 Jahre alten Berliner vier Tage weniger krank als die Nachbarn in Brandenburg. Bundesweit liegt der Schnitt bei 9,7 Tagen.

Krankenstand deutscher Arbeitnehmer steigt

Besorgniserregend für die Kassen ist der Trend, dass Arbeitnehmer immer häufiger krank sind. Nach einer Untersuchung der DAK ist der Krankenstand unter den deutschen Arbeitnehmern im ersten Halbjahr 2015 noch einmal leicht gestiegen. Demnach ist mehr als jeder dritte Arbeitnehmer mindestens einmal pro Jahr krankgeschrieben. Die Zahlen der TK bestätigen den Trend. Demnach waren 60 Jahre alte oder ältere Arbeitnehmer in den vergangenen Jahren jeweils einen Tag länger krank als im Vorjahr.

Erschreckend hoch ist die Krankenquote im Berliner öffentlichen Dienst. Hier sind die Mitarbeiter durchschnittlich doppelt so lange krankgeschrieben wie in der privaten Wirtschaft. Auf 38 Fehltage kommt ein öffentlich Bediensteter im Schnitt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di macht dafür die jahrelange personelle Aushöhlung der Verwaltungen verantwortlich. Nach jahrelangem Personalabbau – das Land sollte mit 100.000 Vollzeitstellen im öffentlichen Dienst auskommen – hat in diesem Jahr ein Umdenken eingesetzt. Vor dem Hintergrund der wachsenden Stadt, sollen künftig wieder mehr Mitarbeiter in den Verwaltungen die Bürgerdienste erledigen. Ende dieses Jahres werden 105.000 und Ende kommenden Jahres 108.000 Mitarbeiter in den Haupt- und Bezirksverwaltungen arbeiten.

Der TK-Untersuchung zufolge lassen sich die 20- bis 29-Jährigen in Bayern und die 30- bis 34-Jährigen in Bremen am seltensten krankschreiben. Sie fehlen durchschnittlich nur 7,9 Tage pro Jahr. Für ihren Gesundheitsreport 2015 wertete die TK die Krankschreibungen der 309.500 Erwerbspersonen bei der TK in Berlin und 129.500 bei der TK in Brandenburg versicherten Erwerbspersonen aus. Bundesweit waren es durchschnittlich 4,36 Millionen Erwerbspersonen. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld.