JVA Plötzensee

Mordkommission ermittelt nach Messerattacke

Ein 41 Jahre alter Häftling sticht auf eine JVA-Beamtin ein. Jetzt wird wegen versuchter Tötung ermittelt.

Die Justizbeamtin, die vergangenen Freitag von einem Häftling in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Plötzensee in Charlottenburg brutal angegriffen wurde, feiert heute ihren 50. Geburtstag. Sie wird ihn im Krankenhaus verbringen müssen, wo sie seit vier Tagen liegt und gestern ein zweites Mal operiert wurde. Ihr Kollege, der bei dem Angriff ebenfalls verletzt wurde, konnte noch am Freitag entlassen werden.

Und es gab noch einen dritten Verletzten: Nach Informationen der Berliner Morgenpost waren es Häftlinge, die den 41 Jahre alten Gefangenen von der bereits schwer verletzten Beamtin wegrissen und in einen speziellen Haftraum sperrten, bis Verstärkung kam. Dabei wurde einer der Gefangenen verletzt. Zudem sei der Alarm, den die Beamten um 15.45 Uhr ausgelöst hatten, in der Zentrale nicht aufgelaufen. Dass der Alarm in der Zentrale nicht auflief und deswegen Häftlinge eingeschritten seien, wollte eine Sprecherin der Justizverwaltung nicht bestätigen.

Wegen Körperverletzung zu zwei Jahren Haft verurteilt

Auch zu dem 41-Jährigen wurden am Montag nur wenige weitere Details bekanntgegeben. Der Angreifer war nach Angaben der Senatsjustizverwaltung kein Langzeithäftling, wie am Freitag zunächst berichtet worden war. Nach Informationen dieser Zeitung wurde der 41-Jährige wegen Körperverletzung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er sollte 2016 entlassen werden, bestätigte die Senatsjustizverwaltung. Seine Entlassung steht nun in Frage, denn eine Mordkommission des Landeskriminalamtes (LKA) hat gegen den 41-Jährigen Ermittlungen eingeleitet. Tatvorwurf: versuchte Tötung.

Nach Morgenpost-Informationen soll der 41-Jährige psychisch krank gewesen und auch schon vorher in der JVA-Plötzensee auffällig geworden sein. Eine geplante Verlegung ins Justizvollzugskrankenhaus sei aufgrund Personalmangels nicht zustande gekommen.

Als Waffe verwendete der Gefangene ein Besteckmesser. Nach Angaben der Senatsjustizverwaltung haben alle Häftlinge in der JVA-Plötzensee Besteck, weil die Gefangenen ihre Brote in ihren Zellen selber schmieren. Deswegen bekomme jeder auch ein Messer, was der 41-Jährige am Freitag dann als Tatwaffe verwendete.

„Er hat die Frau mehrfach in den Rücken gestochen“, sagte eine Justizsprecherin. Offenbar mit so viel Wucht, dass dabei die Klinge abgebrochen sei. Außerdem habe er die JVA-Bedienstete mit Fausthieben im Gesicht schwer verletzt. Die Tatwaffe wurde nach der Attacke sichergestellt.

Karge Personallage

Der Landesvorsitzende der Strafvollzugsgewerkschaft, Thomas Goiny, äußerte sich über den Vorfall entsetzt. Das besonders brutale Verhalten des Gefangenen sei erschreckend und Teil einer Serie von Übergriffen in den letzten Wochen. „Wegen der Personaleinsparungen der vergangenen Jahre sind nicht mehr genug Angestellte vorhanden, um Freistunden zu beaufsichtigen. Häftlinge verbringen deshalb mehr Zeit alleine in ihren Zellen, was natürlich mit der Zeit für Unmut sorgt“, so Goiny.

Mehr als jede zehnte Justizstelle in den Berliner Gefängnissen ist aktuell nicht besetzt. 2839 Personalstellen für Justizwachtmeister und andere Jobs in den acht Gefängnissen gibt es derzeit, auf 295 Stellen arbeitet aber niemand. Die Gründe sind meist fehlender Nachwuchs, lange Krankmeldungen von Justizbeamten und geplante Stellenstreichungen. Die Justizverwaltung kündigte am Montag an, aufgrund des Vorfalls, die Abläufe in der JVA zu prüfen und gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen. Es sei aber noch zu früh für eine Beurteilung.