Gut entwickelt

Vierlinge werden im August aus Klinik entlassen

Die 65-jährige Berlinerin Annegret Raunigk hat vor drei Monaten Vierlinge zur Welt gebracht. Die dürfen nun bald die Klinik verlassen.

Annegret Raunigk und ihre Vierlinge Fjonn, Neeta, Dries und Bence. Die Babys sollen noch in diesem Monat aus der Klinik entlassen werden

Annegret Raunigk und ihre Vierlinge Fjonn, Neeta, Dries und Bence. Die Babys sollen noch in diesem Monat aus der Klinik entlassen werden

Foto: Hans-Joachim Pfeiffer/RTL

Rund drei Monate nach ihrer Geburt können die Vierlinge der Berlinerin Annegret Raunigk (65) bald die Klinik verlassen. Die Kinder hätten sich nach Angaben der behandelnden Mediziner gut entwickelt und dürften wohl noch im August nach Hause, teilte der Sender RTL am Montag mit. Sie waren 14 Wochen zu früh per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen. Inzwischen wiegen Neeta, Dries, Bence und Fjonn allesamt mehr als 2,5 Kilo. Bei der Geburt waren sie zwischen 655 und 960 Gramm leicht und nicht voll entwickelt.

Die Schwangerschaft war eine kleine Sensation und hatte im April bundesweit Aufsehen erregt. Vierlingsschwangerschaften sind höchst selten. Die weitaus größere Sensation war allerdings die Tatsache, dass Annegret Raunigk 65 Jahre alt ist. Sie hatte bereits 13 Kinder. Ihre Jüngste, Lelia, wurde am 1. Juni zehn Jahre alt.

Die alleinerziehende Lehrerin hat schon einmal einen Rekord aufgestellt. Als am 1. Juni 2005 ihr 13. Kind geboren wurde, war sie 55 Jahre alt und damit die älteste Mutter Deutschlands. Sie hatte sich im vergangenen Jahr mehrfach im Ausland durch eine Eizellen- und Samenspende künstlich befruchten lassen. Bei der letzten Behandlung waren ihr in der Ukraine im Labor gezeugte Eizellen eingesetzt worden – erfolgreich. Sie ist nun Mutter von 17 Kindern.

"Eigentlich ganz normale Kinder"

Über die Vierlinge sagte der Leiter der Neonatologie der Berliner Charité, Christoph Bührer: „Sie sind jetzt eigentlich ganz normale Kinder.“ Sie hätten Hunger und würden von der Mutter umsorgt. Dries habe sich von einer OP am Kopf vor vier Wochen gut erholt. Wegen eines Blutgerinnsels hatte sich Flüssigkeit angesammelt, die nun über einen künstlichen Kanal in den Bauchraum abfließen kann. Das Mädchen Neeta war kurz nach der Geburt am Darm operiert worden. Sollten sich die Vierlinge weiter so gut entwickeln, seien weitere Krankenhausaufenthalte den Ärzten zufolge in naher Zukunft nicht mehr nötig, hieß es weiter.

Dabei hatte es im Vorfeld auch viel Kritik gegeben. Mediziner hielten die Schwangerschaft für riskant – für Mutter und Kinder. Professor Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig etwa sagte, dass diese Situation aus medizinischer Sicht „die absolute Katastrophe“ sei. In diesem Alter sei das Risiko für Bluthochdruck, eine Schwangerschaftsvergiftung oder Diabetes extrem hoch. Der behandelnde Arzt von Annegret Raunigk sagte gegenüber RTL, dass Vierlingsschwangerschaften immer eine hohe Belastung für den Körper einer Frau sind. Erfahrungen hätten sie alle „wenig bis gar nicht mit so einer Schwangerschaft in dem Alter“.

Schwangerschaften bei Frauen ab 40 Jahren sind heute dank moderner Fortpflanzungsmedizin allerdings oft kein Problem mehr. Trotzdem gelten sie als Risikoschwangerschaften, weil Behinderungen sowie Fehl- und Frühgeburten häufiger vorkommen als bei Frauen unter 35 Jahren. Die italienische Rocksängerin Gianna Nannini hatte 2011 für Aufsehen gesorgt, als sie mit 54 Jahren zum ersten Mal Mutter wurde. Auch die US-Schauspielerin Geena Davis bekam mit 47 Jahren noch Zwillinge. Bereits vor zehn Jahren hatte eine 66-jährige Rumänin in Bukarest nach künstlicher Befruchtung ein Mädchen zur Welt gebracht.