Nutzungskonzept

Flughafen Tempelhof soll Kulturhafen werden

Die Berliner Grünen wollen ein Sanierungs- und Nachnutzungskonzept für den Flughafen. Ihnen schwebt ein „Kultur- und Kreativhub“ vor.


Weitblick: Von der Dachterrasse auf dem ehemaligen Flughafengebäude Tempelhof aus sollen die Gäste ab 2017 die Aussicht über das Flugfeld genießen

Weitblick: Von der Dachterrasse auf dem ehemaligen Flughafengebäude Tempelhof aus sollen die Gäste ab 2017 die Aussicht über das Flugfeld genießen

Foto: Roswag Architekten / Roswag Architekten“

Der Flughafen Tempelhof soll ein Ort der Kultur und des Tourismus werden. In den vergangenen Wochen hat es dazu gleich mehrere gute Nachrichten gegeben:

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bestätigte die Überlegung des Senats, die Sammlung der Neuen Nationalgalerie vorübergehend in Hangars des alten Flughafens zu zeigen.

Die Volksbühne unter ihrem künftigen Intendanten Chris Dercon will ihn als weitere Spielstätte ab 2017 nutzen.

Und schließlich fließen 24 Millionen Euro aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) und des Wettbewerbs "Nationale Projekte des Städtebaus" nach Tempelhof, um dort eine Flaniermeile auf dem 1,2 Kilometer langen Dach anzulegen, ein Wegeleitsystem und ein Besucherzentrum zu schaffen. Das Kopfgebäude am Tempelhofer Damm soll hergerichtet werden, um Treppenhaus, oberste Etage, Dach und Tower für Veranstaltungen zu nutzen.

Schlüssiges Konzept gefordert

Doch den Grünen im Abgeordnetenhaus reicht das nicht. Sie fordern ein schlüssiges Sanierungs- und Nachnutzungskonzept für den gesamten Komplex und wollen aus dem alten Flughafen einen Kulturhafen machen. Fraktionschefin Antje Kapek schwebt ein "Kultur- und Kreativhub" vor, zum Beispiel mit dem AlliiertenMuseum und weiteren Museen, Ausstellungsflächen, Künstlerateliers, Film- und TV-Produktionen, Tonstudios und Proberäumen, kultureller Bildung, Tanz sowie Start-ups der Digital- und der Kulturwirtschaft.

Dazu dürfe das außergewöhnliche Flughafengebäude aber nicht weiter verfallen, mahnte Kapek. Vielmehr sei eine nachhaltige Finanzplanung nötig, um es sanieren zu können. Von den 300.000 Quadratmetern Nutzfläche seien derzeit nur 77.000 Quadratmeter vermietet, der größte Teil an landeseigene Mieter. Die Einnahmen daraus deckten lediglich die laufenden Ausgaben, für die Instandhaltung und Weiterentwicklung des Gebäudes sei zu wenig Geld vorhanden.

Grundinstandsetzung kostet 237 Millionen Euro

Im Landeshaushalt müssten daher Mittel verankert werden, um das Gebäude bis 2025 sanieren und modernisieren zu können. Nach einem Gutachten der Tempelhof Projekt GmbH kostet allein die Grundinstandsetzung 237 Millionen Euro.

Betriebskosten und Sanierung müssten sich künftig stärker aus der Vermietung finanzieren, forderte die Grünen-Politikerin. Das heißt: Wer das Gebäude nutzen will, soll sich auch an der Sanierung beteiligen. Das gelte für "Kultur-Anker" wie etwa Museen ebenso wie für private Akteure wie den Onlinemodehändler Zalando und seine Messe Bread & Butter.

Die SPD-Fraktion im Landesparlament begrüßte die Idee, auf dem alten Flughafen Kultur anzusiedeln. Die CDU betonte, der Fokus müsse auf einer wirtschaftlichen Entwicklung des Flughafengebäudes liegen. Ein Profil für Tempelhof zu entwickeln, sei überfällig.

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