Prozess in Berlin

Pate soll zwei Mädchen sexuell missbraucht haben

Ein ehrenamtlicher Pate soll zwei Mädchen sexuell missbraucht haben. Vor Gericht weist er die Anschuldigungen weit von sich.

Es gilt die Unschuldsvermutung. Und Reiner K., vor einer Moabiter Strafkammer angeklagt wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, bestreitet die Vorwürfe vehement. Er habe die damals neun- und elfjährigen Mädchen nie sexuell berührt, erklärte der 57-Jährige am Donnerstag zu Prozessbeginn.

Kennengelernt hatte der Programmierer sie über einen gemeinnützigen Verein, der Patenschaften für Kinder von Alleinerziehenden vermittelt. Seine Frau und er hätten keine eigenen Kinder, hieß es in einer Erklärung des Angeklagten. Sie hätten diesen Verein als Lösung gesehen. Mehrere Patenschaften endeten jedoch schnell wieder, als sich herausstellte, dass es bei diesen Kinder Defizite bei der Erziehung gab. Vor allem seine unter multipler Sklerose leidende Frau habe damit große Probleme gehabt, so K. „Wir wollten die Kinder ja nicht nur bespaßen, sondern ihnen auch beim Lernen helfen.“

Mit der neunjährigen Sophie (Namen der Kinder geändert) ging es besser. Wenig später übernahm Reiner K. auf Wunsch der beiden Mädchen auch die Patenschaft der elfjährigen Lena. Im Anklagesatz steht, er habe Lena immer wieder Zungenküsse gegeben, habe sie an der Brust und an der Scham betastet, sich auch selber anfassen und befriedigen lassen und den Mädchen Pornofotos gezeigt. Im Auto, bei Schwimmbadbesuchen, Zelturlauben.

Mutter untersagt Kontakt

Geendet habe das erst, als sich Sophie von dem Patenonkel immer weniger sagen ließ und er die Patenschaft beendete. Mit Lena wollte er weitermachen, das untersagte jedoch ihre Mutter: „Ich habe ihm erklärt, entweder beide Mädchen oder keines“, erklärte die 36-Jährige vor Gericht. „Ich hatte damals schon so ein ungutes Gefühl, meine Tochter mit ihm allein zu lassen.“ Es gibt dann noch einen merkwürdigen Brief, den der Angeklagte Lena über einen Klassenkameraden zukommen ließ: Vielleicht wolle sie ihn ja wieder zurückhaben, er vermisse sie so sehr.

Lena sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Ihr Auftritt sei sehr überzeugend gewesen, sagte ihre Nebenklagevertreterin. Die Anklage habe sich ihrer Meinung nach eindeutig bestätigt. Der Prozess wird am 17. August fortgesetzt.